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03.12.2016 - 19:00
Foto: Universal Music

Carpendale: "Künstler müssen kommen und gehen"

27.11.2013, 17:00
In seiner knapp 50-jährigen Karriere hat der in Südafrika geborene Sänger Howard Carpendale schon viel erlebt. Mit seinem neuen Album "Viel zu lang gewartet" findet er nach längerer Auszeit und holprigem Comeback endgültig in die Spur zurück. Im ausführlichen "Krone"-Interview sprach der 67-Jährige offenherzig und auch humorvoll über seine Depressionen, warum Sting und Mick Jagger keine guten Sänger sind und weshalb er live ähnlich rockt wie AC/DC.

"Krone": Ihr neues Album heißt "Viel zu lang gewartet". Haben die Fans viel zu lange auf Sie gewartet oder meinen Sie damit etwas anderes?
Howard Carpendale: Ich habe viel zu lange damit gewartet, nach meiner Comeback- Tour eigene Musik zu machen. Wir haben seither zwei Alben veröffentlicht, die hauptsächlich von meinem Team geschrieben wurden, mit dem ich seit Jahren zusammenarbeite. Ich habe mich ein bisschen rausgehalten. Ich bekam dann das Gefühl, dass die Authentizität darunter leidet. Bei diesem Album hatten wir eine neue Gruppe von Leuten, die eine andere Art von Musik schreiben. Wir haben uns in einem Hotel in Berlin getroffen, über alles Mögliche geredet und dort zusammen komponiert und getextet. Etwa neun Lieder sind in den Tagen entstanden, wo wir im Hotel waren. Danach haben wir aus der Ferne weitergearbeitet.

"Krone": Haben Sie in Ihrem Leben auf etwas viel zu lange gewartet, sodass sich mögliche Chance dadurch aufgelöst haben?
Carpendale: Ich finde, dass diese Songzeile ein bisschen für die ganze Welt gilt. Wir alle haben Angst vor dem nächsten Schritt und warten vielleicht zu lange. Änderung ist der einzig sinnvolle Weg, das Gefühl des Festgefahrenseins wegzubekommen. Ich glaube, jeder hat irgendwann in seinem Leben viel zu lang gewartet. Man sieht es in der Politik und dem ganzen Bankenwesen. Wir warten und warten, aber es ändert sich nichts. Es müssten in sehr vielen Bereichen unserer Welt neue Wege gefunden werden. Ich wollte das Album "Zeitgeist" nennen, aber der andere Vorschlag kam vom Management und den habe ich gerne angenommen. Ich habe bewusst keinen Song komponiert, der diesen Titel trägt.

"Krone": Insgesamt haben Sie mit 15 Leuten zusammengearbeitet. Haben Sie diese Songschreiber selbst ausgewählt?
Carpendale: Es ist kein Geheimnis, dass es in Deutschland mittlerweile eine gute Schlager- und eine gute Pop- Abteilung gibt. Leute wie Xavier Naidoo, Tim Bendzko oder Silbermond. Ich wollte eben lieber mit Schreibern aus der Pop- Ecke arbeiten, um zu sehen, wie das mit mir als Sänger funktioniert. Ein Typ hat mir gesagt, er sei 25 und wisse nicht, was er groß über das Leben schreiben solle. Aber von mir konnten sie eben hören, wie ich gelebt habe, welche Erfahrungen ich gemacht habe. Das ergibt einfach interessantere Themen.

"Krone": Fließen auch Themen aus Ihrem Privatleben in die Lieder ein?
Carpendale: Lieder, die von einer Persönlichkeit gesungen sind, sollten dem Hörer auch etwas sagen. Er sollte die Inhalte bestmöglich mit seinen eigenen Erfahrungen und Erlebnissen verbinden können. Die Songs erwischen eher ein allgemeines Gefühl – die Leute wollen wohl keine Lieder über mein Privatleben hören.

"Krone": Das bedeutet, Sie ziehen sehr früh eine Grenze, wenn es beim Texteschreiben ins Persönliche geht?
Carpendale: Wenn ich ein Liebeslied schreibe, denken alle, es wäre für meine Lebensgefährtin, aber das war niemals der Fall. Das ist totaler Nonsens, aber was soll ich dagegen machen? Liebeslieder waren immer ein sehr großer Erfolgsteil meiner Karriere und natürlich kommt vieles aus meiner Erfahrung. Aber das ist der große Unterschied zwischen Schlager und der Art von Musik, die ich mache. Der eine ist ein Sänger, der einen fremdgeschriebenen Hit singt, und der andere, wie etwa ein Udo Jürgens oder ein Lindenberg, singt über das Leben.

