Sa, 16. Dezember 2017

Umstrittener Prozess

22.03.2016 15:45

22 Jahre Lagerhaft für ukrainische Pilotin

Ein russisches Gericht hat die ukrainische Pilotin Nadija Sawtschenko am Dienstag in einem umstrittenen Mordprozess zu 22 Jahren Lagerhaft verurteilt. Richter Leonid Stepanenko sah es als erwiesen an, dass die Pilotin der Beihilfe zum Mord an zwei Journalisten in der Ostukraine schuldig ist. Bereits am Montag hatte Stepanenko erklärt, die Frau habe "aus Hass absichtlich den Tod zweier Menschen verursacht". Am Dienstag bestätigte der Richter dieses Urteil. Die Staatsanwaltschaft hatte 23 Jahre Haft für Sawtschenko beantragt.

Das Gericht habe die 34-Jährige in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen, sagte der Anwalt der Ukrainerin, Nikolai Polosow. "Das Gericht hat keinen Grund, den Angaben der Zeugen der Anklage nicht zu glauben", sagte Richter Stepanenko.

Sawtschenko weist alle Vorwürfe zurück. Da die Soldatin bereits seit Ende Juni 2014 in Russland in Haft ist, beläuft sich der Rest ihrer 22-jährigen Haftstrafe auf rund 20 Jahre. Die Anklage hatte insgesamt 23 Jahre Lagerhaft gefordert. Die Ukraine protestierte gegen das Verfahren. Die Soldatin hatte bereits eine Berufung gegen das Urteil ausgeschlossen. Seit Monaten wird über einen möglichen Austausch gegen in der Ukraine inhaftierte Russen spekuliert.

Pilotin als Symbold des Widerstands gegen Russland
In der Ukraine wird die Pilotin als Nationalheldin und Symbol des Widerstands gegen Russland verehrt, während sie im russischen Staatsfernsehen als gefährliche Nationalistin dargestellt wird, die das Blut russischer Zivilisten an den Händen hat. Sie selbst bestreitet jegliches Fehlverhalten und spricht von einem Schauprozess. Die Gefangene hat mehrere Hungerstreiks hinter sich. Es wird erwartet, dass Sawtschenko einen neuen Hungerstreik beginnt, sobald das Urteil gegen sie in Kraft tritt, um ihre Heimkehr in die Ukraine zu erzwingen.

Russland wird wegen des Prozesses im Westen massiv kritisiert. Unter anderem fordern die USA und Deutschland Sawtschenkos Freilassung. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier will bei einem Besuch an diesem Mittwoch in Moskau mit der russischen Führung unter anderem über den Fall sprechen.

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