Sa, 26. Mai 2018

Acht Menschen tot

29.12.2011 11:00

China: Geiselnahme in Unruheprovinz endet blutig

Bei einer blutigen Geiselbefreiung sind in der chinesischen Unruheprovinz Xinjiang acht Menschen getötet und fünf weitere verwundet worden. Die beiden Geiseln seien befreit worden. Auslöser des Geiseldramas könne "religiöser Extremismus" gewesen sein. Die Geiselnehmer waren offenbar Uiguren, die Behörden sprachen von Terroristen. Exil-Uiguren machten die Unterdrückung ihrer muslimischen Volksgruppe durch den Staat für den Vorfall verantwortlich.

"Eine Terrorgruppe nahm am 28. Dezember um 23 Uhr im Kreis Pishan im Süden von Xinjiang zwei Geiseln", schrieb das offizielle Nachrichtenportal der Region "tianshannet". Die Gruppe habe Widerstand gegen ihre Festnahme geleistet, wobei es zu einem Feuergefecht gekommen sei. "Die Polizei tötete sieben Terroristen auf der Stelle, schoss vier Terroristen an und machte vier Festnahmen", heißt es in dem Bericht der Behörden. Der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge soll bei dem Schusswechsel auch ein Polizist ums Leben gekommen sein.

Exil-Uiguren: "Systematische Repressionen"
Exil-Uiguren widersprechen der offiziellen Schilderung des Zwischenfalls. "Wir stehen im Kontakt mit Uiguren an Ort und Stelle. Solche Vorfälle sind das Ergebnis einer Welle von Festnahmen junger Uiguren durch chinesische Sicherheitskräfte", sagte Dilxat Raxit, Sprecher des Weltkongresses der Uiguren in Stockholm. Seit der Schießerei am Mittwochabend seien erneut mehrere Menschen nach Razzien der Polizei "spurlos verschwunden". Vielen Bewohnern von Pishan seien die Handys abgenommen worden, sagte Raxit unter Berufung auf örtliche Quellen.

Es ist bereits der zweite blutige Zwischenfall im Süden der Provinz Xinjiang innerhalb eines halben Jahres. Am 18. Juli waren in Khotan bei einem Zusammenstoß von Uiguren und chinesischen Sicherheitskräften offiziellen Angaben zufolge 14 Menschen getötet worden.

Chinas explosive Minderheitenprobleme
Die ethnischen Spannungen in Xinjiang machen neben den immer wiederkehrenden Unruhen in Tibet Chinas explosive Minderheitenprobleme deutlich. Im Juli 2009 waren bei gewalttätigen Zusammenstößen von Uiguren und Han-Chinesen in der Provinzhauptstadt Urumqi 197 Menschen ums Leben gekommen.

Seit sich Peking die Region Xinjiang 1955 als "Autonome Region" einverleibte und dort Han-Chinesen ansiedelte, kämpfen Uiguren im ehemaligen Ost-Turkestan für ihre Rechte. Viele Uiguren fühlen sich von Han-chinesischen Zuwanderern in ihrer Heimat wirtschaftlich benachteiligt und diskriminiert. Peking macht die Separatisten für mehrere Hundert Anschläge mit mehr als 200 Toten seit 1990 verantwortlich. Vier Uiguren-Gruppen wurden zu terroristischen Vereinigungen erklärt.

Massenverhaftungen, Folter und Todesurteile
Das kleine Volk der Uiguren zählt etwa zehn Millionen Menschen und ist sprachlich und kulturell eng mit den Türken verwandt. Auch Menschenrechtsorganisationen werfen Peking vor, die Uiguren zu unterdrücken. Es gebe Massenverhaftungen, Folterungen und Todesurteile. Seit Mitte der 1990er-Jahre wurden nach Angaben von Amnesty International mehr als 3.000 Uiguren verhaftet und mehr als 200 hingerichtet.

Allein nach den gewaltsamen Unruhen vom Juli 2009 gab es mehr als 400 Prozesse gegen Uiguren wegen "Anstiftung zum Separatismus" oder "Gefährdung der nationalen Sicherheit". Nur in wenigen Fällen wurden die Verurteilungen zum Tode oder zu langjährigen Haftstrafen offiziell bekannt gemacht.

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