"Krone": Finden Sie nicht, dass sich Schlager und Pop schon sehr stark vermischen?
Carpendale: Ich finde, der Schlager hat in den letzten Jahren einen Riesenschritt nach hinten gemacht. Wenn ich noch einmal so eine Bassdrum höre, dann flippe ich aus (lacht). Jeder zweite Titel klingt danach. Solche Songs zu schreiben, ist so einfach. Wenn du mir den Groove gibst, dann schreib ich 20 solche Stücke am Tag. Natürlich die Melodien und nicht den Text. In den 70er- und 80er- Jahren waren die Einfälle schon lustiger.

"Krone": Wann ist ein Song für Sie gut genug, dass Sie ihn auf ein Album geben können?
Carpendale: Das Paket muss stimmen. Nehmen wir als Beispiel DJ Ötzi und seinen "Stern" – den könnte nur er so singen. Das hat genau gepasst, ich hätte damit keinen Erfolg gehabt, es wäre nicht glaubwürdig gewesen.

"Krone": Die ersten Reaktionen auf Facebook zu Ihren neuen Songs waren durchwegs euphorisch. Sind Sie nach so vielen Jahren im Geschäft noch nervös, ob ein neues Album wohl gut angenommen wird?
Carpendale: Nein, ich bin auch nicht nervös, bevor ich auf die Bühne gehe. Ich kann darauf nur antworten: "Glauben Sie, dass ein Fußballspieler nervös ist, wenn er auf den Platz läuft?" Er ist aufgeregt und will rangehen – so empfinde ich auch. Ein erstes Konzert nach einer langen Pause mit einem neuen Programm – da spüre ich schon ein unsicheres Bauchgefühl. Aber dann gibt es keinen Grund mehr, nervös zu sein. Ich glaube auch sehr an dieses Album. Vielleicht verkauft es sich 100.000, vielleicht 500.000 Mal. Aber ich glaube nicht, dass es ein Misserfolg wird.

"Krone": Benötigen Sie einen bestimmten Wert an Verkaufszahlen, um zufrieden zu sein?
Carpendale: Früher waren Gold 250.000, jetzt sind es 100.000 Stück. Eigentlich kann man froh sein, wenn man überhaupt eine sechsstellige Zahl erreicht. Wenn wir aber von Zahlen reden, ist das das Mindeste, das ich gerne erreichen würde, um zu sagen, es war ein erfolgreiches Album. Ich sitze aber nicht zu Hause und rechne 100.000 mal 50 Cent. Wir müssen alle Geld verdienen, aber das ist nicht der Antriebsmotor für die Kunst.

"Krone": Bedienen Sie Social- Media- Kanäle wie Facebook oder Twitter persönlich?
Carpendale: Ich mache viele Postings selbst und lese alle, bevor sie online gehen.

"Krone": Nehmen Sie sich negative Kritik im Internet sehr zu Herzen?
Carpendale: Da muss man im Internet schon sehr sortieren. Man muss da immer zwischen den Zeilen lesen. Es gibt beim jetzigen Album einen Typen, der dauernd etwas Negatives schreiben will, aber ich glaube, ich kenne ihn (lacht).

"Krone": Im Song "Wie viel sind eine Billion" ist eine Frauenstimme zu hören. Um wen handelt es sich da?
Carpendale: Eine der Songschreiberinnen. Alle Sänger auf dem Album sind von diesem Musikercamp im Hotel.

"Krone": Wenn Sie mit jüngeren Songschreibern zusammenarbeiten, kommen die mit einem ganz anderen Respektslevel auf Sie zu?
Carpendale: Ja, das hat mich sehr gewundert. Als ich erstmals das Zimmer betrat, sind alle aufgestanden und haben applaudiert und ich fühlte mich sehr schnell sehr wohl.

"Krone": Haben die Leute vielleicht etwas zu viel Respekt, sodass sie sich gewisse Ideen nicht zu vermitteln trauen?
Carpendale: Als ich meine erste Rede gehalten hatte, wussten alle, dass wir sehr viel Scheiße zusammen bauen können (lacht).

