Fr, 27. April 2018

Kein Krebs gefunden

31.08.2007 11:06

Steirer, der Sohn tötete, war gar nicht todkrank!

Der 61-jährige Steirer Kurt J., der am Mittwoch seinen sechsjährigen Sohn Matthias und danach sich selbst getötet hat, dürfte gar nicht an Krebs erkrankt gewesen sein. Weder Obduktion noch ärztliche Befunde hätten einen eindeutigen Hinweis ergeben, erklärte Polizei-Ermittlungsleiter Rene Kornberger. In seinen Abschiedsbriefen hatte der Bordellbesitzer aus Bruck an der Mur allerdings von einer angeblichen Lymphknotenkrebserkrankung und dem Wunsch, dass sein Sohn nicht ohne Vater aufwachsen solle, als Mord- bzw. Selbstmordmotiv geschrieben. Die scheinbar "klare" Verzweiflungstat wirft immer neue Fragen auf...

Bei der gerichtsmedizinischen Leichenöffnung wurde nur ein kleines Gewächs und kein Indiz für eine lebensbedrohliche Erkrankung gefunden, so Ermittlungsleiter Kornberger. Kurt J. war zwar in ambulanter Behandlung, Hinweise auf eine Chemotherapie gebe es aber nicht. Um endgültige Gewissheit zu erhalten, müsste eine histologische Untersuchung gemacht werden, die aber „angesichts des klaren Tatbestands nicht beauftragt werden wird“.

Bub lebte bei seiner Mutter in Tschechien
Bestätigt wurde bei der Obduktion des Buben die vermutete Todesursache: Der Kleine wurde mit einem Kopfkissen erstickt. Unklar waren zunächst die Wohnumstände des Sechsjährigen: Laut Meldeauskunft war Matthias seit 2002 durchgängig in Bruck an der Mur gemeldet, Zeugenaussagen zur Folge lebte er aber bei seiner Mutter in Tschechien, die seit 2003 von Kurt J. geschieden ist - was neue Fragen zu Kurt J.s Motivbegründung, er wollte nicht, dass sein Sohn ohne ihn aufwachse, aufwirft. Darauf, dass das Kind bei der Mutter wohnte und nur auf Ferienbesuch in der Obersteiermark war, deute auch der Umstand hin, dass der Name des Sechsjährigen Matthias seit 2003 aus dem Reisepass des Vaters gestrichen ist, ergänzte Rene Kornberger. Nähere Informationen erwartet man sich von der Einvernahme der Mutter, die am Donnerstag stattfinden wird.

Tochter kann sich Tat nicht erklären
Keine Erkenntnisse erbrachte hingegen eine Befragung der volljährigen Tochter des Bruckers: Nach ihren Angaben hatte die in Wien lebende Frau seit Jahren keinen Kontakt zu ihrem Vater. Laut Polizei war der 61-Jährige, der neben dem Bordell „Cherie“ am Brucker Stadtrand auch ein Café und einen „Swinger Club“ in der Umgebung besaß, „kriminalpolizeilich total unauffällig“. Seitens der Fürsorgebehörde wurde betont, dass für das Kind keine Zuständigkeit gegeben gewesen sei. „Es handelte sich um ein Scheidungskind, das nicht einmal in Österreich gewohnt hat“, erklärte Bezirkshauptmann Bernhard Preiner. Über den Buben sei auch kein Akt vorliegend.

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