Mi, 22. November 2017

Video schlägt Wellen

28.05.2017 13:09

Gedichte vorgetragen: Bub (10) in Moskau verhaftet

Ein Video von der brutalen Festnahme eines Zehnjährigen, der auf der Straße Gedichte rezitiert, sorgt in Russland für Empörung. In dem Video, das am Samstag von russischen Fernsehsendern verbreitet wurde, ist zu sehen, wie der Bub von mehreren Polizeibeamten in Gewahrsam genommen wird und dabei "Rettet mich" ruft. Sein Name wurde mit Oskar Mironow angegeben.

Der Vorfall ereignete sich den Berichten zufolge am Freitagabend in einer Straße im Zentrum von Moskau. Die Beamten hatten den Zehnjährigen verdächtigt, verbotenerweise auf der Straße zu betteln. Dem widersprach Oskars Stiefmutter, die in der Nähe auf einer Bank gesessen war und das Video gemacht hatte. Ihr Stiefsohn habe Gedichte aufgesagt, um sein schauspielerisches Talent zu trainieren, sagte sie den Berichten zufolge.

Bub durfte erst nach Mitternacht nach Hause gehen
Der Bub und seine Stiefmutter wurden von den Polizeibeamten auf eine Wache mitgenommen. Dort hätten sie etwa vier Stunden verbringen müssen, berichtete die Website "Ovdinfo", die Festnahmen der Polizei unter die Lupe nimmt. Erst nach Mitternacht hätten die beiden nach Hause gehen dürfen.

Snowden-Anwalt hilft Familie des Zehnjährigen
Der Anwalt Anatoli Kutscherena, der sich als Verteidiger des Ex-US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden einen Namen gemacht hat, begab sich in die Polizeiwache. Nach seinen Angaben entschuldigte sich die Polizei bei Oskars Eltern. Nach Angaben der Polizei wurde gegen Oskars Vater jedoch eine Geldstrafe in Höhe von 500 Rubel (rund acht Euro) verhängt, weil er seine elterlichen Pflichten vernachlässigt habe.

Das Ermittlungskomitee von Moskau, das mit den Ermittlungen zu schweren Vergehen betraut ist, teilte mit, es untersuche das Vorgehen der Polizisten sowie das Verhalten der Eltern des Buben. Die Moskauer Polizei kündigte ebenfalls eine Untersuchung des Vorfalls an, deren Ergebnisse öffentlich gemacht würden.

Journalist: Bub bekam für Darbietung Geld von Passanten
Wenige Tage vor dem Vorfall hatte ein Journalist der Zeitung "Moskowski Komsomolets", Alexander Minkin, auf Facebook ein Video veröffentlicht, das Oskar dabei zeigt, wie er in einer Moskauer Fußgängerzone den berühmten Hamlet-Monolog "Sein oder nicht sein" auswendig rezitiert (siehe Video unten). Minkin feierte den Buben als "Prinz der Straße" und berichtete, Oskar habe von einigen Passanten ein wenig Geld bekommen, aber nicht gebettelt.

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