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30.04.2017 - 19:54
Elor Asaria, der einen Palästinenser erschoss, wird nach dem Urteil von seinen Eltern getröstet.
Foto: APA/AFP/Heidi Levine / Video: AFP

Ein Schuldspruch wühlt Israel auf wie selten zuvor

04.01.2017, 22:31

Kaum ein Fall hat die israelische Gesellschaft derart aufgewühlt und gespalten wie jener des Soldaten Elor Asaria, über den am Mittwoch das Urteil gefällt wurde - schuldig wegen Totschlags. Der damals 18- jährige Sanitätssoldat hatte im März des Vorjahres in Hebron im Westjordanland einem am Boden liegenden verletzten palästinensischen Attentäter in den Kopf geschossen.

Elor Asaria wurde am Mittwoch des Totschlags schuldig gesprochen. Die Verkündung des Strafausmaßes wird innerhalb eines Monats erwartet. Dem jungen Mann drohen bis zu 20 Jahre Haft.

Totschlag oder Selbstverteidigung?

Asaria sagte im Prozess aus, er habe befürchtet, dass der Palästinenser noch einen Sprengstoffgürtel unter seinem Mantel trage. Der Attentäter hatte zuvor einen anderen Soldaten mit einem Messer verletzt. Asarias Anwalt sagte, sein Mandant habe in Selbstverteidigung gehandelt. Die Richterin Maja Heller lehnte allerdings die entscheidenden Argumente der Verteidigung als unglaubwürdig ab und erklärte, der Attentäter sei "unnötigerweise" erschossen worden.

Elor Asaria, der einen Palästinenser erschoss, wird nach dem Urteil von seinen Eltern getröstet.
Foto: APA/AFP/Heidi Levine
Foto: Associated Press

"Er hat nur dieses Land beschützt"

Vor dem Militärhauptquartier demonstrierten Hunderte Menschen teils agressiv für Asarias Freilassung. "Ich denke, man hat vergessen, was in diesem Fall passiert ist", sagte eine der Demonstrantinnen. "Jemand ist gekommen, um so viele Juden wie möglich zu töten." Man könne darüber reden, ob die Reaktion des Soldaten gut gewesen sei oder nicht, aber er dürfe deswegen nicht ins Gefängnis. Amir Levi, ein anderer Demonstrant, sagte: "Er hat als Soldat seinen Job gemacht und nur dieses Land beschützt."

Demonstranten kämpfen um die Freilassung des israelischen Soldaten.
Foto: AFP
Foto: Associated Press

Menschenrechtler werfen Israels Armee immer wieder vor, übertriebene Gewalt anzuwenden. Seit Beginn der Anschlagswelle vor mehr als einem Jahr sind 37 Israelis getötet worden, mehr als 250 Palästinenser kamen ums Leben - die meisten bei ihren eigenen Anschlägen. Die Armee betont, die Soldaten hätten strikte Anweisung, nur zu schießen, wenn ihr Leben in Gefahr sei. Unbestritten ist wohl, dass viele junge Soldaten durch die Anspannung bei Einsätzen in den besetzten Palästinensergebieten sowie bei der Terrorabwehr heillos überfordert sind.

Totschläger oder Volksheld?

Israels Generalstabschef Gadi Eisenkot hat das Verhalten des Angeklagten eindeutig verurteilt, doch für viele rechtsgerichtete Israelis ist der junge Mann ein Volksheld. Auch Verteidigungsminister Avigdor Lieberman machte sich für den Soldaten stark. Erziehungsminister Naftali Benett von der ultrarechten Siedlerpartei forderte gar eine sofortige Begnadigung durch den Staatspräsidenten.

Palästinensische Gegendemonstranten
Foto: EPA

Laut Umfragen unterstützt eine klare Mehrheit der jüdischen Israelis diese Tötung als Selbstverteidigung. Am höchsten ist die Unterstützung mit 84 Prozent unter jungen Israelis, die in der Armee zu dienen haben.

Netanyahu unterstützt Begnadigung

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu tritt offen für eine Begnadigung des jungen Soldaten ein. "Ich unterstütze eine Begnadigung von Elor Asaria", postete Netanyahu am Mittwoch auf seiner Facebook- Seite. "Das war ein harter und schmerzhafter Tag für uns alle", schrieb er. Dies gelte insbesondere für Asaria und dessen Familie.

Kommentar von Kurt Seinitz: Schuld ist die Politik
Dieser Prozess ging weit über individuelle Schuld hinaus. Schuld ist die Politik, die junge Menschen in solche verhängnisvollen Situationen zwingt. Sie vergiftet auch den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Israel muss für eine Sicherheitspolitik dieser Art immer mehr Abstriche an seinen Gründungsidealen machen.

Kurt Seinitz (Kronen Zeitung), krone.at

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