Mi, 22. November 2017

Einsatz über 24 h

18.09.2013 10:52

Das Wilderer-Drama von NÖ im Überblick

Der Wilderer und Amokläufer aus Niederösterreich ist tot. Alois Huber (55) tötete am Dienstag drei Polizisten und einen Rettungssanitäter. Der Transportunternehmer hielt sich dann stundenlang in seinem Vierkanthof verschanzt - umzingelt von Einsatzkräften, die sogar Panzer zur Unterstützung angefordert hatten. Kurz nach Mitternacht wurde seine verkohlte Leiche in einem versteckten Bunkerraum gefunden. Hier die Ereignisse im Überblick:

Seit 2008 trieb in den Wäldern nahe Annaberg ein Wilderer sein Unwesen. Mindestens acht Fälle von Wilderei wurden in dem Gebiet registriert. Im März 2011 wurde der Wilderer von einem Jäger im Bezirk Melk auf frischer Tat ertappt. Er attackierte den Waidmann und entkam unerkannt. Eine eigens eingerichtete Sonderkommission wurde mit den Ermittlungen betraut. Die Ermittlungen liefen gegen unbekannte Täter.

In der Nacht auf Dienstag bekommt die Polizei einen Tipp, dass der als gefährlich geltende Wildschütz erneut auf der Pirsch ist. Polizei und Cobra-Beamte errichten Kontrollposten und nehmen Fahrzeugkontrollen vor.

Zwei Cobra-Beamte versuchen, den Wagen des 55-jährigen Alois Huber zu stoppen. Doch der Mann gibt Gas und durchbricht die Straßensperre - sein Fahrzeug wird bei dem waghalsigen Manöver zerstört. Dann eröffnet der Wilderer das Feuer auf die Beamten. Die Polizisten schießen zurück. Einer der Cobra-Männer wird schwer getroffen, er stirbt etwa zwei Stunden später im Spital. Huber erleidet einen Bauchtreffer und flüchtet in den Wald.

Die Rettung trifft ein. Doch etwa 50 Minuten nach der Abgabe der ersten Schüsse eröffnet Huber aus dem Dickicht erneut das Feuer. Der 70-jährige Rettungswagenfahrer – er ist seit 32 Jahren beim Roten Kreuz tätig - wird tödlich getroffen. Der Wilderer macht sich erneut aus dem Staub.

Einige Kilometer weiter stößt der Mann auf einen Streifenwagen und feuert wieder. Einer der beiden Beamten, ein Polizist aus dem Bezirk Scheibbs, erleidet einen Treffer und stirbt. Seinen Kollegen nimmt der Schütze als Geisel, kapert das Polizeiauto und flüchtet zu seinem etwa 60 Kilometer entfernten Bauernhof nahe Großpriel bei Melk.

Dienstag, 6.25 Uhr: Huber kommt daheim an und verschanzt sich in seinem auf einer Anhöhe gelegenen Vierkanthof. Ob seine Geisel zu diesem Zeitpunkt noch lebt, ist noch nicht geklärt.

7 Uhr: Hunderte Polizisten umzingeln das Anwesen, die Umgebung wird großräumig abgesperrt. Polizeisprecher Johann Baumschlager bezeichnet die Situation als "extrem schrecklich und höchst explosiv". Immer wieder schießt Huber, der legal mehrere Jagdwaffen besitzt und über ein beachtliches Munitionsarsenal verfügt, aus dem Haus auf die Polizei.

7.10 Uhr: Die Polizei versucht vergeblich, Kontakt mit dem Schützen aufzunehmen. Auch Angehörige des Amokläufers werden beigezogen, können ihn aber ebenfalls nicht erreichen. Ob Huber die Geisel bei sich im Haus hat bzw. noch andere Menschen in seiner Gewalt sind, ist zu diesem Zeitpunkt unklar. Wie erst später bekannt wird, meldet sich der Wilderer in dieser Situation bei einem Freund: "Mei Hund is scho tot. Und mich kriegen's auch nicht!", sagt Huber am Telefon.

13.38 Uhr: Die Polizei fordert Unterstützung vom Bundesheer an. Schützenpanzer aus der Kaserne Mautern werden zum Einsatzort beordert. Die drei Kettenfahrzeuge treffen kurz darauf ein. Es handelt sich um eine "sicherheitspolizeiliche Assistenzleistung", die Fahrzeuge sollen den Einsatzkräften Deckung geben.

