Mi, 18. Oktober 2017

Oscar-Panne

27.02.2017 07:29

Warren Beatty verkündet falschen „Besten Film“

In der 89. Oscarnacht wurde Geschichte geschrieben: Warren Beatty und Faye Dunaway verkündeten den falschen Gewinner in der Kategorie "Bester Film" und lieferten damit die größte Oscar-Panne aller Zeiten. Ebenfalls neu: Erstmals wurde einem muslimischen Schauspieler ein Oscar verliehen, und der Regiepreis ging an den jüngsten Regisseur, der jemals einen Oscar bekommen hat. Schade für uns: "Toni Erdman" mit Peter Simonischek in der Hauptrolle ging leer aus. Nicht einmal am Red Carpet durfte sich der Schauspieler zeigen.

Beatty entschuldigt sich für Irrtum
Ausgerechnet das Ende der glamourösen Oscargala geriet in diesem Jahr zum Chaos. Laudator Warren Beatty erklärte irrtümlich den großen Favoriten "La La Land" zum Sieger. Der Fehler fiel einem der Produzenten von "La La Land" auf, als das gesamte Team bereits auf der Bühne stand. Der Irrtum wurde aufgeklärt und der Preis an den richtigen Gewinner, den Film "Moonlight", übergeben. Hauptdarsteller Ryan Gosling lachte sich auf der Bühne über das Missgeschick kaputt.

Warren Beatty, der den Preis gemeinsam mit seinem "Bonnie und Clyde"-Co-Star Faye Dunaway präsentierte, entschuldigte sich auf der Bühne für seinen peinlichen Fehler. Der 79-jährige US-Schauspieler hatte das falsche Kuvert in der Hand - jenes für die Kategorie "Beste Hauptdarstellerin", die zuvor "La La Land"-Schauspielerin Emma Stone für sich entschieden hatte. "Deshalb habe ich gezögert und Faye angesehen", erklärte ein sichtlich reuiger Beatty, "ich wollte mir keinen Scherz erlauben!" Ein seltener Schockmoment bei der Oscar-Verleihung.

PwC-Mitarbeiter twittert und übergibt falsches Kuvert
Wie das falsche Kuvert in seine Hände geriet? Laut New York Post habe ein Mitarbeiter des Wirtschaftsprüfunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC), das die Abstimmung über die Preise überwacht, in jenem Moment getwittert, als er das Kuvert mit dem Gewinner des besten Films an Beatty übergeben sollte. Er griff nach der zweiten Ausfertigung des Kuverts der "Best Actress" und drückte dieses dem Schauspieler in die Hand, der dann gemeinsam mit Dunaway den falschen Sieger verkündete. Die Academy entschuldigte sich später für das Malheur.

Stone holt den Oscar als beste Hauptdarstellerin
Emma Stone hat sich mit "La La Land" in den Hollywood-Olymp getanzt: Die 28-jährige US-Amerikanerin wurde zur besten Hauptdarstellerin gekürt. In der Musical-Hommage brilliert Stone an der Seite von Ryan Gosling als angehende Schauspielerin Mia, die zahlreiche demütigende Vorsprechen über sich ergehen lassen muss. Den Preis nahm sie sichtlich überwältigt von Vorjahresgewinner DiCaprio entgegen. "Ich habe noch viel zu lernen und zu arbeiten - aber dieser Kerl ist ein wunderschönes Symbol dafür, diese Reise fortzuführen", sagte Stone auf die Statuette blickend in ihrer Dankesrede, "und dafür bin ich wirklich dankbar."

Casey Affleck als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet
Auch Casey Affleck hat sich seine erste Auszeichnung als bester Hauptdarsteller gesichert. Mit seiner Darstellung eines wortkargen, traumatisierten Hausmeisters in Kenneth Lonergans erschütterndem Familiendrama "Manchester by the Sea" konnte er das prognostizierte Kopf-an-Kopf-Rennen mit Denzel Washington ("Fences") für sich entscheiden. Dem 41-Jährigen fehlten auf der Bühne des Dolby Theatre vorerst die Worte, ehe er Washington dankte, "der einer der Ersten war, die mir beigebracht haben zu schauspielern, und den ich heute Abend das erste Mal getroffen habe". "Ich wünschte, ich hätte etwas Wichtigeres oder Bedeutungsvolleres zu sagen", sagte Affleck u. a. vor den Augen seines älteren Bruders Ben Affleck, der im Publikum saß. "Ich bin einfach stolz, Teil dieser Gemeinschaft sein zu dürfen."

