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10.12.2016 - 07:41

Tragikomisches: "Krone"- Mitarbeiter über Wehrdienstzeit

12.01.2013, 19:37
Nur noch eine Woche bis zur Heeres-Volksbefragung: Während sich die Parteien in Sachen Wehrpflicht Schlagabtäusche an allen nur erdenklichen Fronten liefern, schildern "Krone"-Mitarbeiter ihre Erinnerungen an den Wehrdienst: Ein Sittenbild, freiwillig erzählt, aber unfreiwillig komisch im achten und letzten Teil der "Krone"-Serie "Schlacht ums Heer".

Es gab kein Entkommen, auch wenn unser späterer "Krone"- Doktor Wolfgang Exel noch so dramatische Gebrechen daherjammerte: Migräne, Meniskus- Schaden. Der Militärarzt blätterte, ohne aufzublicken, in den Unterlagen und war begeistert: Leichtathlet, Fußballer – unser Mann! A- tauglich! Abtreten! Es wurde eine unvergessliche Zeit in der burgenländischen Pampa. Samt einer kurzen Karriere als Ausbildner.

Den Dienst als Funker absolvierte Exel an museumsreifen Geräten. Eine todernste Bunkerübung hätte für potenzielle Feinde letal enden können: Die wären vor Lachen umgefallen – denn die Vaterlandsverteidiger, die hatten alles, nur keinen Schlüssel für den Bunker.

"Jeder Soldat wäre zum Kanonenfutter verdammt"

Mit vergleichsweise heiligem Ernst hatte sich Außenpolitiker Kurt Seinitz (Bild 1) dem Bundesheer genähert. Eine Karriere als Berufsoffizier war ins Auge gefasst, aber diese Idee wurde dem jungen Mann bald abgewöhnt. "In meiner ganzen Heereszeit habe ich mit exakt vier echten Patronen geschossen. Meine Einheit bestand aus gezogenen Lafetten. Unsere Panzer- Artillerie wäre im Ernstfall binnen Minuten ausgelöscht worden durch eine total überlegene feindliche Luftwaffe." Kurt Seinitz im Resümee: "Es wäre ein Verbrechen, dieses Bundesheer jemals für einen Kampfeinsatz zu mobilisieren. Jeder Soldat wäre zum Kanonenfutter verdammt im bestehenden Wehrpflichtsystem."

Seinitz tritt für eine kleine, gut ausgerüstete Profi- Truppe ein. "Blutige" Amateure hätten keine Überlebenschance. Das einzige Blut, das er in seiner Heereszeit gesehen hat: das von den Ratten in der Küche der Kaserne Glasenbach bei Salzburg, denen er mit dem Feldspaten die Köpfe abgeschlagen hatte. Eine andere Erinnerung, die bis heute den üblen Geruch nicht abgelegt hat: mit den ersten "Sternen" mitnaschen dürfen am Offizierstisch. Übles Relikt aus der Feudalzeit. Seinitz lehnte dankend und für immer ab.

Sportskanone, aber untauglich?

Wie kann eine echte Sportskanone untauglich sein? Robert Sommer (Bild 2), Sport- Chef der "Krone", hätte alle Voraussetzungen für einen Karrieresprint beim Heer mitgebracht. Leichtathlet, 5.000- Meter- Meister, aber: zu geburtenstark, sein Jahrgang 1962. Ein kleines Gebrechen an Sommers beiden Ringfingern war den Entscheidungsträgern hochwillkommen: "Sie können sicher nicht schießen. Abtreten!" Sommer war das so unrecht auch wieder nicht. Er hatte schon einen Fuß in der "Krone" und nutzte die Finger für gewaltfreie Einsätze an der Schreibmaschine.