"Krone": Wann haben Sie mit dem Arbeitsprozess zum Album begonnen?
Carpendale: Vor eineinhalb Jahren.

"Krone": Hatten Sie auch mal eine Phase, wo Sie die Kreativität im Stich gelassen hat?
Carpendale: Die gibt es immer – bei jedem Album. Solange ich Alben mache, denke ich mir immer, es sind zu viele Titel oben. Früher – sicher bevor Sie auf die Welt gekommen sind – gab es Extended Plays, auf denen vier Titel zu hören waren. Die sahen aus wie eine Single. Bei mir entsteht nach acht bis neun fertigen Songs immer so eine Art Mauer und ich weiß nicht genau, wie es jetzt weitergehen soll. Das hat uns dann auch aufgehalten, denn sonst hätten wir das Album in sechs bis acht Monaten fertig gehabt. Wir kamen aber in eine Blockade, wo alle Vorschläge nicht gut genug waren. Dann plötzlich brach die Kreativität wieder durch und wir kamen auf unsere 13 Nummern. Ich werde aber nie zu den Künstlern gehören, die 18 Titel bekannt geben. Das kann nur Scheiße sein.

"Krone": Würden Sie sich bei einem Album dann nicht auch einmal mit neun Titel zufriedengeben und dann einfach aufhören?
Carpendale: Das wäre ein Risiko. Ich glaube schon, dass das Publikum inzwischen von etwa 13 Nummern ausgeht.

"Krone": Ich frage mal anders. Kam es vor, dass Sie nach solchen Blockaden Songs auf das Album gaben, mit denen Sie nicht zufrieden waren, nur um es zu füllen?
Carpendale: Klingt blöd, aber ja. In dem Moment damals war man zufrieden, hat sich das aber nur eingeredet. Ich behaupte mal, dass gerade die ausländischen Kollegen auf ihren Alben eine, vielleicht zwei gute Singles draufhaben und den Rest nur mit irgendwelchen Songs füllen. Bei mir waren sicher immer ein bis zwei Songs auf einem Album, bei denen ich mich nicht zu 100 Prozent wohlfühlte, aber irgendwann kriegst du Druck von der Plattenfirma. Wir haben auch auf "Viel zu lang gewartet" die allerletzte Nummer nur etwa zwei Tage vor Ablauf aller Fristen aufgenommen. Dieses Mal habe ich nicht das Gefühl, dass ich irgendeinen Song umsonst auf dem Album stehen habe. In der Vergangenheit war das leider schon so.

"Krone": Sie sind jetzt an die 50 Jahre im Musikgeschäft. Fällt es einem da schwerer, Songs zu schreiben? Besteht die Angst, dass man sich wiederholt?
Carpendale: Die Angst besteht schon, das ist gerade beim Texten sehr schwer. Der große Frank Sinatra hat immer gesagt: "Es kommt darauf an, 'Ich liebe dich' immer wieder anders zu sagen." Das gilt für die Liebeslieder und da hat er wohl recht. Bei anderen Themen überlege ich natürlich auch, ob ich die schon mal hatte. In erster Linie muss der Text aber einfach zur Musik passen und aus dem Ganzen eine Einheit bilden. Dann glaube ich nicht, dass es so schlimm ist, wenn man einen Satz schon mal vor zehn Jahren verwendet hat. Auch das ist ein wichtiger Punkt bei dem neuen Team. Die haben sich nicht wiederholt, weil sie die Sachen von damals schlichtweg kaum kannten.

"Krone": Es gibt auf dem Album das Lied "Es wird alles gut", das sehr lebensbejahend ist. Ist das eine Art Anstoß an die Leute, nicht immer alles so ernst zu nehmen?
Carpendale: Ich singe keine Lieder für 15- Jährige, sondern für Leute, die laut Statistik Gott sei Dank noch ein bisschen jünger als ich sind. Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, haben schon die Verantwortung, mit gutem Beispiel voranzugehen. Wenn ich jungen Leuten damit einen Anstoß geben kann, ist das toll. Ich hab das ja selbst erlebt – aufhören zu arbeiten ist nicht gut. Was auch immer man tut – eine Leidenschaft muss einfach bleiben.

