Mi, 13. Dezember 2017

"High" in den Himmel

25.06.2017 07:15

Die "Krone" bei den Marihuana-Nonnen Kaliforniens

Rauchen zwei Nonnen einen Joint ... - Was sich anhört wie der Beginn eines Witzes, ist in den USA Wirklichkeit. Die "Sisters of the Valley", wie sie sich nennen, verarbeiten ihre Cannabispflanzen zu Salben, Ölen und Tinkturen, die sie online verkaufen. Ein gelegentlicher Joint darf da nicht fehlen ...

Es gibt nichts, was es nicht gibt: Wir waren bei den Marihuana-Nonnen zu Besuch! In einem kleinen Ort in der kalifornischen Wüste - wo genau muss "top secret" bleiben - bauen die "Sisters of the Valley" (dt.: "Schwestern aus dem Tal") Gras an - und verarbeitet es zu medizinischen Produkten, der Rest wird selbst geraucht. Also: Willkommen bei den kiffenden Nonnen!

Keine "richtigen" Nonnen
"Mit Religion haben wir eigentlich nichts am Hut", sagt Sister Kate, die den Verein vor wenigen Jahren gegründet hat. Obwohl sie keine Verbindung zur katholischen kirche haben, tragen die Frauen lange Röcke und Habite, die die Haare verdecken. Zur monatlichen Vollmondzeremonie, zu der die "Krone" jetzt eingeladen war, schlüpfen sie in eine spezielle Festtracht - das sind lange, weiß-blaue Kleider und weiße Habite.

Sister Kate erklärt: "Nonnen sterben aus, das ist kein Geheimnis. Mit unserer Kleidung ehren wir sie. So bleibt wenigstens dieser Teil erhalten. Nonnen waren immer schon starke Frauen, gleich wie wir." Die "Sisters of the Valley" verstehen sich als moderne Feministinnen. Sie wollen Frauen auf der ganzen Welt dazu bewegen, unabhängig zu sein und selbst für sich zu sorgen. Mit dem Anbau von Marihuana sei das möglich, sagen sie. Und, so Sister Kate: "Wer hält mich davon ab, mich eine Nonne zu nennen?"

Kiffen in Kalifornien legal
Mit ihrer (Missions-)Arbeit stoßen die falschen Nonnen aber auch hin und wieder auf Hindernisse: In Kalifornien sind Anbau, Konsum und Verkauf der Cannabispflanze und daraus gewonnener Produkte zwar erlaubt, aber das ist nicht überall so. Zur Lage in Österreich sagt Sister Eevee, eine der jungen Schwestern: "Das kann ich mir gar nicht vorstellen! Ich bin fast jeden Tag high. Das heißt, du hast noch nie gekifft?" - "Nein", ist meine Antwort - und auch den mir angebotenen Joint lehne ich ab.

Medizinische Produkte aus Cannabis
Aus den geernteten und getrockneten Marihuanablättern und -blüten stellen die Schwestern nicht nur Joints her. Ihre Hauptarbeit und -einnahmequelle sind medizinische Produkte aus Cannabis, die sie online verkaufen. "Wir haben Kunden auf der ganzen Welt", ist Sister Kate sichtlich stolz. Auf meine Frage, wie das ginge, sei doch Gras nicht überall legal erhältlich, klärt sie mich auf: "Alle unsere Produkte enthalten nur ein bisschen THC." Das ist der Stoff mit der psychoaktiven Wirkung, die für den Rausch sorgt: "Damit unsere Kunden nicht high werden."

Zu den Produkten gehören etwa Öle, Salben und "heilige Seifen", die bei allen möglichen Wehwehchen angewendet werden können. Schwester Freya hat Natur- und Kräuterheilkunde studiert: "Zum Beispiel bei Muskelzerrungen, Kopfweh oder Verkühlung. Meine schönste Erinnerung ist aber, als wir geholfen haben, eine Gelähmte zu heilen. Sie hat geweint, weil sie so glücklich war!"

Bevor die Produkte in den Online-Shop kommen, werden sie getestet: "Alles muss perfekt sein, nicht zuletzt der THC-Anteil. Er ist in sämtlichen Produkten unter einem Prozent - damit wir auch wirklich Kunden auf der ganzen Welt beliefern können", weiß Sister Freya. CBD ist ebenfalls in allen Produkten enthalten - es ist die nicht-psychoaktive Komponente, die gravierende Auswirkungen auf dem medizinischen Gebiet hat.

Mondzyklen und altertümliche Riten
Die Tinkturen werden nach bestimmten Mondzyklen und altertümlichen Riten angefertigt. Darauf legen die Schwestern viel Wert, alles soll in Einklang mit der Natur geschehen. Deshalb auch die Vollmondzeremonien. "Einmal im Monat wollen wir uns bei Mutter Erde bedanken, dass sie uns alles bietet, was wir zum Leben brauchen. Bei unseren Zeremonien ehren wir aber auch die Cannabispflanze selbst", erzählt Sister Kate. Denn: Sie sind Aktivistinnen, auf der Mission, die Welt zu heilen.

Clara Milena Steiner
Clara Milena Steiner
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