Willkommen
|
Facebook Twitter Google Plus
23.09.2017 - 10:41
Foto: APA/ROBERT PARIGGER

Mann irrtümlich als Waise geführt: "Ein erster kleiner Sieg"

21.12.2011, 08:21
Der Zivilprozess, in dem ein heute 65-jähriger ehemaliger Kinderheimbewohner 1,6 Millionen Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld vom Land Oberösterreich verlangt, weil er nach dem Zweiten Weltkrieg fälschlicherweise als Vollwaise geführt wurde, ist am Dienstag vertagt worden. Dies wertete die Anwältin des Klägers als einen "ersten kleinen Sieg", da zunächst eine sofortige Abweisung der Klage wegen Verjährung im Raum gestanden hatte.

Nun soll geprüft werden, ob der Fall tatsächlich verjährt ist. Damit eine Verjährungsfrist außer Kraft gesetzt wird, müsste der Kläger nachweisen, dass er infolge einer psychischen Erkrankung oder einer geistigen Behinderung nicht in der Lage gewesen sei, seine Rechte zu verfolgen. Ein Sachverständiger soll beurteilen, ob der Betroffene aufgrund des erlittenen Traumas tatsächlich nicht früher in der Lage war, seine Ansprüche geltend zu machen.

Gelegenheit, "mal richtig auszupacken"

Die Anwältin des 65- Jährigen sprach in diesem Zusammenhang von einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung, hervorgerufen durch die Schäden, die ihrem Mandanten in seiner Kindheit zugefügt worden seien. Er habe die Ereignisse verdrängt und nicht vollinhaltlich erfassen können. Erst durch eine lebensbedrohliche Operation im Jahr 2009 und die damit verbundene Todesangst sei alles wieder an die Oberfläche gekommen und der Mann habe daraufhin das Erlebte niedergeschrieben.

Der 65- jährige Kläger erklärte, durch den Prozess die Gelegenheit zu haben, "mal richtig auszupacken". Die Öffentlichkeit solle so erfahren, "was in einem Kind abgeht, wenn es 14 Jahre eingesperrt wird". Dass die Klage nicht abgewiesen wurde, sei "ein erster kleiner Sieg", so die Anwältin des 65- Jährigen. Laut ORF hatte aber auch der Rechtsvertreter des Landes Oberösterreich "nicht mit einer Abweisung der Klage gerechnet".

Missbrauch in Kinderheimen

Der Sohn eines US- Soldaten und einer vor der Roten Armee aus Ungarn nach Oberösterreich geflüchteten Volksdeutschen war kurz nach Kriegsende im Babyalter von seiner Mutter getrennt worden. Die ersten 18 Jahre seines Lebens verbrachte er in mehreren Kinderheimen in Oberösterreich, wo er missbraucht und misshandelt wurde. Obwohl die Namen der Eltern im Säuglingsheim in Linz laut Bericht genau protokolliert wurden, soll die Jugendfürsorge im Amt der Landesregierung Mitte der 60er- Jahre plötzlich nichts mehr von Familienangehörigen gewusst haben.

Der Mann, der seine Mutter erst nach eigener Recherche als Erwachsener gefunden hatte, wurde im Schriftverkehr als Vollwaise geführt. Er spricht von "institutionalisiertem Unrecht". Vom Land erhielt er bisher 20.000 Euro als finanzielle Geste an frühere Gewaltopfer.

21.12.2011, 08:21
AG/red
Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2017 krone.at | Impressum