Sa, 18. November 2017

Mitschüler getötet

22.11.2011 12:40

17-Jähriger nach Mord in OÖ: „Ich hatte ein Blackout“

Jener 17-Jährige, der seinen 16-jährigen Klassenkameraden und Freund am Sonntagabend im oberösterreichischen Braunau erstochen haben soll, kann oder will sich auch zwei Tage nach der Tat an nichts erinnern. Er habe ein "Blackout" gehabt, beteuert er. Am Dienstag wurde die U-Haft über ihn verhängt. Es bestehe dringender Tatverdacht, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Ried, Alois Ebner. Konkrete Hinweise auf ein Motiv für die Tat gebe es weiterhin nicht.

Der 17-Jährige sagte - wie schon bei seiner Einvernahme durch die Polizei - auch vor der Haftrichterin aus, dass er ein "Blackout" gehabt habe. Er könne sich an die Ereignisse am Sonntagabend nicht erinnern. Er wisse erst wieder, dass er blutbefleckt in der Wohnung aufgewacht sei. Da habe er dann die Polizei angerufen.

Er und ein jüngerer Mitschüler hatten am Sonntagnachmittag allein in der Wohnung seiner Großmutter gelernt. Was sich zwischen den zwei Freunden abgespielt hat, ist weiter unklar. Um 19.30 Uhr rief der Ältere die Polizei. Er behauptete, sich verletzt zu haben. Die Beamten fanden ihn im Bad mit Schnittverletzungen am linken Arm und am Bauch sowie die Leiche des 16-Jährigen im Wohnzimmer (siehe Infobox).

"In etwa 20 Stich- und Schnittwunden"
Bisher konnte die Polizei nur rekonstruieren, dass der 17-Jährige seinen Freund mit einem Küchenmesser tödlich verletzt haben dürfte und anschließend versucht hatte, Selbstmord zu begehen. Laut Obduktion wies die Leiche "in etwa 20 Stich- und Schnittwunden über den ganzen Körper verteilt" auf, so Ebner. Er gehe davon aus, dass Spuren des 17-Jährigen an der Tatwaffe sein werden.

Der Staatsanwalt erklärte zudem, dass der 17-Jährige in psychiatrisch-psychologischer Behandlung gestanden sei. Warum, wisse er nicht. Ein gerichtspsychiatrisches Gutachten über den Verdächtigen sei in Auftrag gegeben worden, unter anderem sollte seine Zurechnungsfähigkeit geprüft werden.

Nun werde das Umfeld des Burschen abgeklappert, inklusive sozialer Kontakte im Internet oder über das Handy. "Bisher gibt es nichts Konkretes, Gerüchte gibt es immer." Die Mitschüler wurden zum Teil bereits befragt.

17-Jähriger war gut im Klassenverband integriert
Er sei ein stillerer Schüler gewesen, sagte Schulleiter Florian Kotanko am Dienstag, aber gut im Klassenverband integriert. An Spekulationen beteilige er sich nicht, so der Direktor. Die Klassenkameraden des Opfers und des mutmaßlichen Täters wurden am Dienstag noch von Schulpsychologen und dem psychosozialen Notdienst betreut. "Gesprächsangebote stehen im Vordergrund", in der Zeit um das Begräbnis des 16-Jährigen werde das intensiviert.

Am Dienstag waren alle Klassenkameraden zum Unterricht erschienen. Es herrsche unter den Schülern "Empörung über das, was man in einigen Foren und Kommentaren lesen kann", so Kotanko. Es war auch der Wunsch da, den 17-Jährigen zu besuchen. "Ich habe den Schülern mitgeteilt, dass das nicht möglich ist", sagte der Direktor.

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