Sa, 25. November 2017

Kein „Spatzenhirn“!

14.06.2016 12:37

Vögel besitzen mehr Nervenzellen als Säugetiere

Als "Spatzenhirn" bezeichnet zu werden, sollte man künftig als Kompliment gelten lassen: Denn wie ein internationales Forscherteam um Tecumseh Fitch von der Universität Wien nun herausgefunden hat, weisen die kleinen Gehirne von Vögeln relativ gesehen signifikant mehr Nervenzellen auf als jene von Säugetieren. Möglich ist das, weil die Neuronen bei Papagei, Elster und Co. viel dichter gepackt sind.

Mehr Neuronen (Nervenzellen) bedeuten auch mehr Gehirnleistung, was insbesondere bei Raben und Papageien, die für ihre Klugheit bekannt sind, überproportional ausgeprägt ist. Ihre Ergebnisse publizieren die ForscherInnen aktuell in der renommierten Fachzeitschrift PNAS.

Raben und Häher etwa wissen, wenn ihnen jemand zusieht, und verstecken ihr Futter nur in unbeobachteten Momenten, Elstern erkennen sich im Spiegel selbst und Krähen basteln ausgeklügelte Werkzeuge. Papageien können hunderte Wörter lernen und sinnvoll verwenden, tanzen spontan zu einem Rhythmus und betätigen sich mit Stöckchen an Bäumen als Schlagzeuger.

Wie sie all dies mit ihren sprichwörtlichen "Spatzenhirnen" zuwege bringen, war bisher ein Rätsel. Die Forscher haben nun bei 28 Vogelarten die Nervenzellen der Gehirne - sie sind bei Papageien und Krähen nur etwa walnussklein - gezählt und entdeckt, dass Vögel im Vorderhirn genau so viele besitzen, wie Säugetiere in ihren viel größeren Schädeln. Im Vorderhirn finden die Sinneswahrnehmungen statt, dort sitzt das Bewusstsein und es steuert willentliche Aktivitäten.

Neuronen im Vogelhirn dichter gepackt
"Vögel haben nicht nur generell eine größere Dichte an Neuronen im Gehirn als Säugetiere, vor allem bei Papageien und Rabenvögeln sind sie auch stark auf das Vorderhirn konzentriert", sagte Tecumseh Fitch vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien im Gespräch. Bei Menschen und anderen Säugetieren ist daher der Anteil an Nervenzellen im Kleinhirn vergleichsweise größer, dort werden etwa Bewegungsabläufe koordiniert.

Wahrscheinlich wurde im Zuge der Evolution bei den Vögeln die Struktur der Gehirne größen- und gewichtsoptimiert, weil sie möglichst leicht sein sollten, um gut fliegen zu können, schreiben die Forscher im Fachmagazin "PNAS". Die "Geisteskraft" liege jedenfalls in Vogelhirnen geballter vor, als bei Säugetieren, so das Fazit der Kognitionsbiologen.

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