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09.12.2016 - 04:50
Foto: Andreas Graf

Billy Talent rockten die Wiener Teenager- Schar

02.12.2009, 13:11
Die kanadische Rockband Billy Talent beehrte Österreich mit drei Konzerten. Zum Abschluss gastierte sie am Dienstag in der – doch etwas zu groß geratenen – Wiener Stadthalle. Auch wenn die Musik nicht in diesen Rahmen passen will, wird schnell klar: Den Underground des Punkrock haben die vier Musiker längst verlassen.

So präsentiert sich dem Besucher in der größten Konzerthalle Österreichs auch ein überaus durchmischtes Publikum. Ganzkörper- Tätowierte stehen da neben Mitt- Dreißigern und übermächtig scheint die Schar der anwesenden Teenies und der auf sie aufpassenden Eltern – leicht an der zurückhaltenden Pose in den hinteren Reihen und dem etwas hilflos wirkenden Mitwippen zu erkennen. Die große Anzahl junger und jüngerer Fans sieht man nicht nur, man hört sie vor allem. Schon beim ersten Akkord zum Auftaktsong "Devil in a Midnight Mass" durchdringt ein Kreischen die Location, wie man es sonst wohl nur bei Auftritten einschlägiger Boybands erwartet.

Gitarrist Ian D’Sa und der ständig wie ein wilder Derwisch über die Bühne flitzende Frontman Ben Kowalewicz scheinen trotzdem oder gerade deshalb sichtlich erfreut und legen sich mächtig ins Zeug. Besonders den bereits von ihren Alben bekannten mehrstimmigen Gesang treiben die beiden auch live bis zur Perfektion – da sitzt jeder Ton, auch wenn die Doppelbelastung von Gitarrenspiel und Gesang D’Sa wahrliche Schweißbäche über die Stirn laufen lässt. Bassist Jonathan Gallant untermauert das Ganze mit solidem Bassspiel, auch wenn sich der Zuseher vielleicht eine etwas weniger statische Performance wünschen würde. Nach echter Schwerarbeit sieht dafür das Drumming Aaron Solowoniuks aus.

Hits am Fließband

Den Anwesenden gefällt jedenfalls, was sie hören und sehen. Und so wird jeder weitere Song mit dankbarem bis hysterischem Jubel – je nach Alter – abgefeiert. An Hits fehlt es Ben Kowalewicz und Co. ja Gott sei Dank nicht, und so spielen sie sich durch Songs wie "Saint Veronika" und die Single "Rusted From The Rain" vom neuesten Output "III" oder ältere Kracher wie "Surrender" und "Falling Leaves".

Zwischendurch bekundet Sänger Kowalewicz auch seine Liebe zu Österreich. Aber nicht nur die Leute und die Landschaft haben es ihm angetan, auch ein "I love Austrian beer" kommt ihm über die Lippen. Sagt’s und prostet der Menge mit einer Flasche Budweiser aus unserem hochgeschätzten Nachbarland Tschechien zu. Naja, immerhin nur knapp daneben. Der Stimmung tut das keinen Abbruch und die Fans der Band tragen die Kanadier mit ihrem Applaus und Mitgegröle durch 75 Minuten Pop- Punk garniert mit Emo- Gekeife und dem einen oder anderen Heavy- Rock- Riff.

Nach diesem soliden Auftritt bleibt die Gewissheit, dass Billy Talent eine Band mit eigenständigem aber auf die Dauer zu monotonem Sound ist. Auch wenn das Gitarrenspiel Ian D’Sas und der mehrstimmige Gesang großartig sind, ähneln sich die Arrangements zu sehr, um den Spannungsbogen das ganze Konzert über aufrechtzuerhalten. Aber wie so oft, gilt wohl auch hier: Der Erfolg gibt ihnen recht.

von Stefan Taferner
Fotos: Andreas Graf

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