Do, 14. Dezember 2017

Feldzug gegen den IS

08.06.2017 17:06

Assad-Armee schaltet sich in Kampf um Rakka ein

Die syrische Regierung hat sich staatlichen Medien zufolge in die Vertreibung der Extremistenmiliz Islamischer Staat aus deren "Hauptstadt" Rakka eingeschalten. Die Luftwaffe habe rund 70 Kilometer westlich der Stadt in Nordsyrien Stellungen und gepanzerte Fahrzeuge zerstört, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SANA am Donnerstag. Die Vereinten Nationen sind angesichts des Vormarsches auf die von den Dschihadisten gehaltene Stadt "zutiefst besorgt" um die Sicherheit der Zivilisten.

Die Luftangriffe galten Zielen entlang der Schnellstraße, die Rakka und die von syrischen Truppen eroberte Großstadt Aleppo verbindet. Unabhängig davon stießen von den USA unterstützte syrische Milizen in den ersten Tagen ihres Vormarsches auf Randgebiete von Rakka vor. Friedensgespräche in der kasachischen Hauptstadt Astana wurden auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die von Russland und dem Iran unterstützte syrische Armee sowie mit ihr verbündete Milizen waren diese Woche aus Aleppo in die Provinz Rakka vorgestoßen. Im Mai hatte die Regierung des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad den hauptsächlich von Kurdenmilizen geführten Kampf gegen den IS noch als legitim bezeichnet und das Vorgehen gegen IS-Gebiete an den Grenzen zum Irak und zu Jordanien als Priorität genannt.

Die Kämpfer des arabisch-kurdischen Bündnisses SDF setzten am Donnerstag mit Unterstützung der US-Luftwaffe ihren Vormarsch auf Rakka fort. Dabei stießen sie auf heftige Gegenwehr: Ein AFP-Korrespondent, der mit SDF-Einheiten kurzzeitig in die Stadt gelangte, berichtete von harten Gefechten zwischen SDF-Kämpfern und den IS-Milizen. Die SDF-Einheiten kämpften mit leichten Waffen, berichtete der Korrespondent. Sie versuchten, ihre Fahrzeuge vor dem IS zu verstecken, der seinerseits Drohnen mit Sprengsätzen gegen die vorrückenden Kämpfer einsetzte.

"Im Kampf um Rakka arbeiten unsere Kräfte sehr effektiv mit den internationalen Einheiten zusammen", sagte SDF-Sprecher Talal Sello. Seine Truppen hätten sich in Teilen von Rakkas Stadtteil al-Meshleb festgesetzt. "Wir rücken in al-Meshleb voran und kontrollieren Teile des Viertels", sagte er.

IS verlegte Minen in der Stadt
Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte dauerten die Kämpfe in dem Stadtteil am Donnerstag noch an. Der IS verfüge über Scharfschützen und habe in dem Viertel Minen verlegt, berichtete die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle weiter. Die oppositionsnahen Aktivisten stützen sich auf ein Netzwerk von Informanten. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben kaum zu überprüfen.

Wie das SDF-Einsatzkommando mitteilte, hatten die Einheiten Mittwochfrüh die Festung Harqal im Westen Rakkas erobert. Die syrische Stadt gilt als IS-Hochburg - am Dienstag waren die Einheiten der Syrischen Demokratischen Kräfte nach einem siebenmonatigen Vormarsch in die Stadt eingedrungen.

UNO in Sorge um Zivilisten
Die Vereinten Nationen zeigten sich "zutiefst besorgt" um die Sicherheit der Zivilisten in der Stadt. Durch Luftangriffe und Beschuss sei zuletzt verstärkt auch zivile Infrastruktur getroffen geworden, teilte die Sprecherin des UNO-Nothilfebüros OCHA, Linda Tom, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur mit.

Seit Wochenbeginn seien neun Menschen getötet worden. Außerdem seien mehrere Schulgebäude, eine Bank, ein Museum und eine Moschee getroffen worden. Mehr als 95.000 Menschen hätten die Stadt bereits verlassen, sagte die OCHA-Sprecherin. Die Organisation geht davon aus, dass bis zu 160.000 Menschen in der Stadt humanitäre Hilfe benötigen.

Spannungen zwischen USA und Assad verschärft
Zuletzt hatten sich die Spannungen zwischen den USA und der Allianz um Assad verschärft. Die USA haben nach russischer und syrischer Darstellung bei der Stadt At Tanf im Süden des Landes Kämpfer angegriffen, die vom Iran unterstützt werden und an der Seite Assads stehen. Am Mittwoch kündigte die von den USA geführte Koalition eine Beschleunigung ihres Kampfes gegen den IS in Rakka an. Der Allianz ist mittlerweile auch die NATO formal beigetreten. Die IS-Extremisten hatten Rakka zur Hauptstadt des von ihnen ausgerufenen "Kalifats" erklärt.

Russland, die Türkei und der Iran verschoben die für kommende Woche in Astana geplanten Syrien-Friedensgespräche nach Angaben Kasachstans auf unbestimmte Zeit. Aus dem russischen Außenministerium verlautete, die Gespräche könnten womöglich am 20. Juni wieder aufgenommen werden. An den Verhandlungen hatten auch Vertreter der syrischen Regierung und einiger Oppositionsgruppen teilgenommen. Zuletzt hatte die Runde die Einstellung der Kämpfe in einigen Gebieten Syriens vereinbart. Unter dem Dach der Vereinten Nationen finden auch Syrien-Friedensgespräche in Genf statt.

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Redaktion
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