Di, 22. Mai 2018

Sensation perfekt!

06.05.2018 20:03

Innsbruck: Grüner Willi am Bürgermeister-Thron

Die Überraschung ist perfekt! Der Grünen-Politiker Georg Willi hat am Sonntag die Bürgermeister-Stichwahl in Innsbruck gewonnen. Er ist damit der erste grüne Bürgermeister einer Landeshauptstadt in Österreich. Willi war als Außenseiter in die Stichwahl gegen die amtierende Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) gestartet. Georg Willi erreichte 52,91 Prozent der Stimmen. Christine Oppitz-Plörer kam auf 47,09 Prozent. Erschreckend hingegen die Wahlbeteiligung: Sie lag bei nur 43,74 Prozent. 

Willi feierte am Sonntag seinen 59. Geburtstag und machte sich selbst sein wohl schönstes Geschenk: Er ist der erste grüne Bürgermeister einer Landeshauptstadt in Österreich. Direkt nach seinem Sieg verkündete er: „Ich möchte an dieser Stelle mit einem herzlichen Dank an die amtierende Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer beginnen. Wir hatten einen sehr fairen Wahlkampf auf hohem Niveau. Manche unserer Konfrontationen hatten auch einen gewissen Unterhaltungswert. Es war wirklich sehr fair und auf Augenhöhe.“ Oppitz-Plörer gratulierte dem neuen Stadt-Chef zu seinem Sieg, mit welchem ihre Amtszeit ein jähes Ende fand. 

Dank an Wählerinnen und Wähler
Der größte Dank, so Willi direkt nach der Auszählung, gehe an die Wählerinnen und Wähler für ihr Vertrauen. Auch danke er allen Menschen, die für ihn gerannt seien und für ihn geworben hätten. „Ohne sie wäre dieses Ergebnis nicht möglich gewesen“, ist Georg Willi überzeugt.

So geht es weiter
„Einen Tag sollen wir alle durchschnaufen“, so Willi, „ab Dienstag aber möchte ich Sondierungen machen, mit all jenen Parteien, die an meinem Modell von Innsbruck - ein weltoffenes, zukunftsorientiertes Innsbruck - mitbauen und Regierungsverantwortung übernehmen wollen. Klar ist, und das habe ich immer gesagt, dass Rudi Federspiel eine sehr wichtige Rolle, nämlich die der Kontrolle zukommt“, erklärt Willi. Er werde auch möglichst rasch mit ihm sprechen, um die Kontrollfunktion „maximal gut anlegen zu können“. Nach den Sondierungen soll es möglichst schnell zu Koalitionsverhandlungen kommen, um rasch eine stabile Stadtregierung bilden zu können. 

Politische Akzente
Auf die Frage nach den ersten politischen Akzenten erklärt Willi: „Ich bin angetreten, um aus Bürgerinformation, die schon sehr gut ausgebaut war, echte Bürgerbeteiligung zu machen. In allen Prozessen, die jetzt laufen, möchte ich ganz schnell versuchen diesen neuen Stil zu praktizieren. Ich möchte am ersten Tag meiner Amtszeit Bildungseinrichtungen besuchen.“ Bildung, so Willi, sei der Start ins Leben, und je besser dieser Start sei - und da könne die Stadt Innsbruck viel tun -, umso mehr könne man den Kindern mitgeben.

„Am zweiten Tag“, schildert Willi sein Vorhaben, „möchte ich die Nachbarbürgermeister besuchen, weil mir eine gute Nachbarschaft extrem wichtig ist. Am dritten Tag möchte ich schauen, wie es es mit den Finanzen für die kommenden sechs Jahre aussieht. Ich brauche ein Bild, wie groß die finanziellen Spielräume voraussichtlich sein werden, denn davon hängt auch ab, was wir alles umsetzen können.“


Das Angebot an Oppitz-Plörer
Das Angebot an Oppitz-Plörer, als Vize-Bürgermeisterin tätig sein zu können, stehe weiterhin, so Willi. Gesprochen habe man aber noch nicht darüber: „Wir haben gerade erst das Wahlergebnis erfahren. Für sie ist es sicher nicht leicht, dieses Wahlergebnis zu verdauen. Dafür braucht sie auch Zeit. Ich schätze sie, und ich habe vor der Wahl gesagt, dass dieses Angebot steht und dabei bleibe ich“, erklärt der neue Bürgermeister.

Für Oppitz-Plörer endete die Stichwahl im Fiasko, sie muss sich nun neu orientieren. Im abgelaufenen Wahlkampf kehrte die amtierende Stadtchefin und ihre Liste Für Innsbruck vor allem die Faktoren „Verlässlichkeit und Stabilität“ hervor. Sie als Bürgermeisterin und ihre Gruppierung seien die „goldene Mitte“ zwischen „links-grün“ und „rechts-blau“, lautete die Selbstzuschreibung. Einen Amtsbonus aufzubauen, gelang der 49-Jährigen aber dennoch nicht. Die häufigste Kritik machte sich an ihrem Führungsstil fest. Der Stadtchefin wurde wiederholt mangelnde Bürgerbeteiligung vorgeworfen.

Das sagt Christine Oppitz-Plörer
Auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte die 49-Jährige ein Video mit Glückwünschen und Danksagungen.

Die ersten Reaktionen
Bereits kurz nach der Verkündung des Wahlsiegs von Georg Willi trudelten die ersten Reaktion auch anderer Parteien ein. Landeshauptmann Günther Platter und die SPÖ hoffen auf eine gute Zusammenarbeit. Mehr dazu lesen Sie hier.

Zur Person
Georg Willi, am 6. Mai 1959 in Innsbruck geboren, wuchs mit sieben Geschwistern auf. Nach dem Gymnasium und dem Wirtschaftskolleg studierte Willi Biologie und Rechtswissenschaften. Der passionierte Sänger und Chorleiter gibt an, dass Musik sein wichtigstes Hobby ist. Georg ist mit Katharina Willi verheiratet und hat einen Sohn. Georg Willi war von 1989 bis 1994 schon einmal im Innsbrucker Gemeinderat. Von 1994 bis 2013 war Willi Klubchef der Grünen im Tiroler Landtag. Nach seiner Tätigkeit als Nationalrat von 2013 bis 2017 ist er jetzt Bürgermeister in Innsbruck.

 krone.at
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