Do, 23. November 2017

Obdachlose in Linz

18.01.2017 17:53

„Es gilt, den Winter zu überleben“

Minus 15 Grad - heute ist der zwölfte Frosttag in Folge in Oberösterreich. Die Sorgen um Heizkosten oder streikende Autobatterien lässt die Obdachlosen in Oberösterreich kalt. 150 Betten in Notschlafstellen stehen bereit, doch 100 Betroffene wollen oder dürfen nicht hinein. Für sie ist der harte Winter lebensbedrohend.

"Wir haben heuer schon etwa 80 Schlafsäcke von Help-Mobil aus verteilt", weiß Michaela Haunold von der Caritas. Zweimal pro Woche ist der VW-Bus, der in Kooperation mit den Rettungsorganisationen und den Barmherzigen Schwestern betrieben wird, in Linz unterwegs, brachte im Vorjahr 470  Obdachlosen neben warmen Sachen und Tee auch ärztliche Hilfe. "Viele Betroffene trauen sich nicht, eine Ordination oder Ambulanz aufzusuchen. Und viele leiden unter grippalen Infekten", weiß Haunold. Heuer ist noch keiner ihrer oft psychisch kranken oder alkoholabhängigen Klienten - zwei Drittel sind Männer aller Altersklassen - erfroren, vorgekommen ist das leider aber schon öfter.

150 Plätze in Notschlafstellen
Es gibt in Linz, Wels, Steyr und Vöcklabruck zwar rund 150 Plätze in Notschlafstellen, etwa die Hälfte in der Landeshauptstadt. Michael M. (23) aus Linz nutzt diese Möglichkeiten, gut über den Winter zu kommen. Er kennt aber viele Leidensgenossen, die diese Möglichkeit ausschlagen - siehe dazu unser Interview.

Michael ist erst kurz obdachlos, hat - mit Unterstützung  - eine gute Chance, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. "Es gibt auch welche, die freiwillig auf der Straße leben wollen, doch irgendwann wird es zum Überlebenskampf", sagt Haunold, die in ihrem Help-Mobil hofft, dass die Kältewelle bald vorbeigeht.

"Stets auf der Suche nach warmem Platz"
Seit eineinhalb Monaten ist Michael M. (23) obdachlos. Hier beschreibt er seinen Alltag in der Kälte,  nennt auch seinen größten Wunsch.

Wie bewältigen Sie die derzeitige Kältewelle?
Es gibt zum Glück viele Angebote, man ist ständig unterwegs von einem warmen Platz zum anderen.

Und in der Nacht?
Ich kann in der Notschlafstelle des B37 nächtigen, schaue, dass ich immer Gutscheine habe, sonst kostet eine Nacht 3,50 Euro. Um kurz vor sieben Uhr werden wir geweckt, dann kann ich noch duschen und muss raus. Dann gehe ich meist ins Vinzenz- oder Of(f)’n-Stüberl, danach in die Wärmestube und am Abend zurück ins B37.

Gibt’s Bekannte, die diese Angebote ablehnen?
Da kenne ich einige, die sich nicht hintrauen. Die haben es  echt schwer. Zum Glück gibt’s  Hilfsangebote mit warmer Kleidung und Schlafsäcken.

Sie sind erst kurz auf der Straße, wie geht’s weiter?
Ich würde alles tun, um Arbeit zu finden, um wieder auf die Beine zu kommen. Da ich Invalide bin, kann mir das AMS nicht helfen, das macht die Sache nicht leichter.

Markus Schütz, Kronen Zeitung

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