Mit seiner Rolle als Führungsspieler will der Burgenländer, der am Tag des EURO-Spiels gegen die frühere Wahlheimat Deutschland seinen 28. Geburtstag feiert, einen wichtigen Beitrag zu einem erfolgreichen EM-Abschneiden der ÖFB-Auswahl leisten.
Wie waren die ersten Eindrücke von der Mannschaft nach Ihrer Ankunft?
Stranzl: "Hervorragend, alle ziehen hundertprozentig mit. Die Spielformen haben schon sehr gut ausgeschaut, die Kommunikation ist super und alle integrieren sich."
Helge Payer hat nach dem Sardinien-Trainingslager gemeint, es wäre das beste Camp gewesen, seit er im Team ist. Warum hat es so lange bis zu einer perfekten Einstellung gedauert?
Stranzl: "Das weiß ich nicht. Irgendwie denkt man sich: Wieso nicht schon ein Jahr früher? Dann wären wir jetzt vielleicht ein bisschen weiter."
Was hat sich in den knapp zweieinhalb Jahren unter Teamchef Josef Hickersberger verändert?
Stranzl: "Vom Training her nicht viel, wir machen nicht viel anders. Aber es ist sukzessive alles besser geworden, angefangen vom Tempo."
Hat sich der Teamchef verändert?
Stranzl: "Nein. Er zieht seine Linie durch, auch wenn es nicht gut läuft, und probiert nicht gleich etwas anderes. Er ist bei allen Schwierigkeiten ruhig geblieben, und das zeichnet ihn aus."
Aber hat er nicht seine Linie mit der Nominierung von Ivica Vastic verlassen?
Stranzl: "Die Hintergründe, warum der Ivo geholt worden ist, werden im Trainerstab abgesprochen worden sein, das kann uns Spieler ja auch nicht interessieren. Wir haben unsere Arbeit zu tun, der Trainer wird sich schon etwas dabei gedacht haben. Unter anderem wird ein Grund sein, dass Vastic neben Martin Hiden als einziger Spieler Turniererfahrung hat, wir anderen nicht."
Könnte dieses Manko der mangelnden Turniererfahrung zum größten Problem werden?
Stranzl: "Einerseits könnte es sein, dass es für uns ein Handicap ist, andererseits könnte man sagen, wir sind eine junge, frische Mannschaft, die noch nie bei einem Turnier war, dadurch eine gewisse Naivität an den Tag legt und mit Enthusiasmus an die Sache herangeht. Ich gehe eigentlich davon aus, dass es für uns vielleicht sogar ein bisschen von Vorteil sein könnte."
Sie zählen zu jenen ÖFB-Spielern mit Champions-League-Einsätzen. Kann man dadurch die fehlende Turniererfahrung kompensieren?
Stranzl: "Nein, denn bei der EM hat man drei Spiele in einem kurzem Zeitraum gegen die Besten Europas. In der Champions League spielt man zweimal gegen den gleichen Gegner in einem anderen Zeitraum. Es wird für mich genauso Neuland sein, außer dass ich schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel habe und dadurch weiß, wie man sich die Kräfte im Spiel einteilen muss, damit man in den drei Partien Top-Leistungen abliefern kann. Die Jungen geben immer 100 Prozent, am Ende ist dann halt nicht mehr so viel da. Da sind wir erfahrene Spieler zuständig, dass wir dann das Tempo etwas kontrollieren."
Haben Sie das Gefühl, dass die jüngeren Kicker zu Ihnen aufschauen?
Stranzl: "Das müssen die Spieler beantworten. Ich bin sehr kommunikativ, gehe auf die Spieler zu und versuche, im Training und abseits des Trainings etwas zu bewirken."
Der Kern des aktuellen Kaders könnte vom Alter her noch zwei Qualifikationen spielen. Was ist für diese Mannschaft unabhängig von der EM in den kommenden Jahren möglich?
Stranzl: "Einige haben schon im Ausland unterschrieben, der eine oder andere wird es bald tun. Dann kommt es darauf an, wie die Spieler Fuß fassen. Und dann wird es interessant sein, wie die Spieler mit Problemen umgehen können, die sicher kommen werden. Wenn alle da drüberkommen, dann wird für uns in der WM-Quali sehr viel möglich sein."
Ist in mittlerer Zukunft ein ÖFB-Kader denkbar, der nur aus Legionären besteht?
Stranzl: "Nein, weil sich die österreichische Liga zuletzt zu einer sehr guten Ausbildungsliga entwickelt hat. Die jungen Spieler können Fuß fassen und dann den nächsten Schritt wagen. Und die Guten der österreichischen Liga werden dann auch im Team spielen. Die ideale Kader-Mischung wäre meiner Meinung nach zwei Drittel Legionäre, ein Drittel Bundesliga-Spieler."
Wie lange werden Sie noch bei ihrer derzeitigen Auslands-Station Spartak Moskau bleiben?
Stranzl: "Mein Vertrag läuft mit Jahresende 2008 aus, wobei es eine Option auf ein Jahr gibt. Der Verein will noch einmal um zwei Jahre verlängern. Da sind wir gerade am Reden. Doch Spartak hat auch gesagt, ich soll mich in Ruhe auf die EM konzentrieren, alles andere wird sich dann von alleine ergeben."
Bei Spartak spielen Sie in der Viererkette, bei der EM könnten Sie als defensiver zentraler Mittelfeldspieler agieren. Haben Sie diese Rolle zuletzt in Moskau im Training ein bisschen geübt?
Stranzl: "Das war nicht möglich, weil wir zuletzt englische Wochen gehabt haben und dadurch oft nur Regeneration und Abschlusstraining absolviert haben. Man wird sehen, ob mich der Teamchef in einem Testspiel oder Training auf dieser Position einsetzt. Darüber mache ich mir aber derzeit überhaupt keine Gedanken. Säumel hat in den letzten beiden Spielen auf dieser Position sehr gut gespielt, eine tolle Entwicklung gemacht. Aufhauser ist auch noch da, und Leitgeb kann auch diese Rolle spielen. Ich glaube auf jeden Fall nicht, dass wir im zentralen defensiven Mittelfeld Schwierigkeiten haben."
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