So, 19. November 2017

Falsch etikettiert?

24.05.2013 13:27

Strahlenunfall in NÖ: Atom-Zentrum beschuldigt Uni

Zwischen den erhöhten Strahlenwerten an der "Alten Chemie" der Innsbrucker Universität und dem Zwischenfall im niederösterreichischen Atomforschungszentrum Seibersdorf Anfang Mai, bei dem zwei Arbeiter verstrahlt worden sind, könnte ein Zusammenhang bestehen. So behauptet die Firma "Nuclear Engineering", dass das angelieferte radioaktive Präparat in Innsbruck falsch etikettiert worden sei. Uni-Rektor Tilmann Märk weist jede Schuld von sich. Das Landeskriminalamt ermittelt.

Im Zuge des Abrisses der "Alten Chemie" waren Anfang Mai die vorhandenen Reste aus dem Isotopenlabor verpackt und zur Lagerung nach Seibersdorf verschickt werden. Dabei dürften geringe Mengen des radioaktiven Isotops Americium-241 ausgetreten sein. "Wir vermuten, dass der Glasbehälter, in dem die Substanz gelagert war, nicht ganz dicht war", meinte Märk. Dabei hätten der Experte und dessen Assistentin, die das Materials verpackt hatten, kleine Mengen der radioaktiven Substanz eingeatmet.

Uni-Rektor: "Kann nicht sagen, was in Seibersdorf passiert ist"
Vorwürfe aus Seibersdorf, wo durch dasselbe Präparat ebenfalls zwei Personen kontaminiert worden waren, wies der Rektor jedoch von sich. Dort hieß es vonseiten der Firma "Nuclear Engineering", dass das Präparat in Innsbruck falsch etikettiert und daher als harmlos eingestuft wurde.

"Von uns wurde ein korrekt verpacktes und versiegeltes Präparat nach Seibersdorf verschickt. Ich kann nicht sagen, was in Seibersdorf passiert ist. Wir haben das Material den Vorschriften gemäß verpackt und beschriftet", sagte Märk am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz in Innsbruck.

Erhöhte Strahlung erst zwei Wochen nach Vorfall bemerkt
Warum die erhöhte Strahlung an der "Alten Chemie" erst zwei Wochen nach dem Vorfall in Seibersdorf festgestellt wurde, erklärte der Rektor durch die schwere Messbarkeit des Americium-241.

"Der Experte hatte während und nach der Verpackung Messungen durchgeführt und dabei keine erhöhte Strahlung festgestellt", erläuterte Märk. Erst bei einer weiteren Messung, zwei Wochen nach den Verpackungsarbeiten, die von der Stadt Innsbruck angefordert und von einem unabhängigen Institut durchgeführt wurde, konnte die Kontamination festgestellt werden.

Keine unmittelbaren gesundheitlichen Schäden
Eine Gefährdung der Bevölkerung habe zu keiner Zeit bestanden, sagte Herbert Walter von der Abteilung für Zivil- und Katastrophenschutz des Landes Tirol. Das Isotop Americium-241 habe eine sehr geringe Reichweite, wodurch die Strahlung nicht in die Umgebung entweichen konnte und sich auf das Labor beschränkte.

Die verstrahlten Menschen wurden zwischenzeitlich ärztlich untersucht. Dabei seien keine unmittelbaren gesundheitlichen Schäden festgestellt worden und auch die Blutbilder seinen in Ordnung, teilte Märk mit. Ob die Betroffenen mit langfristigen Schäden zu rechnen haben, könne man zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. "Mitte nächster Woche werden wir die Messauswertungen bekommen, erst dann können wir klare Aussagen über das Gefährdungspotenzial treffen", sagte der Rektor.

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