Sa, 18. November 2017

Im Schlaf gefesselt

03.02.2017 15:19

Ehemann schnitt junger Afghanin beide Ohren ab

Ein schrecklicher Fall von Verstümmelung erschüttert Afghanistan: Einer 23-jährigen Frau wurden von ihrem Ehemann mitten in der Nacht die Ohren abgeschnitten. Ein hilfsbereiter Nachbar fand die Afghanin und brachte sie ins Krankenhaus. Nun will sich die verstümmelte Frau im Ausland medizinisch behandeln lassen. Sie versuche, Privatspenden für eine Behandlung zu sammeln, erklärte die 23-Jährige am Donnerstag im Krankenhaus von Masar-i-Scharif. Aber auch die afghanischen Behörden bat sie eindringlich um Hilfe.

Die nur mit ihrem Vornamen Sarina bekannt gewordene Frau schilderte die Tat, die sich in der Nacht auf Dienstag in ihrem Haus in einem abgelegenen Bezirk der Provinz Balch an der Grenze zu Usbekistan ereignet hatte: Ihr Mann habe sie gegen 3 Uhr geweckt und gefesselt, mehrmals geschlagen und ihr schließlich beide Ohren abgeschnitten, bevor er verschwunden sei.

Hilfsbereiter Nachbar fand Frau in der Früh
Erst in der Früh fand ein Nachbar das stark blutende Opfer und brachte die Verletzte zu Verwandten, die sie ins Krankenhaus von Masar-i-Scharif fuhren. Die junge Frau sei unter Schock gewesen, nachdem sie so viel Blut verloren habe, berichtete Krankenhauschef Schafir Schajek.

Sarina und ihr Mann waren einander versprochen worden, als das Mädchen 13 Jahre alt war. Sie heirateten sieben Jahre später. Der flüchtige Ehemann wurde am Donnerstag noch gesucht, zu dem Fall seien Ermittlungen eingeleitet worden, sagte ein Sprecher der Provinzregierung.

Viele Täter bleiben auf freiem Fuß
Die Frauenaktivistin Fahima Rahimi erklärte, der Angriff sei "nur das jüngste" Beispiel für "widerliche Gewalt" gegen afghanische Frauen. Der Täter müsse vor Gericht gebracht und verurteilt werden, um anderen ein warnendes Beispiel zu sein. Leider kämen aber viele solche Verbrecher wieder auf freien Fuß, indem sie Polizei oder Staatsanwaltschaft bestechen. Menschenrechtsaktivisten hätten daher das Vertrauen in die Regierung verloren, fügte Rahimi hinzu.

Mehr als 15 Jahre nach dem Sturz der radikalislamischen Taliban gehört die Misshandlung von Frauen weiterhin zum Alltag in Afghanistan. Meistens sind die Täter Ehemänner oder andere Verwandte, die nur selten zur Verantwortung gezogen werden. Im Jänner 2016 hatte etwa ein Mann in der nördlichen Provinz Farjab seiner Frau im Streit die Nase abgeschnitten. Im vergangenen Sommer steckte ein Afghane seine schwangere 14-jährige Ehefrau in der zentralen Provinz Ghor in Brand. Sie starb.

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