Mo, 19. Februar 2018

Massaker befürchtet

01.10.2014 08:45

IS-Kämpfer umzingeln kurdische Stadt Kobane

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat seit ihrem Vormarsch auf die kurdische Stadt Kobane im Norden Syriens rund 325 Dörfer im Umland unter ihre Kontrolle gebracht. Der IS steht mittlerweile im Osten, Süden und Westen vor Kobane. Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte rückten die Dschihadisten bis auf zwei Kilometer an die Enklave, die im Norden an die Türkei grenzt, heran. Zwischen den Stellungen der IS und der Kurden liege demnach nur noch ein freies Feld.

"Wir brauchen Hilfe. Wir brauchen Waffen. Wir brauchen effektivere Luftschläge", sagte Idriss Nassan aus Kobane. Wenn es so bleibt, "werden wir ein Massaker sehen". Er könne sich nicht vorstellen, was geschehen werde, wenn die Terrormiliz in der Stadt einmarschiert.

Die Extremisten befänden sich bereits unmittelbar vor der Stadt, warnte auch der Präsident der selbst ernannten Regionalregierung von Kobane, Anwar Muslim. Die Extremisten griffen Kobane demnach aus allen Richtungen an. Die Stadt werde mit schwerer Artillerie beschossen.

Erstmals auch britische Luftangriffe im Irak
Die USA und ihre arabischen Verbündeten bombardierten deshalb am Dienstag IS-Stellungen in der Nähe der eingekreisten kurdischen Stadt. Unterstützt von US-Luftangriffen begannen kurdische Einheiten zudem in mehreren Regionen des Nordiraks Angriffe auf den IS.

Am Dienstagabend vermeldete die Regierung in London, dass die britische Luftwaffe nun ebenfalls mit Luftangriffen auf Stellungen des IS begonnen hätten. Tornado-Flugzeuge griffen schweres Gerät der Islamisten an, das kurdische Truppen bedroht habe, und attackierten später in der selben Gegend auch einen bewaffneten Transporter, sagte Verteidigungsminister Michael Fallon.

Rund 30 Kilometer südlich von Kobane haben IS-Kämpfer indes ein von 36 türkischen Soldaten bewachtes Mausoleum umstellt. Das Mausoleum von Süleyman Shah, dem Großvater des ersten osmanischen Sultans, liegt innerhalb Syriens auf einem exterritorialen Stück Land, das zur Türkei gehört. IS hatte bereits im März den Abzug der türkischen Soldaten gefordert. Die Regierung in Ankara lehnte das ab und warnte, ein Angriff auf das Mausoleum werde als Angriff auf die Türkei gewertet.

Türkei zieht Truppen an Grenze zu Syrien zusammen
Die Türkei zog angesichts des Vormarschs des IS Truppen auf ihrer Seite der Grenze zusammen. Die Streitkräfte hätten 35 Panzer in der Region aufgefahren, berichtete die regierungsnahe Zeitung "Sabah" am Dienstag. Die Panzer hätten 400 Meter von der Grenze entfernt Stellung bezogen und ihre Kanonen auf Syrien gerichtet.

Die Zeitung "Hürriyet" berichtete, Armeechef Necdet Özel warte nun mit den nächsten Schritten auf Resolutionen des Parlaments. Das Parlament in Ankara will am Donnerstag über Resolutionen entscheiden, mit denen die Regierung ermächtigt wird, militärisch gegen Terroristen in Syrien und im Irak vorzugehen. Das Mandat werde "alle möglichen Bedrohungen" abdecken, kündigte Vize-Regierungschef Bulent Arinc an.

Ihre NATO-Verbündeten hat die Türkei jedoch noch nicht um Unterstützung wegen des Vorrückens von IS gebeten. Es habe keine spezifische Anfrage des Bündnispartners für weitere Konsultationen gegeben, teilte ein NATO-Sprecher mit. Der NATO-Rat führe aber regelmäßig Gespräche über die Lage an der Südostgrenze der Allianz. Laut Artikel 5 der NATO-Verträge wären die anderen Mitgliedstaaten des Verteidigungsbündnisses zum militärischen Beistand verpflichtet, wenn ein Mitglied angegriffen wird.

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