Di, 12. Dezember 2017

Dschihadisten-Idol

07.06.2017 08:38

Der "Cheerleader des Terrors": Ahmad Musa Jibril

Er soll das große Idol des London-Killers Khuram Butt sein, der in der Nacht auf Sonntag mehrere Menschen mit einem Van niedergemäht und mit Messern niedergemetzelt hat: Ahmad Musa Jibril, ein in den USA geborener Hassprediger. Nach dem Blutbad, das Butt und zwei weitere Dschihadisten in der britischen Hauptstadt angerichtet haben, ist der 46-jährige "Cheerleader des Terrors" untergetaucht. Auch seine Mutter und eine Schwester, die in der Nähe des 46-Jährigen wohnten, sind verschwunden.

Ahmad Musa Jibril lebte in Dearborn im US-Bundesstaat Michigan, wo er als Sohn palästinensischer Einwanderer geboren wurde. Laut "Daily Mail" hat er seine Bleibe nach der jüngsten Terrorattacke in London so schnell verlassen, dass er sogar seine Badeschlapfen auf der Terrasse vergessen hat.

Der bekannte Hassprediger - dessen Reden Khuram Butt im Internet angesehen hat - saß in den USA auch schon hinter Gittern. Allerdings konnte man den 46-Jährigen wegen seiner Sympathien für den internationalen Terrorismus und vor allem wegen seines Dschihadismus bisher nicht belangen. Jibril wurde aber 2005 wegen mehrerer Fälle von Betrug, Geldwäsche und versuchtem Steuerbetrug verurteilt und war fast sieben Jahre im Gefängnis.

Schon damals kam der britischen Zeitung zufolge ans Tageslicht, wie sehr Jibril terroristische Aktivitäten zumindest guthieß. So habe er mit einem Al-Kaida-Bombenanschlag, bei dem im Jahr 1995 vier US-Amerikaner ums Leben kamen, geprahlt. In einem Fax, das er unter einem Alias-Namen an den US-Sender CNN geschickt hatte, schrieb er: "Das Wichtigste an dieser kommenden Serie an Bombenanschlägen ist, die Juden, Christen und Ungläubigen von dem heiligen Land der Arabischen Halbinsel zu vertreiben - egal wie viele unserer Leben dafür gegeben werden oder wie viele ins Gefängnis müssen." Ob er tatsächlich hinter dem Anschlag steckte, konnte nicht bewiesen werden.

Muslime sollen Religion "mit dem Schwert" verbreiten
Obwohl man damals in Jibrils Haus neben einem kleinen Waffenarsenal - Pistolen und Messer - das gerahmte Emblem der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas gefunden hatte, behaupteten er und sein mit angeklagter Vater vor Gericht, dass sie unschuldig und "gute US-Bürger" seien, die die "Kluft zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen zu überbrücken" versuchten. Tatsächlich war auf einer von den beiden Männern betriebenen Website und in dort und auf mehreren Seiten im Internet geposteten Videos vielmehr zu lesen und zu sehen gewesen, dass die Muslime ihre Religion "mit dem Schwert verbreiten" sollten: "Wagt einen Heiligen Krieg und tötet Ungläubige."

Auf der Website sei auch ein Gedicht gewesen, das den ehemaligen Al-Kaida-Chef Osama bin Laden glorifiziere. Darin hieß es laut den Gerichtsakten: "Du bist weder Scheich Osama noch Mullah Omar, aber vergiss nicht, du bist ein Kämpfer. Worauf wartest du noch? Geh und schlag in die Feindeslinien, zerschmettere sie. Triff sie in den Nacken und schicke sie zur Hölle. Gib ihnen ein Messer und eine Ladung voller Gewehrkugeln. Kämpfe, kämpfe, kämpfe, das muss unser Ziel sein."

Mit echten Waffen Geiselsituationen nachgespielt
Die Staatsanwaltschaft führte während der Verhandlung weiter aus, wie der 46-Jährige bereits als Kind mit dem salafistischen Gedankengut in Berührung gekommen war. Auf Fotos in sichergestellten Familienalben sei er bereits als Jugendlicher als Kämpfer zu sehen gewesen. Als "Heiliger Krieger" habe er anscheinend mit echten Waffen in den Händen posiert. Er und andere Kinder hätten auch Geiselsituationen nachgespielt und sich die Waffen gegenseitig an die Schläfen gehalten.

Einer der London-Attentäter verehrte Musa Jibril
Ermittler glauben dem Bericht zufolge, dass Ahmad Musa Jibril zumindest einen der drei London-Attentäter zu dem Blutbad mit sieben Toten und Dutzenden Verletzten bei der London Bridge am Samstagabend inspiriert hat: Khuram Butt, einen in Pakistan geborenen 27-jährigen Briten.

Butt sei ein glühender Anhänger des Hasspredigers gewesen. Ein Freund des 27-Jährigen, der ihn auch bei den Behörden gemeldet hatte, sagte: "Er hat sich viel von Musa Jibril angesehen. Ich selbst habe ein bisschen etwas davon gesehen und es ist sehr radikal. Ich bin überrascht, dass man solche Sachen so einfach auf YouTube finden kann."

Die meisten ausländischen Kämpfer folgen Musa Jibril
Ahmad Musa Jibril hat auf Facebook fast 250.000 Likes und auf Twitter über 43.000 Follower - allerdings hat er seit Juli 2014 nicht mehr getwittert. Auch seine Facebook-Seite wurde seit dem 10. Juli desselben Jahres nicht mehr upgedatet. Ein Blog Jibrils wurde im Dezember 2015 das letzte Mal gewartet.

Dies dürfte daran liegen, dass Jibril nach Verletzung seiner Bewährungsauflagen - er war 2012 frühzeitig freigekommen - der Zugang zum Internet und zu sozialen Medien erschwert wurde. Zumindest was seine damals bekannten und offiziellen Seiten angeht - Jibril dürfte seine radikalen Thesen unter anderen Namen weiterhin verbreiten. Auch seine alten Texte und Videos werden unter Dschihadisten nach wie vor online geteilt.

Ahmad Musa Jibril - der "Cheerleader des Terrorimus"
Laut dem "Counter Extremism Project" ergab eine im Jahr 2014 durchgeführte Studie, dass 60 Prozent der ausländischen Kämpfer in Syrien Musa Jibril auf Twitter folgen. Die meisten von ihnen haben sich demnach Al-Kaida-nahen Gruppen angeschlossen, manche aber auch dem Islamischen Staat. Das International Centre for the Study of Radicalisation bezeichnete Jibril als "Cheerleader" des Terrorimus.

Heike Reinthaller-Rindler
Chefin vom Dienst
Heike Reinthaller-Rindler
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