Sa, 16. Dezember 2017

Horror-Häfn

13.07.2016 11:20

In diesem Gefängnis wurden 400 Menschen ermordet

Die Zahl der Menschen, die in einem kolumbianischen Gefängnis über Jahre hinweg getötet wurden und verschwanden, ist wahrscheinlich viel höher als angenommen. Inhaftierte Paramilitärs hätten vermutlich zwischen 1999 und 2001 bis zu 400 Menschen in der Haftanstalt "La Modelo" in der Hauptstadt Bogota ermordet, sagte der Ermittlungsleiter der Generalstaatsanwaltschaft, Julian Quintana, am Dienstag.

Die Aussagen von Ex-Mitgliedern der Paramilitärs und weitere Beweise legten die neue Zahl nahe. Zu Beginn der Ermittlungen im heurigen Februar hatte die Behörde von 100 oder mehr vermuteten Fällen gesprochen, in denen rechtsgerichtete Paramilitärs Insassen, Besucher oder Personen, die gewaltsam ins Gefängnis gebracht wurden, ermordeten, deren Leichen an Schweine verfütterten oder im Abwassersystem entsorgten. Der Staatsanwaltschaft zufolge gibt es Fotos von Menschen, die das Gefängnis betraten, aber niemals verließen. Auch Videos, Gesundheitsakten und Archive lägen als Beweismaterial vor.

Ein Zeuge hatte eingeräumt, dass es damals einen Vertrag der Strafvollzugsbehörde mit Schweinemastbetrieben in der Hauptstadt Bogota gegeben habe - Essensreste des Gefängnisses Modelo wurden als Schweinefutter geliefert. Wegen der teilweisen Verfütterung menschlicher Überreste seien "die Schweine sehr dick geworden", habe der Mann berichtet. Zugleich sei es immer komplizierter geworden, die Überreste mit den Essenresten zu vermischen. Daher seien viele der getöteten Personen zerkleinert in das Abwassersystem geworfen worden.

Arm der Paramilitärs reichte in höchste Regierungskreise
Die Paramilitärs (Autodefensas Unidas de Colombia) bekämpften in Kolumbien die linke Guerilla und finanzierten sich über den Kokainhandel. Die EU und die USA stuften sie als Terrororganisation ein. Ihr Arm reichte in höchste Regierungskreise. Auch in den kolumbianischen Gefängnissen galt und gilt Korruption als weit verbreitet. Laut Chefermittler Quintana werden nun auch ähnliche Fälle in anderen Haftanstalten Kolumbiens in den Jahren 1998 bis 2003 untersucht.

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