"Krone": Kriegen Sie von Ihren Fans auch kritische Rückmeldungen auf Ihre Songs?
Carpendale: Bei Livekonzerten kriegst du die direkte Rückmeldung des Publikums. Ich habe mich mal mit Herrn Kerner bei seiner Talkshow über Applaus unterhalten. Ich behaupte, dass es viele verschiedene Arten von Applaus gibt, und darin kannst du lesen, was gemeint ist. Auf Facebook sagen die Leute schon, dass ihnen gewisse Nummern aus persönlichen Gründen viel bedeuten. Der Großteil des Feedbacks der Menschen ist super, sie gratulieren mir zu Album oder Songtitel, erklären aber meist nicht, warum.

"Krone": Geben Ihnen persönlich positive Kritiken einen Aufschwung?
Carpendale: Ich weiß selber, wann ich etwas gut oder etwas weniger gut gemacht habe. In einer Karriere von 50 Jahren macht man Fehler. Man denkt oft schon vorher dran, tut es trotzdem und weiß nicht mehr, warum man das überhaupt gemacht hat. Es rutschen immer wieder Dinge durch, die man so nicht hätte machen sollen. (Telefoniert während des Interviews) Ich bekam gerade ein Angebot für eine Jury- Teilnahme für die nächste große Talente- Show.

"Krone": Nehmen Sie dieses Angebot an?
Carpendale: "The Voice" hätte ich gerne gemacht, die anderen Shows nicht.

"Krone": Warum gerade "The Voice"?
Carpendale: Ich finde dieses Format sehr gut. Die reden dort auch nicht so viel Blödsinn. Man sieht aber auch da, dass die Sieger nicht allzu viel erreichten. Die Leute wollen einen Künstler nicht so entdecken. Sie wollen ein Produkt, das schon da ist, und nicht sehen, wie er von Anfang bis zum Topstar kämpft. Es ist sehr schwer, ein Topstar zu sein, wenn man vorher schon die ganzen Bild- Zeitungsartikel gelesen hat und das Privatleben bereits offenbart wurde. Das ist nicht mehr einfach.

"Krone": Könnten Sie von einem jungen "The Voice"- Talent selbst noch etwas lernen?
Carpendale: Man kann immer lernen. Lernen, sodass ich es benutzen kann, wahrscheinlich weniger. Ich lerne oft schon sehr viel, wenn ich höre, wie manche Jurymitglieder Ratschläge geben. Wie falsch die dann liegen, extrem falsch sogar (lacht).

"Krone": Weil Sie zuvor von Fehlern gesprochen haben: Sie haben vor ziemlich genau zehn Jahren aufgehört, live zu spielen und Alben zu produzieren. Tut Ihnen das rückblickend leid?
Carpendale: Hätte ich das nicht so gemacht, würde ich wahrscheinlich nicht hier sitzen. Ab dem Zeitpunkt war ich fünf Jahre lang nicht unbedingt gesund und gut drauf. Ich war sehr froh, dass mich das Publikum bei meinem Comeback so akzeptiert hat. Komischerweise glauben viele Leute, ich würde jetzt auch wieder ein Comeback machen, davon habe ich aber niemals geredet. Künstler müssen kommen und gehen. Du kannst nicht dauernd präsent sein.

"Krone": Sie haben aber gesagt, Leidenschaft muss man pflegen. Ihre haben Sie damals aber aufgegeben.
Carpendale: Ich dachte damals, ich hätte alles erlebt, was in dieser Branche zu erleben ist. Ich habe aber nicht erlebt, wie zehn junge Typen mit mir zusammen Musik machen. Das war für mich ein ganz großes Schlüsselerlebnis.

"Krone": War das der ausschlaggebende Punkt, dass Sie dann wieder zurückgekommen sind?
Carpendale: Ich war schon vorher da mit zwei Alben und zwei Tourneen, aber das hat mich sehr an die Vergangenheit erinnert und ich war nicht wahnsinnig glücklich damit. Fast alle Gedanken, die ich habe, gelten seit eineinhalb Jahren diesem Album, weil ich merke, dass da ein Team ist, das tierisch viel Spaß hat und einfach will. Das beweise ich auch mit der Tournee und ich mache das wirklich nicht, weil ich das Geld brauche, sondern weil ich ein tolles Team habe, das sich freut, und ich will meinen Teil sehr bewusst dazu beitragen.

