Mi, 21. Februar 2018

Übertriebener Check?

14.04.2011 10:49

Eltern empört: Sechsjährige auf US-Flughafen gefilzt

Die US-amerikanische "Transport Security Agency" steht seit Längerem wegen ihrer teils recht aggressiven Sicherheitschecks an US-Flughäfen in der Kritik. Im Internet macht jetzt ein Video, in dem ein sechsjähriges Mädchen von einer TSA-Mitarbeiterin übergründlich "gefilzt" wird, die Runde. Die Eltern der Kleinen wandten sich empört an die Medien und fordern ein Überdenken der Dienstvorschriften für die Mitarbeiter der Sicherheitsbehörde.

Anders als in vielen europäischen Ländern, wo die jeweiligen Flughäfen für die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen verantwortlich sind und von Zoll und Grenzpolizei nur Unterstützung erhalten, werden die Personen- und Gepäckkontrollen an den US-Airports in allen Bundesstaaten von einer Behörde und ihren rund 50.000 Mitarbeitern, zu denen neben 45.000 "TSA-Officers" auch Air Marshals und Flughafeninspektoren gehören, geregelt.

Seit November 2010 wurden die Dienstvorschriften mit der Einführung von Körperscannern an den US-Flughäfen und des gescheiterten Terroranschlages eines "Unterhosen-Bombers" massiv verschärft. Praktisch jeder Passagier, der nicht durch den Scanner will, einen unbekannten Gegenstand eingesteckt hat oder bei dem der Metalldetektor anschlägt, wird nun gründlichst gefilzt, was früher eher selten der Fall war und besonders im "freien Amerika" als verfassungswidrige Verletzung der Privatsphäre bekrittelt wird.

Sechsjährige "wie eine Terroristin" gefilzt
Das Video der sechsjährigen Anna, die Anfang April auf dem Flughafen von New Orleans, Louisiana, beim TSA-Sicherheitscheck laut ihren Eltern "wie eine Terroristin" gefilzt wurde, hat die Debatte über die übergründlichen Sicherheitskontrollen jetzt erneut entfacht. Ihre Tochter sei völlig aufgelöst nach der ungefähr zweiminütigen "Betatschung" gewesen, berichtete Mutter Selena Drexel. Die TSA-Mitarbeiterin agierte professionell und ruhig, als sie das Mädchen absuchte, dennoch sei die Kleine verstört gewesen. "Sie hat danach geweint, weil sie nicht wusste, was sie falsch gemacht hat."

Vonseiten der TSA wurde in einer Stellungnahme betont, dass die Mitarbeiterin nach den geltenden Vorschriften gehandelt habe und, wie auf dem Video ersichtlich, sehr behutsam vorgegangen sei. Dennoch werde man die Vorschriften in Bezug auf "Niedrig-Risiko-Passagiere" noch einmal evaluieren. Der republikanische Abgeordnete Jason Chaffetz, Vorsitzender des Kongressausschusses für Nationale Sicherheit, meinte hingegen, es liege ein klarer Verstoß gegen die TSA-Vorschriften vor. Diese sähen nämlich bei Personen unter 13 Jahren keine "gründlichen Durchsuchungen" (in den USA hat sich mittlerweile der Ausdruck "pat-down" etabliert) vor.

Flugsicherheit vs. Persönlichkeitsrecht
Das Ehepaar Drexel, zwei Ärzte aus dem US-Bundesstaat Kentucky, ortet durch die "Filzmethoden" vielerlei Probleme: "Wir bringen unseren Kindern bei, sich nicht von Fremden anfassen zu lassen. Und jetzt soll ich meiner Tochter sagen, dass es okay ist, wenn sie fremde Leute am Flughafen begrapschen?", fragt Selena Drexel. Sie sei derart erbost gewesen, dass sie die Absuchung ihrer Tochter kurzerhand mit dem Handy mitfilmte. Ihr Plan war, mit dem Video über das US-Fernsehen die Debatte um die TSA-Checks neu zu entfachen. Dass sich das Video wie ein Lauffeuer verbreiten würde, habe sie dann doch überrascht.

In ihrer Kritik habe sie das aber bestärkt: "Natürlich will ich mich sicher fühlen, wenn ich in ein Flugzeug steige. Aber ich will nicht das Gefühl haben, dass man dafür meine Rechte verletzen darf", so Drexel. Die Familie will in den nächsten Jahren, zumindest solange die Kinder noch klein sind, lieber mit dem Auto verreisen.

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