Fr, 23. Februar 2018

Libyen-Krieg

14.04.2011 17:07

NATO will Einsatz "so lange wie nötig" fortsetzen

Die NATO-Staaten haben sich in Berlin darauf verständigt, ihren Einsatz gegen die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gadafi "so lange wie nötig" fortzusetzen. Die NATO-Länder seien "fest entschlossen", ihren Einsatz weiterzuführen, bis alle Angriffe und Drohungen gegen libysche Zivilisten beendet seien, sagte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Donnerstag nach Beratungen zu dem Konflikt in Libyen.

"Wir haben die Verantwortung, die Zivilisten in Libyen gegen einen brutalen Diktator zu schützen", sagte Rasmussen. "Wir werden nicht untätig zusehen, wie ein diskreditiertes Regime sein eigenes Volk mit Granaten, Panzern und Scharfschützen angreift", so der Nato-Generalsekretär. "Wir werden diesen Druck aufrechterhalten, solange das notwendig ist." Rasmussen forderte Gadafi zudem im Namen der NATO-Länder auf, seine Truppen aus besetzten Städten abzuziehen und zurück in die Kasernen zu holen.

"Das Regime muss sofort den unmittelbaren, vollen, ungehinderten humanitären Zugang zu allen in Libyen gewährleisten, die in Not sind und Hilfe benötigen", sagte Rasmussen. "Wir haben die Verantwortung, die Zivilisten in Libyen gegen einen brutalen Diktator zu schützen", fügte der Generalsekretär der Militärallianz hinzu. Dafür werde die NATO ein "hohes operationelles Tempo" der Einsätze beibehalten. An dem Treffen der NATO-Außenminister nahmen auch Nicht-NATO-Länder wie Katar teil, die sich an dem Einsatz des Militärbündnisses in Libyen beteiligen.

Libyen-Bündnis will UN-Mandat folgen
Rasmussen kündigte an, das Bündnis und die an dem Einsatz in Libyen beteiligten Nicht-NATO-Länder wollten dabei streng dem Mandat des UN-Sicherheitsrats folgen. Das gelte auch für die Durchsetzung eines darin enthaltenen Waffenembargos, sagte Rasmussen auf die Frage, ob die NATO Rüstungslieferungen an die Rebellen zulassen wolle. Dafür hatten sich Italien und Katar ausgesprochen.

Rasmussen rief die NATO-Länder auf, für besonders präzise Angriffe auf Ziele am Boden spezielle Flugzeuge bereitzustellen, um zivile Opfer zu vermeiden. Inzwischen verstecken die Gadafi-Truppen nach den Worten Rasmussens ihre Waffen in dicht besiedelten Gebieten, um die NATO von Luftangriffen abzuschrecken. Dies sei keine Forderung, die sich speziell an die USA richte, stellte Rasmussen klar. Die USA hatten kurz nach der Übergabe des Kommandos der Luftangriffe in Libyen an die NATO ihre hochmodernen Flugzeuge aus dem Einsatz abgezogen. Er vertraue darauf, dass die Flugzeuge von den NATO-Ländern bereitgestellt würden, sagte Rasmussen.

Mehr Kampfjets, aber keine Bodentruppen
Die NATO brauche mehr Kampfjets für den internationalen Militäreinsatz. "Wir brauchen ein paar mehr Präzisions-Kampfjets für Bodenangriffe aus der Luft", so Rasmussen. Der NATO-Oberbefehlshaber US-Admiral James Stavridis habe berichtet, die Taktik der Gadafi-Truppen, Panzer und schwere Waffen in dicht besiedelten Gebieten zu stationieren, mache dies notwendig. "Vorher waren viele Ziele einfacher zu erreichen. Wenn wir zivile Opfer vermeiden wollen, dann brauchen wir sehr spezielle Ausrüstung." Insgesamt reichten die Kräfte der am Einsatz beteiligten Staaten - knapp 200 Flugzeuge und 18 Schiffe - aber aus.

In ihrer Libyen-Erklärung nannten die Außenminister drei Punkte, die erfüllt sein müssten, damit die NATO die Militäraktion gegen Ziele in Libyen einstellt. Erstens müssten alle Angriffe und Angriffsdrohungen gegen Zivilisten aufhören. Zweitens müsse das Regime alle Streitkräfte einschließlich Heckenschützen, Söldnern und anderen paramilitärischen Milizen nachprüfbar aus den Orten zurückziehen, in die diese Kräfte eingerückt seien. Drittens müsse das Regime für humanitäre Hilfsleistungen an alle Bedürftigen im Lande ungehinderten Zugang gewähren. Sofern diese Punkte nicht erfüllt seien, werde "ein hohes Einsatztempo gegen legitime Ziele aufrechterhalten" und der Druck gegen Gadafi weiter ausgeübt.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hat indes bei dem Treffen der NATO-Außenminister gefordert, sich rechtzeitig Gedanken über ein Ende des Militäreinsatzes in dem Land zu machen. Es sei wichtig zu klären, wann und unter welchen Bedingungen die militärischen Operationen beendet werden könnten, sagte Westerwelle nach Angaben aus Delegationskreisen bei der Sitzung am Donnerstag in Berlin.

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