14.25 Uhr: Der Wilderer habe die beiden Polizisten und einen Rettungssanitäter getötet, bestätigt Polizeisprecher Baumschlager und beendet damit offiziell die zunächst verhängte Informationssperre.

15.05 Uhr: Die Einsatzkräfte rücken langsam vor und durchsuchen ein Nebengebäude des Vierkanthofs. Dabei entdecken sie den entwendeten Streifenwagen und darin die Leiche des entführten Polizisten. Wie genau das vierte Opfer gestorben ist, ist noch nicht bekannt.

15.51 Uhr: Kurz dringt Rauch aus dem Vierkanthof, die Ursache dafür ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar.

16.20 Uhr: Der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer unterbricht die Sondersitzungs-Debatte über Korruption, um den Abgeordneten von dem "schrecklichen Vorfall" zu berichten. Der Nationalrat gedenkt in einer Schweigeminute der getöteten Polizisten und des Sanitäters.

17 Uhr: Im Stift Lilienfeld findet eine Pressekonferenz statt: "Es ist einer der schwärzesten Tage", sagt Roland Scherscher vom Landespolizeikommando Niederösterreich. "Niederösterreich trauert um unseren Mitarbeiter. Wir wollen den Angehörigen tiefes Mitgefühl aussprechen", erklärt Josef Schmoll, Vizepräsident des Roten Kreuzes.

17.15 Uhr: Eine Verhandlungstruppe trifft ein, eine Kontaktherstellung gelingt aber weiterhin nicht. Dass sich Sprengstoff im Haus befindet, können die Ermittler nicht bestätigen, als Vorsichtsmaßnahme wird aber der Entminungsdienst hinzugezogen.

17.30 Uhr: Ein einzelner Schuss fällt. Das ist das letzte Lebenszeichen des Verdächtigen. Zuvor hat der 55-Jährige immer wieder aus dem Gehöft heraus gefeuert.

18.20 Uhr: Die Panzer fahren beim Bauernhof vor. Der Energieversorger EVN kappt die Stromversorgung für das Anwesen. Der Zugriff des Sonderkommandos Cobra beginnt. Die Beamten führen eine "gesicherte Durchsuchung" des weitverzweigten und verwinkelten Anwesens durch.

21.10 Uhr: Die Landespolizeidirektion Niederösterreich trauert um die drei getöteten Beamten. Die Geschäftsführung spricht den Angehörigen von Gruppeninspektor Johann E., Gruppeninspektor Manfred D. und Revierinspektor Roman B. ihre aufrichtige Anteilnahme aus.

23.45 Uhr: Der Cobra-Einsatzleiter betont, dass im Haus des Täters keine weiteren Geiseln gefangen gehalten werden: "Es sind keine weiteren Personen gefährdet." Bei der Durchsuchung des Bauernhofs werde aber mit höchstmöglicher Sicherheit für die Einsatzkräfte vorgegangen.

Mittwoch, 0.27 Uhr: Die Polizei meldet, dass der verschanzte Wilderer tot ist. Die Beamten berichten, dass sie bei der Durchsuchung des Gebäudes auf ein Versteck gestoßen ist. In einem Gang ließ sich eine Wand wegdrücken, wodurch man in einen Geheimraum gelangte. "Die Einsatzkräfte haben die Tür geöffnet und wollten in den Raum eindringen, im Raum selbst hat es aber gebrannt", so Scherscher. Als das Feuer gelöscht ist, entdecken die Beamten "eine verbrannte männliche Leiche". Laut Polizei ist davon auszugehen, dass es sich dabei um den 55-Jährigen handelt.

0.53 Uhr: "Wir sind froh, dass wir den Einsatz nach 24 Stunden beenden konnten", erklärt Scherscher. Insgesamt standen 135 Beamte der Cobra und 200 Exekutivkräfte im Einsatz. Das Gebäude sei von den Beamten vollständig untersucht worden, die Gefahr sei gebannt.

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, die den Zugriff in der Einsatzzentrale des Innenministeriums verfolgt hat, bedankt sich bei allen Polizisten und Einsatzkräften. "Die Dramatik des heutigen Tages ist ohne Beispiel in der österreichischen Polizeigeschichte. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Familien der Opfer. Und mein Dank gilt den Einsatzkräften für ihre Besonnenheit während des Zugriffs."

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