Fr, 20. Oktober 2017

Spekulationen

24.07.2015 19:30

Klage gegen Erste Bank um 88 Millionen

Diese Klage sprengt alle Rekorde: 88,6 Millionen Euro fordert Salzburg zurück von der "Erste" Bank - wieder geht es um wilde Spekulationen mit Steuergeld, bei denen das Land Unsummen einbüßte. "Die Bank lehnte Gespräche über einen Vergleich strikt ab", sagt Christian Stöckl.

Das war Maßarbeit: Freitag früh setzten die letzten Mitglieder der Landesregierung ihre Unterschrift unter den Beschluss - und schon am Nachmittag brachten die Anwälte Salzburgs die Klage beim Handelsgericht Wien ein. Nach der fürstlich liechtensteinischen LGT Bank und der Raiffeisen Landesbank Niederösterreich - Wien geht es jetzt gegen die "Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG". Die Summe mutet abenteuerlich an: Knapp 88,6 Millionen fordert das Land von diesem Geldinstitut zurück.

So hoch ist der Verlust bei den exakt 2040 Geschäften, die von Jänner 2005 bis Juni 2013 liefen - meist telefonisch abgeschlossen durch Monika Rathgeber, bis Mitte 2012 Chefin des Budgetreferats. "Der Nennwert dieser Papiere betrug mehr als 18 Milliarden Euro. Eine ganze Reihe der Geschäfte hatte schon beim Abschluss einen klar negativen Marktwert", schildert Landes-Vize Christian Stöckl - und fügt hinzu: "Darüber informierte die Bank das Land aber nicht."

Kein einziger Bereich warf einen Gewinn ab
Es gab keinen einzigen Bereich, in dem das Land mit der Ersten Gewinne machte: 33 Zinsderivate hatte Salzburg abgeschlossen. Normalerweise wird mit Swaps das Risiko von steigenden Zinsen für Kredite abgefedert - aber hier wurde auf Teufel komm raus spekuliert. Salzburg verlor insgesamt 46,4 Millionen - davon 32,4 Millionen bei den vier giftigsten Papieren. Das waren "Zinsswaps mit bedingter Euribor-Memory-Zuzahlung". Bei 1905 Devisengeschäften fuhr das Land ein Minus von 40,5 Millionen ein. Siebenstellige Beträge wurden oft in wenigen Wochen in den Sand gesetzt - vor allem bei Wetten auf die Wechselkurse des Euro mit neuseeländischen Dollar oder mit isländischen Kronen.

Schlechter Wechselkurs: 388.000 Euro verwettet
Wie das funktionierte, belegt ein Beispiel: Das Land vereinbarte mit der "Erste", dass es zwei Wochen nach Abschluss 15 Millionen US-Dollar an die Bank zahlt und dafür 1,576 Milliarden japanische Yen erhält. Der gewettete Kurs betrug 139,90 Yen pro Euro. Doch die Kurse spielten verrückt - das Land verlor allein bei der Wette 388.000 Euro. Auch bei den 102 Devisenoptionen setzte es für Salzburg Verluste von 1,7 Millionen Euro. Wenn das Land an der Börse die Option ausüben konnte, nahm es magere 99.300 Euro ein. In den meisten Fällen gewann die Bank. Wie im Casino...

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