"Krone": Mich würde trotzdem interessieren, was der ausschlaggebende Grund war, nach dem Ende vor zehn Jahren wieder Musik zu machen.
Carpendale: Wollen Sie das ganz ehrlich wissen? Weil ein Psychologe zu mir gesagt hat: "Wenn Sie nicht bald wieder auf die Bühne gehen, werden Sie sterben." Ich war depressiv, komplett fertig. Wenn ich morgens aufgestanden bin, hatte ich keine Vision mehr, was ich überhaupt machen sollte. Nicht, weil ich sonst nichts zu tun hatte, sondern weil Musik meine ganz große Liebe war und ich sie aufgegeben habe. Der Psychologe war sehr besorgt. Ich habe schon darüber gesprochen, aber nicht so genau, wie ich es Ihnen sage. Man muss in dieser Branche aufpassen. Die Künstler kriegen sehr schnell vorgeworfen, dass sie einfach so mit Depressionen ankommen würden. Hätten Sie mich vor zehn Jahren gefragt, ob ich depressive Momente hätte, hätte ich geantwortet: "Ich bin doch kein Typ dafür." Meine Depressionen führten dazu, dass man überhaupt nicht mehr klar denken kann. Das ist eine richtige Krankheit und ich habe sie kennengelernt. Und ich sage das nicht, weil es ein Modewort ist. Ich habe viele Dinge erlebt, die ich in der Öffentlichkeit nicht sagen würde, aber wenn Sie schreiben, dass ich depressiv war, ist das die Wahrheit.

"Krone": Hat die Musik sofort dagegen geholfen?
Carpendale: Nein. Ich habe trotzdem keine Antworten gefunden. Die Veränderung, die ich machte, war sehr mutig. Ich habe meinem Management nach 35 Jahren gesagt, dass es keinen Sinn mehr hat. Ich bin zu einem 40- jährigen Mann aus Hamburg gegangen, der noch nie zuvor jemanden künstlerisch betreut hat. Er hat mich dann übernommen und es ist faszinierend, mit ihm zu arbeiten. Es ist eine ganz andere Arbeitsweise als in diesen 35 Jahren, die auch gut und erfolgreich waren, aber man kommt irgendwann an einen Punkt, wo es einfach nicht weitergeht.

"Krone": Sie haben sich dann verstärkt in die Schauspielerei gestürzt und auch immer wieder mit Ihrem Sohn Wayne gedreht. Haben Sie dort Antworten auf diverse Probleme gefunden?
Carpendale: Das ist ein faszinierender Beruf. Ich habe in New York mit meinem Sohn zusammen in der Lee- Strasberg- Schule studiert. Das war ein unglaubliches Erlebnis und jetzt hatten wir die Chance, den Film "Lebe dein Leben" zusammen zu machen. Der ist wirklich gut geworden. Er ist sehr erwachsen - ich hasse Kitsch. Mein Sohn und ich sind in diesem Film Gegner und am Ende kommt dann der große liebende Moment. Wir haben da sehr lange und stark an dem Text gefeilt, den ich da spreche. Ich gebe die Hand an seinen Kopf und sage: "Scheiße, ich habe dich vermisst und wusste gar nichts davon." Es ist einfach erwachsener als ein "Ich liebe dich". Es gibt auch dort zwei, drei Szenen, die ich einfach scheiße finde, aber wir haben es so gut gemacht, wie wir konnten. Es ist natürlich kein Oscar- Stück, das weiß ich, aber ein sehr guter solider Film über eine Vater- Sohn- Geschichte.

"Krone": Ihr Sohn konzentriert sich hauptsächlich auf die Schauspielerei. Kommen Sie bei Zusammentreffen dann mit väterlichen Ratschlägen oder verläuft das umgekehrt?
Carpendale: Der ist jetzt an einem Punkt angelangt, wo er sagt: "Halt die Schnauze. Es interessiert mich nicht mehr, was du denkst" (lacht). Er hat seinen eigenen Lehrer und da kann ich nicht dazwischenfunken. Wenn er fragt, kriegt er immer eine Antwort, aber die Fragen werden weniger.

