So, 19. November 2017

Temelin-Ausbau

13.10.2010 10:13

AKW wegen Krise und interner Probleme am Ende?

Im Kampf gegen den Ausbau des tschechischen Pannen-Reaktors Temelin bahnt sich offenbar ein Riesenerfolg der Atomgegner an. Wie aus Prager Regierungskreisen durchgesickert ist, dürfte die geplante Erweiterung des maroden AKW auf eine doppelt so große "Monster-Anlage" plötzlich doch noch gestoppt worden sein!

"Die Erweiterung des AKW Temelin um zwei neue Blöcke ist vorerst gescheitert! Laut Informationen aus Tschechien hat der Elektrokonzern ÈEZ, eine Verspätung des Projektes um mehrere Jahre angekündigt", so trocken kommentierte Radko Pavlovec, Oberösterreichs Anti-Atom-Beauftragter, den nahen Erfolg.

Strom-Absatz nicht gesichert
Laut Insider-Berichten aus der Atom-Szene sollen rechtliche Probleme bei der laufenden Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für die neuen Reaktoren den Ausschlag gegeben haben. Die tschechische Tageszeitung "Hospodarske noviny" (Mittwoch-Ausgabe) beruft sich auf nicht genannte Quellen aus der Leitung des Tschechischen Energiekonzerns (CEZ) und nennt als Hauptgrund die durch die Wirtschaftskrise verursachten Veränderungen auf dem Energiemarkt. Es sei nicht sicher, ob die Stromnachfrage nach 2020 so stark sein werde, dass man Energie aus den beiden geplanten zusätzlichen Reaktoren ohne Probleme verkaufen könnte.

Oberösterreicher können aufatmen
"Wenn es sich bewahrheitet, dass sich der Temelin-Ausbau wegen der Finanzkrise verschiebt, wäre das wohl die erste positive Auswirkung der Finanzkrise und eine große Erleichterung für die Bevölkerung in Österreich!", so Roland Egger und Gabi Schweiger, Sprecher von atomstopp_oberoesterreich. Vor allem 7.000 engagierte Bürger hatten Beschwerde gegen die Verletzung des EU-Rechtes eingebracht. Nun hofft die gesamte Anti-Atom-Front von GOBAL 2000 bis Greenpeace, dass der Stopp der AKW-Erweiterung im tschechischen Raum für fortschrittliche Energiegewinnung – und vor allem auch mehr Sicherheit angesichts der bisherigen über 100 Pannen bringt.

Kampf geht an anderer Front weiter
Auch gegen Isar 1 geht der Kampf weiter. Wobei Oberösterreich auch noch an einer anderen Front gegen einen Schrottreaktor kämpft. So werfen Pavlovec und die Bürgergruppen "Antiatom Szene" und "Anti Atom Komitee" der deutschen Regierung vor, das EU-Recht zu ignorieren: Die Laufzeitverlängerung für den bayrischen Reaktor Isar 1, der Oberösterreich bedroht, sei ohne grenzüberschreitende UVP illegal. Laut EU-Richtlinie 2001/42/EG sei eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben, wenn ein anderer EU-Mitgliedsstaat "voraussichtlich erheblich betroffen" ist.

Die deutsche Regierung hätte daher ihr Energiekonzept, das die Basis für längere Laufzeiten der alten Atomkraftwerke wie Isar 1 bildet, von sich aus dem EU-Mitglied Österreich zur Prüfung vorlegen müssen. In einem offenen Brief an die deutsche und die österreichische  Bundesregierung stellen Pavlovec und die Bürgergruppen die rechtliche Lage klar und fordern sie zur "Beendigung des widerrechtlichen Zustands" auf.

Kronen Zeitung und ooe.krone.at

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden