Sa, 25. November 2017

Terror gegen Juden

16.02.2015 15:47

Kritik an Netanyahus Aufruf zur Auswanderung

Dänemarks Chefrabbiner Yair Melchior hat Aufrufe an die Juden Europas kritisiert, nach den Anschlägen in Kopenhagen und Paris nach Israel auszuwandern. Es sei das Ziel von Terrorismus, den Menschen Angst einzuflößen, aber: "Wir haben keine Angst", sagte Melchior dem israelischen Rundfunk am Montag. Damit reagierte der Chefrabbiner auf einen Aufruf von Israels Premier Benjamin Netanyahu, demzufolge Juden in Europa nicht mehr sicher seien und ins Heilige Land auswandern sollten.

"Juden wurden auf europäischem Boden ermordet, nur weil sie Juden waren. Diese Terrorwelle wird weitergehen", sagte Netanyahu am Sonntag während einer Kabinettssitzung in Jerusalem. Er wende sich an die Juden in Europa: "Israel ist eure Heimstätte." Bereits auf die Anschläge in Paris im Jänner, bei denen auch vier Juden getötet worden waren, hatte Netanyahu mit dem Aufruf reagiert: "Israel ist nicht nur der Ort, wohin ihr euch beim Gebet wendet, der Staat Israel ist eure Heimstätte." Man werde jeden Juden in Israel "mit offenen Armen empfangen", sagte der Premier damals.

Oberrabbiner: "Dies sind keine Pogrome"
Der dänische Chefrabbiner reagierte nun nach Netanyahus neuerlichem Appell verärgert: "Jetzt müssen jüdische Gemeinden überall gestärkt werden, damit Juden überall dort bleiben und leben können, wo sie sind." Vergleiche des heutigen Europa mit der Situation vor dem Zweiten Weltkrieg nannte Melchior "ärgerlich und unangemessen". "Dies sind keine Nazis, dies sind keine Pogrome. Dies sind bösartige Terroristen, die es nicht verdient haben, uns vorzuschreiben, wie wir zu leben haben."

"Auch in Israel gibt es Terroranschläge"
Der Chefrabbiner gab sich unbeirrt: "Wir lassen uns nicht von Terroristen dazu zwingen, unser tägliches Leben zu ändern, in Angst zu leben und an andere Orte zu fliehen." Juden könnten nach Israel auswandern, weil sie den jüdischen Staat liebten, "aber nicht, weil sie Angst haben, in Dänemark zu leben". Weiters meinte der oberste Vertreter der jüdischen Gemeinschaft in Dänemark: "Die Situation in Europa ist nicht so schlimm, das Leben in Europa ist nicht so katastrophal. Auch in Israel gibt es Terroranschläge und man lernt, damit umzugehen."

Appell von Regierungschefin Thorning-Schmidt
Auch die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt rief die Juden eindringlich dazu auf, ihre dänische Heimat nicht zu verlassen. "Wir wären nicht mehr dieselben ohne jüdische Gemeinde", sagte Thorning-Schmidt am Montag. Diese gebe es seit Jahrhunderten im Land, sie "gehört nach Dänemark, sie ist Teil der dänischen Gemeinde".

Valls: "Frankreich möchte nicht, dass Sie gehen"
Die französische Regierung hat bereits wiederholt an die jüdische Bevölkerung des Landes appelliert, trotz der jüngsten Welle von antisemitischen Taten - am Wochenende wurden auf einem jüdischen Friedhof in Ostfrankreich Hunderte jüdische Gräber geschändet - dem Land nicht den Rücken zu kehren. "Unsere Botschaft an die französischen Juden lautet: 'Frankreich ist verletzt wie Sie - und Frankreich möchte nicht, dass Sie gehen'", sagte Regierungschef Manuel Valls am Montag dem Rundfunksender RTL. "Die französischen Juden gehören nach Frankreich."

Merkel sagt Juden in Deutschland Schutz zu
Die deutsche Regierung sagte angesichts der Debatte in Dänemark und in Frankreich den Juden in Deutschland Schutz zu. "Wir möchten gerne mit den Juden, die heute in Deutschland sind, weiter gut zusammenleben. Wir sind froh und auch dankbar, dass es wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag und betonte, dass die Regierung alles tun werde, damit die Sicherheit "der Bürger jüdischer Herkunft gewährleistet wird".

Kurz: "Jüdische Gemeinde in Österreich soll wachsen"
Außenminister Sebastian Kurz sprach sich am Montagnachmittag gegen Netanyahus Aufrufe aus. "Die jüdische Gemeinde in Österreich soll wachsen", erklärte Kurz in einer Aussendung. "Es ist leider eine schreckliche Tatsache, dass antisemitische Vorfälle in Österreich und ganz Europa zunehmen. Daher müssen wir hart daran arbeiten, für Sicherheit zu sorgen, damit Menschen jüdischen Glaubens nicht gezwungen sind, auszuwandern. Aber Europa ohne Juden wäre nicht Europa", betonte der Minister.

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