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09.12.2016 - 10:57
Foto: Sony Music

Annett Louisan in ihrer heilen und geilen Welt

01.03.2014, 17:00
Kaum zu glauben, aber Zuckerstimme Annett Louisan feiert heuer ihr Zehn-Jahres-Jubiläum im Musikgeschäft. Sie feiert dies nicht nur mit dem brandneuen Album "Zu viel Information", sondern auch mit einer ausgedehnten Tour, die sie insgesamt fünfmal nach Österreich bringt. Im ausführlichen "Krone"-Gespräch erzählte die Hamburgerin von der ewigen Liebe, ironischer Doppelbödigkeit und den anonymen Hass im Internet.

"Krone": Annett, sagt dir die Band Maximo Park etwas?
Annett Louisan: Gerade in den letzten Tagen sehr viel (lacht). Die haben erst vor ein paar Wochen ein Album mit dem Titel "Too Much Information" herausgebracht und mein neues heißt "Zu viel Information". Entweder ist das Seelenverwandtschaft oder irgendwas ist in der Luft.

"Krone": Maximo Park prangern auf ihrem Werk hauptsächlich das Internet an. Ist das auf deinem neuen Album ähnlich?
Louisan: Nein, bei mir gibt es nur textliche Ansätze, die im übertragenen Sinne auch etwas anderes meinen. Ich gehe gerne in Beziehungsgeschichten rein, um bestimmte Dinge zu übertragen. Zwischenmenschlichkeiten sind für mich Politik im Kleinen – andere Dinge können sich mit den großen Sachen befassen.

"Krone": Auf deinem Album dreht sich sehr viel um zwischenmenschliche Beziehungen. Ist der Song "Besonders" eine Ode an deine Mutter?
Louisan: Das nicht, aber ich bin gerade in dem Alter, wo viele meiner Freunde Familien gründen und die ersten kaputtgehen. Wer aber hat von uns allen nicht zumindest irgendwie mit dem Thema zu tun? Wenn du mich persönlich fragst, muss ich eher an einen Freund denken, der eine schlimme Ehekrise durchgemacht hat. Ich habe noch nie einen Mann so leiden sehen – nicht nur aufgrund der Trennung, sondern auch wegen seiner Tochter. Das war für den Song eine große Inspiration – er war übrigens auch als Erstes fertig. Das war meine Wurzel, aus der dann der Rest erwachsen konnte.

"Krone": Auf dem Song "Das Rezept" geht es um die immerwährende, ewige Liebe. Glaubst du daran?
Louisan: Ich möchte daran glauben. Das wünscht man sich doch – und wenn es nur für das eigene Wohlgefühl ist. Meine Theorie ist ja, dass die Sehnsucht nach der ewigen Liebe eine Art ist, dem Tod entgehen zu wollen. Man nimmt diese große, lang haltende Liebe vielleicht über den Tod hinaus weiter. Ich bin eine große Romantikerin und mich trifft dieser Gedanke stark.

"Krone": Ist es in der heutigen, viel hektischeren Zeit schwieriger, die große Liebe zu finden und zu behalten?
Louisan: Natürlich, die Generation mit unseren Großeltern hatten mit ganz anderen Dingen zu kämpfen und wurden ganz anders erzogen. Sie haben sich viel erzwingen können, weil sie in verschiedenen Aspekten des Lebens durchhalten mussten. In anderen Kulturen heißt es ja oft, man kann die Liebe lernen und durch dick und dünn gehen – ich glaube, dazu sind die Menschen heute nicht mehr so bereit. Ich will das auch gar nicht werten, ob das gut oder schlecht ist.

"Krone": In dem Lied "Herrenabend" besingst du die "heile und die geile Welt". Was sind diese beiden Welten für dich?
Louisan: Für mich gehören diese beiden Welten zusammen. Es gibt so viele Gründe, warum Menschen Beziehungen führen und zusammenbleiben. Manchmal ist das wie eine Therapie oder ein Ausgleich, manchmal sind sie sich sehr ähnlich, manchmal können sie dem anderen auch etwas geben, das ihm fehlt. Es gibt so viele Gründe, warum man sich oft nicht trennt, obwohl man es eigentlich sollte. Da spielt sicher der Sicherheitsgedanke mit.

"Krone": Ist die geile Welt jetzt aber für dich, auf der Bühne zu stehen, und die heile diejenige, bei der du zu Hause abschalten kannst?
Louisan: Ein gutes Beispiel. Es geht aber oft um die Frage der trauten Zweisamkeit. Die braucht man, denn man muss ja irgendjemandem vertrauen können. Das ist wichtig für alle Menschen. Freiheit ist aber auch so wichtig. Das kann ich auch für mich sagen. So sehr ich einen Ort zum Zurückziehen brauche, so sehr brauche ich auch die Herausforderung und die Freiheit zu wissen, dass ich von nichts abhängig bin. Die eine Welt passt oft nicht so gut zur anderen und ich habe das Gefühl, dass sich die Menschen zu oft für eine Welt entscheiden müssen. Ich bin der Meinung, dass man beides haben kann.