Bisher jüngster Regie-Preisträger
Mit 32 Jahren und 38 Tagen ist Damien Chazelle nun der jüngste Filmemacher, der einen Oscar gewonnen hat. Er wurde für seine Musicalromanze "La La Land" ausgezeichnet. In seiner Dankesrede erwähnte Chazelle brav sowohl seine Mitnominierten als auch sein Team, seine Familie und schließlich seine Lebensgefährtin. "Das ist ein Film über die Liebe", so Chazelle, "und ich hatte das Glück, mich zu verlieben, während ich diesen Film gedreht habe."

Kein Oscar für "Toni Erdmann"
Die deutsch-österreichische Tragikomödie "Toni Erdmann" ging im Rennen um den Preis für den besten fremdsprachigen Film leer aus. Ausgezeichnet wurde der iranische Beitrag "The Salesman" des Regisseurs Asghar Farhadi. "The Salesman" erzählt von einem Ehepaar, das nach einem brutalen Überfall auf die Frau nicht die Polizei einschaltet, sondern Selbstjustiz übt. Das Werk wird so zu einem Drama um Schuld, Vergebung, Würde und Moral. Farhadi blieb der diesjährigen Gala aus Protest gegen die neue US-Einwanderungspolitik fern. Eine Vertreterin verlas auf der Bühne ein Statement des Regisseurs, der davor warnte, die Welt "in Kategorien von 'uns' und 'den Feinden' einzuteilen". Dies würde zu Furcht und in weiterer Folge zu Kriegen führen. "Diese Kriege verhindern Demokratie und Menschenrechte in Ländern, die ihrerseits bereits Opfer von Aggression waren."

Der Disney-Trickfilm "Zoomania" gewann den Oscar in der Kategorie "Bester Animationsfilm". Rich Moore, der neben Byron Howard und Clark Spencer Regie führte, dankte dem Publikum auf der Bühne des Dolby Theatre dafür, "dass es die Botschaft, dass Toleranz stärker ist als die Angst vor anderen, mit offenen Armen empfangen hat".

Viola Davis beste Nebendarstellerin
Viola Davis wurde als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. Davis, die als erste schwarze Schauspielerin in der Oscar-Geschichte bereits drei Nominierungen verbuchen konnte, nahm den Preis für ihre kraftvolle Darstellung im Familiendrama "Fences" unter Tränen entgegen. Auf der Bühne dankte sie unter anderem "Oh captain, my captain Denzel Washington", der bei "Fences" die Hauptrolle spielte und Regie führte. Sie sei Künstlerin geworden, "weil dies der einzige Beruf ist, der es feiert, was es heißt, ein Leben zu leben".

Erster Oscar für muslimischen Schauspieler
Der erste verliehene Oscar der Nacht war zugleich der erste für Mahershala Ali und damit für einen Moslem: Der kalifornische Schauspieler wurde für seine Darstellung eines kubanischen Drogenhändlers, der in "Moonlight" einen jungen Außenseiter unter seine Fittiche nimmt, als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Der 43-jährige Star, den viele als Remy Danton aus der Serie "House of Cards" kennen, dankte seiner Ehefrau, die vor vier Tagen das erste gemeinsame Kind zur Welt brachte. "Ich will ihr dafür danken, dass sie während dieser ganzen Zeit eine Kämpferin war, die mir geholfen und mich durch den ganzen Prozess hindurch getragen hat."

Fans der Serie applaudierten auf Twitter auf ihre Weise und posteten Glückwünsche seines "alten Bosses" Frank Underwood (Kevin Spacey).

Jimmy Kimmel scherzt über Trump
Die Gala hatte mit einem musikalischen Einzug ins Dolby Theatre von Musiker und Schauspieler Justin Timberlake begonnen. Der 36-Jährige gab zum Auftakt mit Unterstützung zahlreicher Tänzer seinen Oscar-nominierten Ohrwurm "Can't Stop The Feeling" aus dem Animationsfilm "Trolls" sowie Bill Withers' Gute-Laune-Lied "Lovely Day" zum Besten und brachte die anwesenden Gäste inklusive seiner Frau Jessica Biel im Saal damit zum Tanzen.

Im darauffolgenden Eröffnungsmonolog thematisierte der erstmalige Oscar-Moderator Jimmy Kimmel sogleich die "polarisierte Gesellschaft" ob der politischen Lage in den USA. Würde jeder Zuseher aus den USA und all jenen Ländern, "die uns jetzt hassen", mit einer andersdenkenden Person ein konstruktives Gespräch führen, "können wir Amerika wieder großartig machen", ste er Trump dann auch - freilich nur im Scherz: "Im Vorjahr schienen die Oscars rassistisch. Das ist jetzt dank ihm vergessen." In diesem Jahr "retten Schwarze die NASA und Weiße den Jazz", lästerte Kimmel in Bezug auf "Hidden Figures" und den nicht unumstrittenen Favoriten "La La Land".

