Mo, 20. November 2017

Pannenserie

05.12.2016 12:33

Russen crashen zwei Kampfjets binnen 3 Wochen

Der erste Kampfeinsatz von Russlands einzigem Flugzeugträger, der "Admiral Kusnezow", steht unter keinem guten Stern: Vor der Küste Syriens stationiert, um die russischen Luftangriffe in dem Bürgerkriegsland zu verstärken, stürzten jetzt binnen drei Wochen gleich zwei Kampfflugzeuge der technisch anfälligen "Kusnezow" ins Mittelmeer (das Video oben zeigt den Absturz eines Kampfjets beim Landeversuch auf dem Flugzeugträger im Jahr 2005).

Der wegen des syrischen Bürgerkriegs ins Mittelmeer entsandte russische Flugzeugträger hatte die syrische Küste am 12. November erreicht.

Video: Russlands Flugzeugträger jetzt im Kriegseinsatz!

Kaum dort zum ersten Kampfeinsatz in seiner fast 35-jährigen Geschichte angekommen, stürzte am 14. November ein Kampfjet vom Typ MiG-29K beim Landeanflug ins Meer. Der Pilot der Maschine konnte sich dem Verteidigungsministerium in Moskau zufolge mit dem Schleudersitz retten.

Die Flugzeuge auf der "Admiral Kusnezow" sollen die russischen Luftangriffe in Syrien verstärken. Zu dem Unfall der MiG-29K kam es allerdings laut russischen Angaben nicht während eines Kampfeinsatzes, sondern bei einem Übungsflug. Als Unfallursache wurden lediglich "technische Probleme" genannt.

Kampfjet verfehlt Stahlseile und stürzt ins Meer
Drei Wochen später musste die russische Marine nun den nächsten Absturz eines Kampfjets vermelden, der von dem Flugzeugträger aufgestiegen war. Diesmal erwischte es eine Maschine der Suchoi-Su-33-Flotte, die an den Luftangriffen in Syrien beteiligt ist. Das Jagdflugzeug sei am Samstag über das Deck hinausgeschossen und ins Wasser gefallen, weil ein Bremsseil an Bord des Schiffes gerissen sei, meldete die Agentur Interfax. Der Pilot habe sich mit dem Schleudersitz gerettet und sei unverletzt geblieben, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Montag mit.

Video: Kampfjets auf dem Flugzeugträger "Admiral Kusnezow" im Einsatz

Für den Syrien-Einsatz waren laut Einschätzung der Militärexperten von Jane's zehn Jets vom Typ Suchoi SU-33 und vier MiG-29KRs an Bord des Flugzeugträgers - von denen zwei gleich in den ersten Wochen verloren gingen. Unter Experten galt die "Admiral Kusnezow" schon vor den jüngsten Vorfällen als pannenanfälliger Seelenverkäufer. Seinen Kampfwert schätzen westliche Experten geringer ein als den von US-Flugzeugträgern. Flugzeuge werden nicht per Katapult gestartet, sondern fliegen über die charakteristische Bugrampe hinaus. Deshalb können sie nicht so viel Bombenlast tragen.

Als ungewöhnlich schlagkräftig gilt aber die bordeigene Bewaffnung, etwa mit ihren zwölf Anti-Schiffsraketen SS-19-N Shipwreck. Das Schiff wird von vier störanfälligen Dampfturbinen angetrieben. Falls die zusammen 200.000 Pferdestärken versagen, soll ein Schlepper eingreifen. Wenig Vertrauen erweckt auch ein auf Deck geparkter Feuerwehrwagen. Unter Deck sollen viele Wasserleitungen nicht funktionieren.

Spott für russische "Donaudampfschifffahrt"
Den Großteil ihrer Dienstjahre hat die "Admiral Kusnezow" in Reparaturwerften zugebracht. Bei einer Manöverfahrt 2009 verursachte der Flugzeugträger einen großen Ölfleck vor der irischen Küste. Die Fahrt des einzigen Flugzeugträgers der russischen Marine zum ersten Kampfeinsatz an die syrische Küste hatte dann im Herbst für Spott gesorgt. Bei der Durchfahrt des Ärmelkanals war wegen der dicken schwarzen Abgaswolke von einer "Donaudampfschifffahrt" die Rede - auf Fotos zum Gebrauch in Russland wurde die Wolke wegretuschiert.

Die schwierige Geschichte des Schiffes zeigt sich schon in seinem Namen. "Sowjetski Sojus" (Sowjetunion) hieß es im Planungsstadium, "Riga" bei der Kiellegung 1982, "Leonid Breschnew" beim Stapellauf, "Tiflis" bei den ersten Probefahrten im Schwarzen Meer. Als die Sowjetunion 1992 zerfiel, entzog die russische Marine den Koloss handstreichartig einem möglichen Zugriff der Ukraine. Als "Admiral Kusnezow" ging das Schiff 1995 bei der russischen Nordflotte in Dienst.

Journalist beschreibt Dienst auf Flugzeugträger als "Hölle"
Die "Hölle" sei der Wehrdienst während der Probefahrten 1990 gewesen, berichtete der Moskauer Journalist Alex Dubas von seinen Erfahrungen. "Die Dienstzeit ging dafür drauf, das eigene Leben und die Gesundheit zu erhalten." Soldaten aus dem Kaukasus und Zentralasien hätten andere Landsmannschaften verprügelt. "Ich habe mich gefragt: Wie kann das sein? Das ist doch das größte und stärkste Schiff unserer Flotte", schrieb Dubas auf Facebook. Beim Zerfall der Sowjetunion seien als erste die Balten ("gute Spezialisten") von Bord gegangen.

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