Mo, 20. November 2017

Putsch vereitelt?

17.10.2016 08:57

Prowestliches Lager gewinnt Wahl in Montenegro

Bei der Parlamentswahl in Montenegro ist die prowestliche Partei von Ministerpräsident Milo Djukanovic erneut stärkste Kraft geworden. Nach Auszählung fast aller Stimmen kam die Demokratische Partei der Sozialisten (DPS) am Sonntagabend auf gut 40 Prozent. Überschattet wurde der Wahlgang von einem angeblichen Putschversuch einer Gruppe serbischer Extremisten.

Djukanovic, der trotz des Widerstands der Opposition sein Land in die NATO führen will, wird somit erneut auf Partner angewiesen sein. Im Zentrum der Wahl in dem Kleinstaat mit rund 640.000 Einwohnern stand die Frage, ob sich das Balkanland enger an den Westen oder an Russland binden soll. Djukanovic strebt zum Missfallen Moskaus den Beitritt zur NATO sowie zur EU an. Die prorussische Demokratische Front (DF) lehnt dies vehement ab, doch kam die Oppositionspartei nur auf etwa 20 Prozent.

Wahlbeteiligung bei rund 73 Prozent
Die beiden anderen Oppositionsparteien Kljuc (Schlüssel) und die Demokraten Montenegros, die einen EU-Beitritt befürworten, aber ein Referendum über den NATO-Beitritt fordern, erhielten jeweils etwa zehn Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 73 Prozent. Djukanovic, der "das Ausmaß des Siegs der DPS" feierte, zählt auf die kleinen Parteien der bosnischen, albanischen und kroatischen Minderheiten, um eine Koalition zu bilden. Mit dem Wahlsieg werde es möglich sein, "das Protokoll zum Beitritt zur NATO zu ratifizieren", sagte er. Auch könne die Regierung die Beitrittsgespräche mit der EU verstärken. Djukanovic führt Montenegro bereits seit einem Vierteljahrhundert, Kritiker werfen ihm autoritäres Gebaren vor.

Vor Wahl 20 Serben festgenommen
Zu der Mitteilung der Polizei, durch Festnahmen ein Komplott einer serbischen Extremistengruppe zum Sturz der Regierung verhindert zu haben, äußerte sich der Ministerpräsident nicht. Der DF-Vorsitzende Andrija Mandic hingegen bezeichnete sie als "plumpe Propaganda". Serbiens Ministerpräsident Alexander Vucic äußerte sich überrascht, "dass dies heute geschieht", und sagte, es sei besser, dass "ich mir drei Mal auf die Zunge beiße und schweige".

Die Polizei hatte mitgeteilt, in der Nacht auf Sonntag 20 Serben verhaftet zu haben, die bewaffnete "Angriffe" geplant hätten. Demnach wollten die Verschwörer die Menge attackieren, die vor dem Parlament am Abend die Verkündung der Wahlergebnisse erwartet. Zudem hätten sie Djukanovic gefangen nehmen, die Kontrolle über das Parlament ergreifen und den "Sieg gewisser Parteien" verkünden wollen.

Als Anführer der Gruppe wurde laut Medienberichten der frühere serbische Gendarmerie-General Bratislav Dikic identifiziert, der sich in einem Veteranverband engagiert und öffentlich gegen den Beitritt Montenegros zur NATO geäußert hatte. Nach der Festnahme der Verdächtigen riefen das Innenministerium ebenso wie die orthodoxe Kirche und die DF die Bürger auf, nicht zu Kundgebungen auf die Straße zu gehen.

Serbien und Montenegro unterhalten seit langem schwierige Beziehungen. Zum einen hatte sich Podgorica vor zehn Jahren vom Staatenbund Serbien-Montenegro losgesagt. Zum anderen sorgt für Spannungen, dass Montenegro die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannt hat. Serbien und Russland betrachten den Kosovo dagegen nach wie vor als serbische Provinz.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden