Sa, 25. November 2017

„Zu spät reagiert“

18.06.2011 10:41

Verdächtiger Arzt in OÖ galt schon lange als „kinderlieb“

Nach der Festnahme jenes praktischen Arztes in Oberösterreich, der in einem selbst organisierten Ferienlager einen kleinen Buben misshandelt haben soll, quälen sich Ermittler derzeit durch rund 1.000 Kinderfotos, die am PC des Mannes gefunden worden waren. Indes werden kritische Stimmen laut: Es sei zu spät reagiert worden - offenbar war der Mediziner schon lange vor seiner Verhaftung verrufen und galt als besonders "kinderlieb".

"Warum passiert erst jetzt etwas?", klagten besorgte Leser der Kronen Zeitung wohl nicht zu Unrecht. Schließlich sei dieser Arzt schon einmal aus einem Strandbad geflogen: "Es gab öfter Anzeigen, passiert ist aber nie etwas. Einmal wurde er aus dem Strandbad geworfen, weil er Kinder im Sandkasten fotografierte", fühlen sich Eltern in ihrem Verdacht bestätigt.

Vor zwei Jahren in Italien verhört
Der teilgeständige 45-Jährige soll während der von ihm veranstalteten Feriencamps in Italien Kinder unzüchtig fotografiert und auch Kinderpornos getauscht haben - einmal sei mehr passiert. Wie die "Krone" weiters erfuhr, war der Mann vor zwei Jahren sogar in Bibione wegen Verdachts auf Kindesmissbrauch verhört, dann aber wieder freigelassen worden.

"Die beschlagnahmten Bilder werden jetzt gesichtet, denn nicht jedes Motiv ist illegal", erklärt Rudolf Keplinger, Chef des oberösterreichischen Landeskriminalamts, wo jetzt mehrere Ermittlerteams für den Fall zusammengestellt wurden. "Psychologisch geschulte Beamte werden auch mit den Kindern reden, die in den Feriencamps waren."

"Ärztegesetz schützt diesen Mann"
Wie berichtet, wurde über den Beschuldigten vorerst kein Berufsverbot verhängt. Landeshauptmann Josef Pühringer wehrte sich nun gegenüber der "Krone" gegen Vorwürfe der Untätigkeit: "Leider schützt das Ärztegesetz diesen Mann, ich habe keine Handhabe. Ich darf als Landeshauptmann einen Mediziner nur dann suspendieren, wenn dieser eine grobe Verfehlung im Zuge seines ärztlichen Berufs begangen hat. Das ist hier nicht der Fall."

Pühringer schlug allerdings vor, "dass man in so einem Fall dem Arzt die Befugnis sofort aberkennt. Man sollte über eine Gesetzesänderung nachdenken, denn eine Verfehlung bleibt eine Verfehlung, egal ob im Dienst oder im Privatleben."

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