Mi, 23. Mai 2018

Blutiger Angriff

14.09.2011 13:21

Taliban-Kämpfer in Kabul nach 19 Stunden gestoppt

Nach dem stundenlangen Großangriff radikalislamischer Taliban-Kämpfer auf die US-Botschaft und das NATO-Hauptquartier in Kabul haben die Sicherheitskräfte die Lage wieder in den Griff bekommen. 19 Stunden nach Beginn des Angriffs am Dienstag erklärte der Sprecher des Innenministeriums, Sediq Sediqqi, die Situation sei wieder unter Kontrolle, die letzten verschanzten Taliban-Kämpfer seien in einem Hochhaus-Rohbau getötet worden.

Nach Angaben Sediqqis und eines Sprechers der NATO-Truppe ISAF wurden insgesamt 15 afghanische Zivilisten und Polizisten getötet, unter den Opfern waren auch drei Kinder. 19 Afghanen und sechs ISAF-Soldaten wurden demnach verletzt.

Auf dem Gelände der US-Botschaft seien sechs Granaten gelandet, sagte US-Botschafter Ryan Crocker am Mittwoch. Dies sei aber "keine große Sache". Auch am NATO-Hauptquartier entstand nach ISAF-Angaben "geringer Schaden". Die Aktion war der langwierigste und spektakulärste Angriff auf Kabul seit dem Sturz der Taliban vor zehn Jahren. Die Kämpfer hatten sich in einem 13-stöckigen Rohbau 800 Meter von der US-Botschaft entfernt verschanzt. Sie hatten sich offenbar als Frauen verkleidet und sich in Lüftungsschächten sowie kleinen Räumen vor Kampfhubschraubern versteckt gehalten. Die letzten überlebenden Aufständischen weigerten sich bis zu ihrem Tod, aufzugeben.

Normalerweise ist das Diplomatenviertel in Kabul mehrfach abgeriegelt. US-Experten vermuten, dass eine Sicherheitslücke bei afghanischen Behörden oder Fehler der Geheimdienste die Angreifer begünstigt hätten. In anderen Stadtteilen hatten afghanische Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben am Dienstag weitere Anschläge verhindert. Wie Polizeichef Sahir sagte, wurde ein mutmaßlicher Selbstmordattentäter erschossen, als dieser versuchte, in das Hauptquartier der Grenzpolizei im Westen der Stadt einzudringen. Zwei weitere mutmaßliche Extremisten seien unweit des Parlaments sowie auf der Straße zum Flughafen getötet worden.

Clinton will beharrlich bleiben
US-Außenministerin Hillary Clinton betonte am Dienstag, der Angriff habe keinen Einfluss auf das Engagement der USA in Afghanistan. "Wir werden wachsam sein, aber wir werden uns mit noch größerer Entschlossenheit dafür einsetzen, den Afghanen, die so viel erleiden mussten, und ihren Kindern zu einer besseren Zukunft zu verhelfen." Auch der afghanische Präsident Hamid Karzai verurteilte den Angriff.

Vor wenigen Wochen hat die ISAF damit begonnen, in den ersten Regionen die Verantwortung für die Sicherheit im Land an die Afghanen zu übergeben, darunter auch in der Region Kabul. Dieser Prozess soll Ende 2014 abgeschlossen sein, wenn der Kampfeinsatz der ausländischen Truppen am Hindukusch nach einem NATO-Beschluss beendet wird.

Bereits zuvor Reihe von Anschlägen in Afghanistan
Die Taliban hatten bereits in den vergangenen Wochen zahlreiche Angriffe in Kabul und anderen Teilen Afghanistans verübt. Erst vor dreieinhalb Wochen hatte ein Selbstmordkommando das britische Kulturinstitut in Kabul angegriffen und neun Menschen getötet, darunter zwei Ausländer. Ende Juni hatten Taliban ein Luxushotel in der Stadt attackiert und elf Menschen getötet. Die Sicherheitskräfte hatten mehrere Stunden gebraucht, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

In der nördlich von Kabul gelegenen Provinz Parwan kamen Mitte August mehr als 20 Menschen ums Leben, als ein Selbstmordkommando den Amtssitz des Gouverneurs stürmte. Ende Juli attackierten die Taliban in Tarin Kowt in der Südprovinz Uruzgan mehrere Regierungsgebäude und töteten mehr als 20 Menschen. Kurz davor war bei einem gezielten Anschlag der Vorsitzende des Provinzrates von Kandahar und Bruder von Präsident Karzai, Ahmad Wali Karzai, ums Leben gekommen.

Gewalt in Afghanistan auf neuem Höhepunkt

Die Gewalt in Afghanistan ist nach Einschätzung von Beobachtern auf einem neuen Höhepunkt seit der US-Invasion im Jahr 2001 angelangt. Erst am Wochenende kamen bei einem Bombenanschlag auf einen NATO-Stützpunkt im Zentrum des Landes mindestens drei afghanische Zivilisten ums Leben (siehe Infobox).

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