Zivildiener aus Überzeugung

Stefan Weinberger, "Krone"- Mann für die Fernsehwelt, erzählt kurz und berührend: Er war ein Zivildiener aus Überzeugung, im Haus der Barmherzigkeit eingesetzt. Kostbare, prägende, auf keinen Fall verlorene Zeit. Die Nähe erfahren zu alten, sterbenden, behinderten Menschen. Weinberger findet, dass diese Erfahrung für jeden Menschen nur wertvoll sein könne. Verlorene Zeit - das kennt er nur aus den Schilderungen der Schulfreunde, die dem System und nicht dem Menschen dienen mussten.

Erfahrungen mit Mitleidseffekt

Paul Tikal aus dem Ressort iPad ist der jüngste Wehrdienst- Erzähler aus der "Krone"- Riege, eingerückt bei der 4. Gardekompanie im Jahr 2001. Seine Erinnerungen sind eine einzige Mitleidskundgebung. Mitleid mit dem kriegerischen Scharfschützen, der beim Blutspenden bewusstlos wurde, weil er kein Blut sehen konnte. Mitleid mit dem jungen, übergewichtigen Ausbildner, der selbst die langsamste Laufgruppe nicht derschnaufte. Und dann war da noch die Lachnummer mit dem armen Rekruten, der ein Pony ziehen musste, welches wiederum die Pauke des Gardetrommlers ziehen musste. Ein Land, das so ein Heer hat, braucht keine Feinde.

Gefährliche Dummheiten der Vorgesetzten

Es hat sich einiges zum Positiven geändert, seit er einrückte im 87er- Jahr, sagt Richard Schmitt (Bild 3), aber davon hat er jetzt auch nichts mehr. Menschen wie General Hubertus Trauttenberg müsse man erwähnen, findet Schmitt, die den Wandel zu menschenwürdigem Management vollzogen. Wie gefährlich dumm es zu seiner Zeit noch zuging: 4. Panzergrenadierbrigade in Linz, mit den Sturmgewehren auf den Knien wurde auf Lkw- Ladeflächen stundenlang gewartet, bis man zugeschneit war. Schneeketten auflegen? Nein.

Den Unfall überlebten die Männer dann glücklicherweise. Wie in einer Waschmaschine. Waffen, Stahlhelme, Spaten - alles flog ihnen um die Ohren. Das Erinnerungsfoto vom Überleben brachte den Unteroffizier so in Rage, dass er sogar die Verletzten noch kilometerweit zum Schießstand stapfen ließ. Den Sinn seiner Vaterlandspflichten hat Richard Schmitt auch darin nie erkannt: Pommes und Bier und wieder Bier für Unteroffiziere servieren. Prost.

Gutes und Schlechtes in den wilden 60er- Jahren

Wachtmeister der Reserve in den wilden 60er- Jahren war "Krone"- Tirol- Chefredakteur Walther Prüller (Bild 4). "Können Sie Maschineschreiben? Dann ab zum Fensterputzen", erinnert er sich an seine Zeit beim Heer. Aber auch gemenschelt hat es: Freies Wochenende? Wer eine kranke Großmutter daherlügt, bleibt daheim, sagte der Kompanie- Kommandant. Aber wenn die Freundin wirklich Geburtstag hat: Abmarsch zur Liebe! Prüllers unvergessliche Erinnerung an einen Vorgesetzten, der später bei einem Übungsflug tödlich verunglückte.

Umwelt- Experte Perry im Dienste Ihrer Majestät

Und last, but not least unser Umwelt- Experte Mark Perry. Der kann jedoch mit keinerlei Wehrdienst- Erinnerung dienen. Perry ist nämlich Engländer. In jugendlichem Überschwang wollte er im Dienste Ihrer Majestät sogar die Falkland- Inseln zurückerobern. Großbritannien hat ja immerhin ein gut funktionierendes Berufsheer mit attraktiven Job- Chancen. Nichts, was man derzeit von Österreich behaupten könnte.

Danke für diese Einblicke.

12.01.2013, 19:37
Marga Swoboda, Kronen Zeitung
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