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Projekt "The Wall": Straßen werden für Tiere zu Mauern

20.10.2010, 12:21
Projekt "The Wall": Straßen werden für Tiere zu Mauern (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER)
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER
Es war einmal ein Wald, ein riesig großer Wald. Die Tiere darin konnten in alle Richtungen unendlich weit laufen. Dann kam eines Tages der Mensch, begann zu roden, schlug Schneisen und baute viele breite Straßen. Heute sind die meisten Naturgebiete nur noch "Inseln" ohne direkte Verbindung. Die Umweltschutzorganisationen schlagen nun Alarm. Der WWF hat deshalb am Mittwoch eine 13 Meter lange Mauer am Wiener Schwedenplatz aufgestellt. Das zeitgleich in sechs Ländern gestartete Projekt "The Wall" soll auf die Zerschneidung der Lebensräume aufmerksam machen.

Am Mittwoch wurden in Wien, Ljubljana, Zürich, München, Mailand und Lyon 13 Meter lange Mauern errichtet, um zu zeigen, wie dramatisch es um die Lebensräume von Wildtieren bestellt ist. Ein Vergleich: In Österreich ist das Straßennetz 270.000 Kilometer lang, die Länge aller Fließgewässer beträgt hingegen nur rund 100.000 Kilometer. "Es wird eng für die Natur", warnte Gerhard Egger vom WWF- Alpen- Karpaten- Korridorprojekt. Einst verband die beiden Gebirge ein grüner Pfad via Wechsel, Rosalien- und Leithagebirge, Donau- und Marchauen, der den enormen Aktionsradien der Wildtiere zugutekam. Dieser Pfad ist verschwunden.

"Wir laufen immer wieder gegen Barrieren"

"Die Abstimmung ist kompliziert, obwohl das Thema 'Green Infrastructure' in der EU gerade derzeit ein großes Thema ist. Wir laufen immer wieder gegen Barrieren, wenn es um Vernetzung geht", berichtete Professor Chris Walzer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie an der Uni Wien. Vernetzung ist also nicht nur bei Naturgebieten das Zauberwort, sondern auch bei jenen, die sie eigentlich wieder miteinander verbinden sollten. "Die Landschaftsplaner sitzen in einem Haus und die Naturschützer in einem anderen - und niemand redet miteinander", klagte Walzer.

Wildbrücken enden im Ödland oder im Jagdgebiet

Ergebnis dieser mangelhaften Kommunikation sind dann Grünbrücken über Autobahnen, die entweder direkt in agrarischem Ödland oder in einem Jagdgebiet enden. Aurelia Ullrich von der Alpenschutzkommission CIPRA hat schon einige solcher Fehlplanungen entdeckt und meint: "Die Alpenländer tragen diesbezüglich eine große Verantwortung, die ökologische Vielfalt zu erhalten." Derzeit laufe ein EU- Projekt, wo in sieben Pilotregionen Lebensräume vernetzt werden. Ullrich: "Ziel ist ein alpenweit zusammenhängendes ökologisches Netz. Auch wenn es wohl eine Generation dauert, bis es geschafft ist."

"Wert, der in Euro nicht zu messen ist"

Derzeit ist man gerade dabei, Alpen- Karpaten- Korridor wieder herzustellen, so weit das möglich ist. Begonnen hat alles mit einer Grünbrücke über die Mattersburger Schnellstraße (S4), wo bei Pöttsching ein Übergang für Wildtiere geschaffen wurde. Drei weitere Querungen - nämlich über die Ostautobahn (A4), die A3 und die D2 in der Slowakei. Ullrich betonte, die Vernetzung der Naturgebiete sei auch für den Menschen wichtig und führte Tourismus und Naherholung ins Feld. Walzer brachte es schließlich auf den Punkt: "Es handelt sich hier um einen Wert, der in Euro nicht zu messen ist. Gerade deshalb sollten wir ihn nicht leichtfertig aufs Spiel setzen."

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