Do, 23. November 2017

Lebte zuletzt in Wien

14.07.2011 12:30

„Landarzt“-Pastor Heinz Reincke 86-jährig gestorben

Der deutsch-österreichische Schauspieler Heinz Reincke, langjähriges Mitglied des Burgtheater-Ensembles und beliebter TV-Darsteller, ist im Alter von 86 Jahren gestorben, wie die österreichischen Bundestheater in einer Aussendung mitteilten. Reincke, der 1970 die österreichische Staatsbürgerschaft annahm und mit seiner Frau bis zuletzt in Wien lebte, litt seit einigen Jahren an Lungenkrebs.

Reincke, geboren am 28. Mai 1925 in Kiel, nahm bereits als 17-Jähriger Schauspielunterricht und begann als Komparse, Souffleur und Inspizient am Theater. Erste Engagements führten ihn nach Schleswig, Bonn und Stuttgart. Selbst als französischer Kriegsgefangener konnte Reincke zum Ende des Zweiten Weltkrieges nicht von seiner Passion lassen - im Lager war er Teil einer Theatergruppe. Nach dem Krieg zog er mit einer Wanderbühne durch Deutschland und arbeitete sich zu immer bekannteren Bühnen vor.

Der große Durchbruch kam 1955, als ihn Regisseur Gustaf Gründgens an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg holte. Es folgten die großen Rollen in den Klassikern: Beckmann in Borcherts "Draußen vor der Tür", Keil in Hauptmanns "Rose Bernd", Shakespeares "Macbeth" und Mephisto im "Urfaust". Er galt als wandlungsfähig-dynamischer Schauspieler mit hervorragender Sprechkultur und schaffte es mit diesem Ruf 1968 an das Wiener Burgtheater.

In der Spielzeit 1966/67 gastierte Reincke erstmals am Burgtheater als Robespierre in "Dantons Tod". Er gehörte von 1968 bis 1985 dem Ensemble an und spielte u.a. Leon in "Weh dem, der lügt", Ottokar in "König Ottokars Glück und Ende", Herr Biedermann in "Biedermann und die Brandstifter", Big Daddy in "Die Katze auf dem heißen Blechdach", Willy Loman in "Tod eines Handlungsreisenden" und Einstein in "Die Physiker". Am Haus am Ring gab er auch mit dem Wilhelm Voigt in "Der Hauptmann von Köpenick" seine letzte Bühnenvorstellung.

"Der Charme der Menschen im Süden" habe ihn auch privat an Österreich gebunden, sagte Reincke. 1970 nahm er zusätzlich die österreichische Staatsbürgerschaft an, kaufte sich später ein Haus am Mondsee und ließ sich in Wien nieder. 1974 erhielt er den Titel Kammerschauspieler und wurde 1980 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst sowie 1985 mit dem Silbernen Ehrenzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet.

Noch bekannter bei einem breiten Publikum machte ihn seine zweite Laufbahn im Fernsehen. Der kernige Norddeutsche wurde über Jahrzehnte zum Publikumsliebling. Er stand an der Seite von "Heintje" in rührseligen Heimatfilmen, spielte in Streifen wie "Fluchtweg St. Pauli - Großalarm für die Davidswache" das Nordlicht mit dem Herz am rechten Fleck oder erfreute als Nichtraucher in "Das fliegende Klassenzimmer" Kinderseelen. Auch in Serien wie "Großstadtrevier" und "Zwei Münchner in Hamburg" war Reincke vertreten. Eine seiner letzten Rollen spielte er im ZDF-Dauerbrenner "Der Landarzt" als Pastor Eckholm, Kinder kennen seine Stimme auch von zahlreichen Hörspielen.

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