Mi, 13. Dezember 2017

Wettbewerb im AKW

20.06.2017 11:18

Zwentendorf: Roboter bergen radioaktive Stoffe

Das Atomkraftwerk Zwentendorf nordwestlich von Wien gilt als sicherster Meiler der Welt. Kein Wunder, immerhin ging er nie in Betrieb. Dass dort kommende Woche trotzdem Roboter radioaktives Material scannen und bergen ist dem Wettbewerb "Enrich" geschuldet. Bei dem Roboter-Wettkampf zeigen Teams aus aller Welt, was ihre Erfindungen bei der Überwachung und Sicherung von Atomkraftwerken leisten können.

Der Roboter-Wettbewerb "Enrich" ist laut "Heise" aus der militärischen Roboter-Leistungsschau "Elrob" hervorgegangen. Hier wurde schon letztes Jahr getestet, wie sich Roboter bei der Erkennung und Bergung von radioaktivem Material schlagen. Dafür wurden winzige Mengen radioaktives Material in einem Übungsgebäude im niederösterreichischen Eggendorf versteckt, die Roboter mussten es anschließend aufspüren.

Bundesheer verteilt radioaktives Material
Die Veranstaltung war so erfolgreich, dass die Veranstalter einen Bewerb unter realen Kraftwerksbedingungen durchführen wollten - und so kam "Enrich" nach Zwentendorf. Das nie in Betrieb gegangene AKW ist der ideale Schauplatz. Mit Unterstützung des Bundesheeres werden dort kommende Woche im Kraftwerk in 40 Metern Höhe winzige Mengen radioaktives Kobalt-60 versteckt, die von den Robotern - sie werden per Kran an den Einsatzort gebracht - aufgespürt und geborgen werden.

Mit dabei sind Teams aus aller Welt, wobei nicht alle auch alle Aufgaben - Radioaktivität erkennen, detaillierte Karten erstellen und das strahlende Material bergen - erfüllen werden. Einzelne Teams - etwa jenes um den Flugroboter Elios vom Schweizer Drohnenspezialisten Flyability - konzentrieren sich auf das Erkennen von Strahlung und das Erfassen der Umgebung, andere wie das schwedische Team Brokk konzentriert sich auf die Ortung und Bergung der Strahlungsquellen.

Mehr Leistungsschau als Wettbewerb
Weil nicht alle Roboter auch alle Testaufgaben erfüllen werden, sehen die Veranstalter die "Enrich" nicht wirklich als Wettbewerb, sondern als Roboter-Leistungsschau, betont Wettkampfleiter Frank Schneider. Lobende Worte findet er für das österreichische Bundesheer: Nachdem die EU geplante Fördermittel offenbar kurzfristig gestrichen hat, erklärte sich das Heer bereit, die Lücken zu füllen.

Obwohl Österreich kein einziges aktives AKW hat, kommt das Interesse unseres Heeres nicht von Ungefähr: Rund um Österreich gibt es genug Atomkraftwerke, um sich für das Thema zu interessieren. Und radioaktive Strahlung macht vor Staatsgrenzen bekanntlich nicht Halt. Wegen des Roboter-Wettbewerbs in Zwentendorf braucht man sich aber keine Sorgen zu machen. Für den Bewerb werden nur wenige Millimeter große Stücke Kobalt-60 in kleinen Hülsen im AKW verteilt, von denen keine Gefahr ausgeht.

Hintergrund: Bürger erteilten Atomkraft Absage
Das AKW Zwentendorf wurde in den Siebzigern errichtet und war eines von drei Kernkraftwerken, die nach einem Beschluss der Regierung Klaus in den Sechzigern die österreichische Stromversorgung sichern sollten. Neben dem fertig gebauten Zwentendorf waren noch Reaktoren in St. Pantaleon-Erla in Niederösterreich und St. Andrä in Kärnten geplant.

Eine Volksabstimmung im Jahr 1978, bei der sich die Bürger eindeutig gegen die Kernkraft aussprachen, beendete die österreichischen AKW-Pläne und sorgte dafür, dass Zwentendorf stillgelegt wurde, bevor es ans Netz ging. Strom produziert es heute trotzdem: Der niederösterreichische Energieversorger EVN betreibt am AKW-Gelände ein Solarkraftwerk, das Atomkraftwerk selbst wird als Museum genutzt und kann jeden Freitag besichtigt werden. Mehr über das ungefährliche AKW Zwentendorf erfahren Sie hier.

Dominik Erlinger
Redakteur
Dominik Erlinger
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