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21.12.2014 - 11:37

Korallen zeichneten Geschichte der Kernwaffentests auf

14.12.2012, 13:57
Korallen zeichneten Geschichte der Kernwaffentests auf (Bild: thinkstockphotos.de)
In Korallen ist die Geschichte von Kernwaffentests in den 1950- und 1960er- Jahren gespeichert. Wissenschaftler der Universität Wien konnten nun in Nesseltieren aus der Karibik erstmals das radioaktive Isotop Uran- 236 messen, das bei oberirdischen Atomwaffentests freigesetzt wurde. Die Ergebnisse verraten dabei nicht nur die Chronologie der Versuche, sondern sind auch interessant für die Meeresforschung, teilte die Uni Wien am Freitag in einer Aussendung mit.

Durch die atmosphärischen Kernwaffentests gelangten viele künstliche radioaktive Isotope bis in die Stratosphäre und wurden weltweit verbreitet. Uran- 236 ist eines der häufigsten, sein Nachweis ist jedoch so schwierig, dass es bis vor Kurzem nicht gemessen werden konnte. Der Isotopenforscher Stephan Winkler konnte nun mithilfe des Vienna Environmental Research Accelerators (VERA), der für den Nachweis schwerer Ionen optimiert ist, der Uni Wien Uran- 236 erstmals in Korallen von den Turneffe Inseln vor Belize nachweisen.

Uran- 236 ist vergleichsweise nur schwach radioaktiv und spielt daher für die Strahlenbelastung keine Rolle. "Es ist aber im Salzwasser gut löslich und wandert mit den Meeresströmungen mit. Das macht das Isotop zu einem idealen Werkzeug für die Meeresforschung", so Winkler. Denn manche Korallenarten bilden - ähnlich den Bäumen - Jahresringe in ihrem Kalkskelett. Darin wird mit jährlicher Auflösung die Zusammensetzung des Urans im Ozean aufgezeichnet. Die Analyse der Korallen ermöglicht also, die Chronologie der Kernwaffentests zu rekonstruieren.

Aus der Atmosphäre ausgewaschen

Das in der Atmosphäre erzeugte Uran- 236 wurde innerhalb von zwei Jahren fast vollständig ausgewaschen. Dieser Fallout ist allerdings recht ungleich auf den beiden Hemisphären verteilt, weil laut Winkler ein Großteil der Kernwaffentests auf der nördlichen Erdhalbkugel bzw. in Äquatornähe durchgeführt wurde. Daher fiel etwa viermal so viel Uran- 236 auf die nördliche Hemisphäre wie auf die südliche. Durch diese ungleiche Verteilung kann der Wasseraustausch zwischen Nord- und Südhalbkugel gut untersucht werden.

So nahm die Uran- 236- Konzentration in der Karibischen See in den ersten zehn Jahren nach den Kernwaffentests schneller ab, als dies durch die Durchmischung mit dem Tiefenwasser möglich wäre. Dieser Effekt lässt sich durch das Einströmen von Wassermassen aus der Südhalbkugel erklären. Wie Winkler erklärte, war auch der Nachweis von Uran- 236 direkt im Meerwasser bereits möglich. Zudem sind weitere Untersuchungen von Korallen von anderen Standorten geplant. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift "Earth and Planetary Science Letters" veröffentlicht.

AG/red
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