Mo, 18. Dezember 2017

"Krone"-Ombudsfrau

24.09.2013 13:42

Wohnungsdelogierung: Behörde sollte genauer prüfen

In der Vorwoche haben wir über die Delogierung einer behinderten Frau aus ihrer Gemeindewohnung berichtet. Ist das ein tragischer Einzelfall oder nur die Spitze des Eisbergs? Viele Nachbarn sind jedenfalls entsetzt über das harte Vorgehen der Behörden. Sie wünschen sich die Frau als Nachbarin zurück.

Für die Behörden ist der Fall eindeutig. Nach einem jahrelangen Gerichtsverfahren wurde das Urteil gefällt. Laut diesem hat sich Sabine J. Nachbarn gegenüber "unleidlich" verhalten, sie hätte sie beschimpft, sich aggressiv verhalten. Nachbarn hatten Unterschriften gegen die Betroffene in dem aus Dutzenden Stiegen bestehenden Wiener Gemeindebau gesammelt.

Nicht jeder, der da unterschrieben hat, wurde aber bei Gericht vorgeladen. Genauso wenig wie jene Nachbarn, die gerne für Sabine J. gesprochen hätten. Die erzählen hätten wollen, wie freundlich und hilfsbereit die Frau sei. Wie gut erzogen ihre vier Hunde sind und dass es nie Probleme mit ihr und ihren Tieren gegeben habe. Dass sie aber andere Mieter auf die Leinenpflicht für deren Hunde aufmerksam gemacht habe. Und sich darüber vielleicht jemand geärgert hat...

Als sich Nachbarn zusammengetan und Unterschriften für den Verbleib von Frau J. in ihrer Wohnung gesammelt haben, hat das weder das Gericht noch Wiener Wohnen, als Verwalter der Gemeindewohnungen, interessiert. Weil Fristen abgelaufen waren.

Die Ombudsfrau hat bei ihren Besuchen in dem Wohnhaus jedenfalls nur Gutes über Frau J. gehört. Fakt ist aber, dass die junge, behinderte Frau aus ihrer Wohnung geschmissen wurde. Vielleicht hätte diese und auch manch andere Delogierung verhindert werden können, wenn die Behörden in solchen Fällen noch genauer hinschauen.

Schade ist, dass bis jetzt niemand das Herz gehabt hat, einzugestehen, dass möglicherweise Fehler passiert sind und der Fall doch neu aufgerollt werden sollte...

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden