Mo, 20. November 2017

Konrad zieht Bilanz

27.09.2016 22:01

Flüchtlingskoordinator „nicht froh“ über Abgang

Christian Konrad zieht eine positive Bilanz seiner einjährigen Tätigkeit als Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung. "Wir haben uns nach Kräften bemüht und einiges bewegt", sagte er am Dienstagabend. Der Flüchtlingshilfe will der langjährige Raiffeisen-Manager weiterhin verbunden bleiben. An der Regierungspolitik ließ Konrad etwas Kritik anklingen.

Konrad wurde im August des Vorjahres zum Regierungskoordinator bestellt. Sein Mandat wurde von der Regierung nun nicht verlängert und läuft am 30. September aus. "Ich werde weiter helfen, auch ohne von der Regierung bestellt zu sein." Eine seiner wichtigsten Erfahrung des vergangenen Jahres: "Wer will, der kann."

"Ordentliche Unterkunft für alle"
Sein Team habe gemeinsam mit vielen anderen einen Beitrag dazu geleistet, dass Flüchtlinge, die nach Österreich gekommen sind, "eine ordentliche Unterkunft haben, und jene, die durchgezogen sind, ordentlich betreut wurden". Dazu wurden viele Kontakte zu Bürgermeistern geknüpft und die Kapazitäten im Asylwesen aufgestockt.

Die Situation mit den starken Flüchtlingsbewegungen vor einem Jahr war eine "besondere Herausforderung", so Konrad. "Die einzige Gruppe, die vorbereitet war, war die Zivilgesellschaft, jene, die zu Hause alles liegen und stehen gelassen haben, um zu helfen. Die hatten einen Plan." Nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln sei es schwieriger geworden. Überall dort aber, wo es in Gemeinden Kontakt mit Flüchtlingen gegeben habe, seien diffuse Ängste in den Hintergrund getreten. "Jeder, der praktische Erfahrungen hat, redet anders als die, die theoretisieren und hetzen."

Kein neuer Ansturm erwartet: "Balkanroute ist zu"
Die Zusammenarbeit mit den Gemeinden bezeichnete der Flüchtlingskoordinator als positiv. Auch in jenen wenigen Fällen, wo das Durchgriffsrecht für Unterbringungsmöglichkeiten angewendet werden musste, habe man sich schließlich meist einvernehmlich auf Alternativlösungen innerhalb der Gemeinde geeinigt. Einen neuen Ansturm an Flüchtlingen sieht Konrad derzeit nicht: "Die Balkanroute ist zu."

Nun sei die die Integration der Menschen oberste Priorität. Der scheidende Flüchtlingskoordinator plädierte für eine Beschleunigung der Asylverfahren. "Die Wartezeiten der Menschen, die hier Schutz suchen, sind immer noch viel zu lange", so Konrad. Auch ein gemeinsames europäisches Asylrecht würde viele Dinge vereinfachen. Das Wichtigste für die Integration seien aber Beschäftigung und Ausbildung. Ein großes Anliegen sind Konrad auch die vielen unbegleiteten Minderjährigen. Grundsätzlich sei "genug Platz für alle" vorhanden.

Hätte gerne weitergemacht
Der Flüchtlingskoordinator ließ schließlich durchklingen, dass er gerne noch weitergemacht hätte: "Froh bin ich nicht, dass ich aufhöre", er gehe aber "ohne Groll und bad feelings". Nach Medienberichten sollen sich vor allem Teile der ÖVP gegen eine Verlängerung des christlich-sozialen und ÖVP-nahen Konrad ausgesprochen haben. "Es ist leider so, dass die Bundesregierung nicht immer nur dem Konrad gefolgt hat. Aber es bewegt sich jetzt schon einiges in die richtige Richtung", sagte der frühere Raiffeisen-Manager dazu nur allgemein. Und: "Ich bin Koordinator und nicht Kommentator der Bundesregierung."

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