"Krone": Das hängt aber oft mit gesellschaftlichem Druck zusammen.
Louisan: Unbedingt. Man ist oft nicht so ganz ehrlich zueinander und gibt ein Bild ab, dass dem anderen vielleicht nicht so passt. Es können aber nicht alle Dinge passen und gefallen. Ich fühle mich mit Menschen am wohlsten, die auch meine schwierigen Seiten tragen können und zu denen ich ehrlich sein kann – auch wenn ich in dem Moment dem anderen wehtue. Ich merke, dass in diesen Situationen einfach eine größere Nähe entsteht, als ständig nur gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

"Krone": Es gibt auch noch den tollen doppeldeutigen Song "Dein Ding". Der klingt weniger nach Vertrauen, sondern mehr nach Abrechnung.
Louisan: (lacht) Bei Annett Louisan muss man immer mit einer gewissen Portion Ironie draufschauen und zuhören. Wenn man das nicht kann, dann werden meine Lieder manchmal merkwürdig. Es kann einfach nicht genug Lieder geben, in denen man jemanden sagt: "Ach, du kannst mich mal." Es muss ja nicht immer das Gleiche sein. Dieses Wortspiel war dann auf einmal da und ich habe es extra in einer kleinen Version aufgenommen, damit es sich selbst nicht so ernst nimmt. Es ist ein Wahnsinnsohrwurm, das habe ich auch live bemerkt. Da sind die Leute gleich da (lacht).

"Krone": Wie passt denn das große Thema Liebe zu deinem Albumtitel "Zu viel Information"?
Louisan: Das passt sogar sehr gut. Es gibt so viele Formen von Liebe und so viele Dinge, die wichtiger sind, man sich aber nicht traut, sie auszusprechen. Es gibt auch vieles, das Liebe kaputt macht. Ich habe mich auf dem Album stark mit Themen befasst, die Leute denken, aber nicht gerne aussprechen. Das sind aber genau die Dinge, die am meisten berühren.

"Krone": Fällt es dir selbst sehr leicht, pikante Themen auszusprechen?
Louisan: Dazu muss ich mich nicht zwingen, das war auch schon immer meine Form von Humor. Das war bei mir schon immer da. Songs wie "Papillon" oder "Du fehlst mir so" hätte ich vor zehn Jahren nicht singen können, ein Lied wie "Herrenabend" liegt mir aber einfach. Das kommt für mich auch nicht aus der Mode.

"Krone": Warum hast du ausgerechnet "Papillon" von Hildegard Knef gecovert?
Louisan: Ich habe mich mit ihrem Repertoire befasst und habe den Song entdeckt. Sie hat so viele wunderbare Lieder. Bei dem war es einfach so, dass ich ihre Interpretation zwar sehr toll, die Produktion aber furchtbar fand. Ich habe es dann live probiert und das Publikum wünschte sich, dass ich den Song aufnehme und auf die Platte packe. So entstand das Lied und ich habe es für mein Publikum gemacht.

"Krone": Du hast es schon angesprochen, dass du jetzt zehn Jahre im Musikgeschäft bist und das neue Album auch durchaus als kleines Jubiläum durchgehen kann. Wie hast du dich über die Zeit verändert?
Louisan: Hätte ich diese Jahre nicht erlebt, wäre ich sicher nicht die, die ich eben bin. Es war ein sehr spezielles Leben. Tausende Bühnenauftritte, so viele tolle Menschen, die ich kennenlernen durfte, das ganze Adrenalin – ich kann dir aber nicht sagen, was wäre, wäre es anders verlaufen.

"Krone": Das wäre auch reine Spekulation. Würdest du gewisse Dinge anders machen als früher?
Louisan: Ich bereue nicht sehr viel, ich glaube eher daran, dass man irgendwann Dinge bereut, die man nicht getan oder erlebt hat. Vielleicht würde ich mir selbst sagen: "Entspann dich, Baby" (lacht).

"Krone": Produziert wurde das Album vom Kanadier Martin Gallop, mit dem du ja mal eine Beziehung geführt hast. Macht das eine professionelle Zusammenarbeit nicht viel schwieriger?
Louisan: In der Schwierigkeit liegt manchmal auch eine Chance. So schwierig war es aber nicht, wir hatten den nötigen Abstand und auch die nötige Nähe. Wir haben sehr viel Musik zusammen gemacht und standen auf so vielen Bühnen – er ist ein wichtiger Wegbegleiter für mich. Auf der anderen Seite braucht man für Annett Louisan viel Intimität und Hintergrundwissen und das besitzt er einfach. Er hat schon so viel von mir mitbekommen und ist außerdem ein fantastischer Musiker, den ich sehr schätze und verehre. Für mich war klar, dass ich das Album von ihm produzieren lasse. Wir haben dieses gemeinsame Baby und sind ganz stolz darauf.

"Krone": Du bist ein regelrechtes Arbeitstier und hast früher im Jahresrhythmus Alben veröffentlicht. An "Zu viel Information" hast du eineinhalb Jahre gearbeitet. Bist du bewusst etwas langsamer an die Sache herangegangen?
Louisan: Ich habe gar nicht das Gefühl, dass so viel Zeit vergangen ist. Eineinhalb Jahre sind gar nicht so viel, andere lassen sich oft sechs oder sieben Jahre Zeit dafür. So lange kann ich aber nicht warten, denn ich will's schon wissen. Ich habe aber für den Vorgänger dieses Albums etwa 250 Konzerte gespielt und deshalb habe ich erst spät mit "Zu viel Information" angefangen. Es wird mit den Jahren schwieriger, sich selbst zufriedenzustellen, und man möchte sich auch nicht wiederholen.

"Krone": In den sozialen Medien ist gerade ein Video im Umlauf, wo berühmte Hollywoodstars ihre schlimmsten Beschimpfungen persönlich vor der Kamera vorlesen. Du hast das auf deiner Facebook- Seite verlinkt. Hast du auch mit Kommentaren unter der Gürtellinie zu kämpfen?
Louisan: Gott sei Dank ist das nicht so schlimm. Manchmal wird auch vieles missverstanden und es gibt schon Interpretationsarten, wo ich mir danke: "Hallo? Was soll denn das jetzt?" Das Video war aber eine brillante Idee, mit dem Hass fremder Menschen so offen umzugehen. Man sollte so viele Sachen im Leben nicht persönlich nehmen, weil sie oft auch gar nicht so gemeint sind. Man möchte immer alles gerne auf sich selbst beziehen, das sollte man aber nicht. Man geht mit Humor und Leichtigkeit einfach besser durchs Leben.

"Krone": Du würdest Kritik also nicht nahe an dich ranlassen?
Louisan: Das kommt darauf an, wer sie äußert. Es gibt schon Menschen, die mich treffen können, denen ist es aber auch erlaubt. Es kann aber sicher nicht jeder Hans und Franz kommen und mir einreden, ich wäre scheiße (lacht).

"Krone": Im November kommst du für ein paar Konzerte nach Österreich. Welche Erfahrungen hast du hier bereits gemacht?
Louisan: Ich wurde in Österreich immer sehr gut behandelt. Ihr seid extrem musikalisch und habt eine Vorliebe für Chansons und handgemachte Musik. Mit Wien habe ich schon durch die Hofburg eine lange Bindung, weil ich dort meine erste Bühnenauftritte hatte. Ich treffe noch heute Leute, die sich an mich erinnern können. Ich habe auch mal in so einem ganz alten Etablissement gespielt, dessen Name mir entfallen ist – ich hatte schon tolle Auftrittsorte in Wien, aber auch in ganz Österreich.

"Krone": Das ist schön, vor allem, weil du sehr heimatverbunden bist. Ich habe mal ein Interview mit dir gelesen, wo du betont hast, dass dir Hamburg sehr viel gibt.
Louisan: Mittlerweile wieder. Ich habe ein paar Jahre rumgestreunt und auch in Berlin gelebt. Auch Berlin ist für mich eine tolle Stadt, aber ich konnte dort nicht richtig Wurzeln schlagen. Das interpretiere ich so, dass man einfach nur da wirklich zu Hause ist, wo das Herz schlägt und die Familie ist. So viel, wie ich unterwegs bin, tut das Heimkommen sehr gut. Ich weiß Hamburg sehr zu schätzen. Die Zurückhaltung und das Unbescholtene dieser Stadt.

"Krone": Ist es umso wichtiger, zur Familie zurückzukommen, je länger du auf der Bühne stehst?
Louisan: Ja, das hat wieder etwas mit der heilen und geilen Welt zu tun. Ohne Erdung und Halt wäre das Leben schon ziemlich schwer.

"Krone": Womit dürfen wir denn rechnen, wenn du im November bei uns auftrittst?
Louisan: Ich bringe natürlich ein paar klassische Musiker und ein neues Konzept mit. Ich habe schon für ein paar Projektionen gedreht, die ich zusätzlich zu den Songs zeigen möchte. Damit möchte ich eine neue Ebene zur Musik geben. Ich bin sehr gespannt, wie das ankommt und wie das auf die Leute wirken wird.

Im November kommt die zierliche Sängerin gleich für fünf Konzerte nach Österreich. Am 14. November in die Wiener Stadthalle, am 15. November ins Salzburger Republic, am 16. November ins Orpheum Graz, am 17. November ins Linzer Brucknerhaus und am 18. November auf die Kulturbühne Ambach in Götzis. Karten erhalten Sie unter 01/960 96 999 oder im "Krone"- Ticketshop .

01.03.2014, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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