"Krone": Sie haben schon immer sehr viele verschiedene Sportarten ausgeführt. Wann haben Sie für sich entschieden, dass Sie sich auf Musik und nicht auf Sport konzentrieren?
Carpendale: Als ich in England gemerkt habe, dass es bessere Sportler gab. Ich kam aus Südafrika und mir war nicht klar, wie viel Talent es in England gab. Das gilt für den Sport wie auch für die Musik. Wenn man so eine "DSDS"- Show in Amerika sieht zum Beispiel, da sind Sänger, die nie was werden, aber sie sind so unglaublich gut. Da weiß man auch, welche Scheiße Dieter Bohlen erzählt, wenn er behauptet, die deutsche Version wäre das richtige "DSDS". Selbst bei Sängern dort drüben, die überhaupt nichts erreichen, schäme ich mich im Vergleich oft, selbst Sänger zu sein. Man muss auch dazusagen, dass die meisten großen Sänger nicht wegen ihrer guten Stimme bekannt sind. Ich habe gerade Sting gehört, und so eine Gesangsbrillanz finde ich da nicht. Er ist aber ein super Typ. Das Gleiche gilt für Mick Jagger und Udo Lindenberg – sie sind aber alle keine großen Sänger.

"Krone": Hatten Sie keine Ambitionen, damals ihre Formel- 3-Karriere zu pushen?
Carpendale: Das war nur Spaß. Eine Firma hatte mir einen Wagen gebaut, weil ich irgendwann mal Interesse an einer Fahrt zeigte. Sie haben mir dann angeboten, bei der nächsten deutschen Meisterschaft zu fahren, dann durfte ich damit auch trainieren. Das habe ich ein paar Wochen lang gemacht und es war eine tolle Erfahrung.

"Krone": Kriegen Sie bei einem Konzert auf der Bühne so viel Adrenalin wie in einem Rennwagen?
Carpendale: Offensichtlich schon. Es gibt lange Tourneen mit mehr als 50 Konzerten und trotzdem war ich immer schon nach zwei Minuten auf der Bühne wieder voll da. Es gibt da schon einen großen Adrenalinschub, der bei mir allerdings nicht bis 3 Uhr morgens dauert. Wenn die Show zu Ende ist, bin ich relativ schnell zurück am Boden.

"Krone": Nehmen Sie längere Touren mittlerweile doch mehr mit als früher?
Carpendale: Sicherlich. Ich bin vor den Tourneen immer sehr vorsichtig, bis ich weiß, wie unser Programm aussieht. Ich stelle sehr hohe Ansprüche an meine Konzerte. Ich höre dann oft den Satz: "Das hätte ich mir überhaupt nicht erwartet." Das höre ich so oft, dass ich es wahrscheinlich auf meinen Grabstein schreibe (lacht). In Deutschland muss man jede Stadt gewinnen. Es ist nicht wie in England, wo man einmal in London Erfolg hat und überall bekannt ist. Die Leute glauben immer, sie kriegen eine Show mit Schlager, und das Allererste, was ich meiner Crew am Tourneebeginn sage, ist: "Komm mir nicht mit weichen, netten Sounds. Der Laden muss schon rocken." Gut, wir sind nicht so laut wie AC/DC, aber es geht schon ab.

"Krone": Sie haben auch einige Österreich- Termine fixiert. Haben Sie eine besondere Beziehung zu Wien?
Carpendale: Ich gehöre nicht zu den Künstlern, die sagen, 'Das ist meine Lieblingsstadt', und dann mache ich das morgen in München und übermorgen in Berlin. London und New York sind absolute Weltstädte, und was mich an Wien so fasziniert, ist, dass diese Stadt auch die Ausstrahlung einer Weltstadt besitzt. Ich war nicht oft hier, zweimal beruflich und einmal privat, aber es gefällt mir hier.

"Krone": Kann man Wien mit einer deutschen Stadt vergleichen?
Carpendale: Am ehesten mit Dresden. Dresden hat für mich – so ähnlich wie auch Hamburg – eine Großstadtatmosphäre. Ich wohne zwar außerhalb Münchens, aber das tue ich nur aus praktischen Gründen, weil ich gerne zum Golfplatz um die Ecke fahren. Aber ich bin primär ein Großstadtmensch.

Glücklicherweise wird Howard Carpendale 2014 auch einige österreichische Städte besuchen, um seine neuen Songs live zu präsentieren. Am 27. März gastiert er in der Salzburgarena, am 30. März in der Innsbrucker Olympiahalle, am 8. April in der TipsArena Linz und 9. April in der Wiener Stadthalle. Karten erhalten Sie unter 01/960 96 999 oder im "Krone"- Ticketshop .

27.11.2013, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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