Die von Trump als "absolut überbewertet" bezeichnete Meryl Streep begrüßte Kimmel mit einem besonderen Applaus. Die anwesenden Stars gaben ihr spontan stehende Ovationen. Den Siegern riet Kimmel, sich zu freuen, schließlich bekämen sie die Chance, dass der Präsident "in Großbuchstaben über sie twittert, wenn er morgen um 5 Uhr Früh Verdauungsprobleme hat". 

Später stellte er fest, dass sich der Präsident noch nicht über Twitter zur Show gemeldet hat und versuchte, mit einem Tweet an "realDonaldTrump" herauszufinden, ob dieser überhaupt wach sei.

Glanz, Glamour und Krisen am roten Teppich
Auf dem roten Teppich vor dem Dolby Theatre in Los Angeles badeten vor Beginn der Gala Stars wie Halle Berry, Salma Hayek oder "Rogue One"-Beauty Felicity Jones im Blitzlichtgewitter und plauderten aufgekratzt mit Reportern. Berry sorgte vor allem mit ihrer wuscheligen Lockenfrisur für Aufsehen. Ein Hollywood-Agent lästerte: "Wenn ich hinter der sitzen muss, kriege ich eine Krise."

Ein wenig die Contenance verlor auch Scarlett Johansson. Als ein Reporter wissen wollte, ob sie dieselben Schuhe wie bei der Probe trage, reagierte sie verschnupft und zischte völlig undiplomatisch: "Was für eine bescheuerte Frage. Natürlich nicht."

Getuschel über Liebesdreieck
Michelle Williams schritt mit ihrer besten Freundin Busy Philipps über den roten Teppich. Wollte sie damit dem Getuschel über die Beziehung zu ihrem Freund Jonathan Safran Foer aus dem Weg gehen? Das Klatschmagazin "National Enquirer" berichtete nämlich am Oscartag, dass der Autor unsterblich in Michelles Kollegin Natalie Portman verliebt sei - seit die beiden die Dokumentation "Eating Animals" zusammen produziert haben.

Peter Simonischek nicht am roten Teppich
Einer, der am Red Carpet fehlte, war der österreichische Star Peter Simonischek, weil "Toni Erdmann"-Regisseurin Maren Ade nur eine Person als Begleitung mitnehmen durfte. "Wir haben versucht ihn mitzunehmen, aber das haben sie uns verboten", erklärte Sandra Hüller, Simonischeks Co-Star in der für den Auslands-Oscar nominierten Vater-Tochter-Tragikomödie.

Neben Glamour spielte auf dem Red Carpet auch Politik eine Rolle. Die irische Oscaranwärterin Ruth Negga (beste Hauptdarstellerin im Rassen-Drama "Loving") erklärte: "Man muss heute politisch aussprechen, was man meint." Das zeigte sie auch - mit einer blauen Ansteckschleife der US-Bürgerrechtsorganisation "American Civil Liberties Union". Die Organisation setzt sich für die liberalen Werte und Freiheiten in den USA ein. Auch Model Karlie Kloss schmückte ihre weiße Robe mit der blauen Schleife.

Emma Stone hatte ihr Kleid mit einem "Planned Parethood"-Pin ("Geplante Elternschaft") geschmückt, der auch die Clutch von Dakota Johnson zierte.

Jackie Chan bringt Plüschpandas als Date
Jackie Chan hatte keine blaue Schleife, dafür zwei Stoff-Pandas mit UNICEF-Broschen dabei. Der Martial-Arts-Filmstar ist der Promi-Botschafter für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen und setzt sich für bedrohte Pandas in der Welt ein. Deshalb nimmt er "Chan La" und "Chan Zy" schon seit Jahren mit zu Hollywoodevents. In Chans Worten: "Sie sind das perfekte Date. Wo ich gehe, kommen sie mit."

Der für einen Hauptrollen-Oscar nominierte Casey Affleck hatte keine Kuscheltiere dabei, dafür aber ein etwas zu haariges Gesicht, was ihm peinlich war. Vor den TV-Kameras entschuldigte er sich für seinen "Waldschrat"-Look. Der Rauschebart sei für ihn kein Fashionstatement, sondern Arbeitskleidung: "Ich drehe gerade einen Film, für den ich so aussehen muss. Ich weiß, es sieht nicht gut aus, aber zwei Wochen muss ich damit noch herumlaufen." Der Film heißt übrigens "Das Licht meines Lebens".

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Pamela Fidler-Stolz
Redakteurin
Pamela Fidler-Stolz
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