So, 19. November 2017

„Krone“-Ombudsfrau

06.04.2016 07:00

Krankenkassen-Tourismus bei Milchzähnen?

Wer für einen Arztbesuch die Grenze eines Bundeslandes überschreitet, fällt in die Bestimmungen der dortigen Krankenkasse. So muss eine Mutter aus Wien die Zahnfüllung ihrer Tochter aus der eigenen Tasche bezahlen, weil sie beim Zahnarzt in Niederösterreich war. Dort übernimmt die Kasse nur eine Behandlung mit Amalgam.

Neun Bundesländer, neun Gebietskrankenkassen. Und neun komplett unterschiedliche, verschiedene Bestimmungen. Auch wenn es etwa um die Zahnfüllungen geht. Da hat sich die Wiener Gebietskrankenkasse eine Besonderheit ausgedacht. Sie bezahlt weiße Kunststofffüllungen im Seitzahnbereich für Milchzähne bei Patienten bis zum vollendeten 14. Lebensjahr. Diese Bestimmung kennt auch die niederösterreichische Zahnärztin von Familie N. aus Wien. Sie hat deshalb nach einer solchen Füllung bei der kleinen Tochter von Familie N. kein Geld kassiert, sondern wollte diese Leistung mit der Wiener Krankenkasse abrechnen, wo die Familie versichert ist. "Zu meiner Überraschung bekam ich nach mehreren Monaten aber eine Ablehnung, weil nicht nach der Krankenkasse der Patientin abgerechnet wird, sondern nach jener des Bundeslandes, in der sich der Arzt befindet", erklärt die Ärztin.

Das ist in diesem Fall die niederösterreichische Gebietskrankenkasse. Und die bezahlt Kunstofffüllungen gar nicht. Lediglich 80 Prozent des Amalgamtarifes können auf Antrag ersetzt werden. Dafür würden in Niederösterreich die Kosten für einen Ultraschall beim Gynäkologen bezahlt werden. In Wien sei das eine Privatleistung, teilte uns die Kasse stolz mit.

In der Bundeshauptstadt folge man einer Empfehlung des Gesundheitsministeriums. Deshalb seien die Kunststoffüllungen für das Milchgebiss eine Kassenleistung. Diese seien unter anderem länger haltbar. Also auf zum Krankenkassentourismus innerhalb der neun Bundesländer? Man darf sich aber fragen: Brauchen wir neun verschiedene Gebietskrankenkassen?

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