Mi, 13. Dezember 2017

Häftling verwahrlost

27.05.2014 12:38

Anstaltsarzt: "Er litt unter heftigen Schmerzen"

Jener Fall eines verwahrlosten Insassen der niederösterreichischen Justizanstalt Krems-Stein, der vergangene Woche eine Welle der Empörung ausgelöst hat, ist am Dienstag von Anstaltsarzt Michael Karner bestätigt worden. Der Mann habe - bevor er ihm vorgeführt wurde - "in den letzten zwei Nächten unter heftigen Schmerzen in beiden Beinen" gelitten. Der Mediziner sprach zudem Probleme bei Rückmeldungen mit einer Abteilung an.

Da es pro Jahr etwa 20.000 Vorführungen von Insassen in der Ordination gebe, sei eine regelmäßige Kontrolle aller Häftlinge nur schwer möglich, so der Arzt. Man sei daher "auf die Rückmeldungen der Abteilungen in der Haftanstalt angewiesen", ob es irgendwelche besonderen gesundheitlichen Vorkommnisse gebe. "In diesem Fall hat das bis auf eine Abteilung gut funktioniert", so der Mediziner.

"Die Socken sind beim Ausziehen zerfallen"
Als der 74-Jährige dann am 10. März dieses Jahres untersucht wurde, seien alte eingetrocknete Bandagen an den Füßen gefunden worden. "Die Socken sind beim Ausziehen zerfallen", schilderte Karner. Unter den Verbänden seien dann "eitrige Geschwüre am linken Unterschenkel" zum Vorschein gekommen, die auf eine Blutvergiftung hindeuteten.

Seine Zehennägel seien zudem zentimeterlang gewesen, was darauf hinweise, dass der Mann bereits seit mehreren Monaten in diesem Zustand gewesen sein muss. Laut dem Mediziner hätte dies dem Personal in der Abteilung auffallen müssen.

74-Jähriger auf dem Weg der Besserung
Trotz des desolaten Zustands hätten die Beine des Mannes binnen einer Woche wieder normal ausgesehen. Aufgrund der Vorkommnisse liege der 74-Jährige aber noch auf der Station. "Er hat wieder einen Gesundheitszustand seinem Alter entsprechend erreicht", betonte der Arzt.

Erste Angaben des Patienten, wonach dieser zuletzt 50 Kilogramm Gewicht verloren hätte, haben sich nicht bestätigt. "Als der Mann 2008 zu uns überstellt wurde, hatte er ein Ausgangsgewicht von 73 Kilogramm. Im Mai wog er 61 Kilogramm", so Karner. Ein Gewichtsverlust von zwölf Kilogramm in den vergangenen Jahren sei in seinem Alter nicht ungewöhnlich.

Auf die Frage, wer in einem Gefängnis für das Schneiden von Finger- und Zehennägel zuständig sei, nachdem Nagelfeilen und Scheren nicht erlaubt sind, antwortete der Mediziner: "Unsere Insassen dürfen Nagelzwicker haben." Zudem gebe es seit zwei Jahren eine Fußpflegerin, die für "schlimmere Fälle" zuständig sei.

Häftling in Justizanstalt Suben misshandelt
Indes wurden am Dienstag erneut Vorwürfe im Strafvollzug bekannt. Ein Häftling der Justizanstalt Suben in Oberösterreich soll von einem Justizwachebeamten misshandelt worden sein (Bericht siehe Infobox).

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