Sa, 21. April 2018

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19.01.2018 07:00

Leyya: Von der Disco in die Sauna

Mit ihrer Auffassung von elektronisch angehauchtem Indiepop ohne Stiltreue gehören die Oberösterreicher Leyya schon seit einigen Jahren zu den spannendsten Bands dieses Landes. Nach zahlreichen großen Festivals und einem Amadeus-Award veröffentlichen Sophie Lindinger und Marco Kleebauer mit "Sauna" nun endlich den Nachfolger ihres gefeierten Debüts "Spanish Disco". Im ausführlichen Interview erzählten uns die beiden, warum sie jetzt fröhlicher und lebensbejahender klingen, welche Bedeutung hinter dem Albumtitel steckt, was man alles in wenigen Jahren Musikgeschäft für sich lernt und wie man am besten Trends kreiert und ihnen nicht bloß folgt.

Manchmal geht es ganz schnell. Single, EP, Album, Erfolg. So ähnlich passierte es den beiden Freunden Sophie Lindinger und Marco Kleebauer mit ihrem Projekt Leyya. Die erste Nummer „Superego“ bahnte sich ihren Weg gleich über den internationalen Markt, die EP „Drowning In Youth“ ließ Großes erwarten und das 2015 veröffentlichte Album „Spanish Disco“ schien die Vorfreude der stets wachsenden Fanschar mühelos zu bestätigen. Dass es dazu als Süßkirsche zum Kuchen auch noch einen Amadeus Award gab, brachte ihnen schließlich auch den Respekt von daheim ein. Leyya kommen schließlich, wie gefühlte 80 Prozent der heimischen Kreativ-Popmusik, aus Oberösterreich, genauer gesagt aus dem 4.000-Seelen-Ort Eferding, und mussten sich die Achtung für ihren melancholisch-dunklen Indie-Electropop erst mühsam erkämpfen.

Passion und Herzblut
„Wenn man etwas Greifbares wie den FM4-Amadeus vorweisen kann, dann wird man viel schneller respektiert. Obwohl wir sowohl vorher als auch nachher dieselben Menschen waren“, denkt Lindinger im „Krone“-Interview zurück. „Wenn man so ländlich aufwächst glaubt man immer, dass die Musik ein ewiges Hobby bleiben wird und man nicht weiterkommt“, ergänzt Kleebauer lachend, „daheim waren immer alle nett zu uns, das war schon okay, aber man hat uns auch nicht so ganz für voll genommen.“ In Wien fand man nicht nur Hörer, sondern auch Gleichgesinnte. Künstler, Musiker, Klangzauberer – Menschen, für die das Kreieren von Sounds nicht bloß als Abendbeschäftigung nach der Uni oder der Acht-Stunden-Schicht gilt, sondern die ihr gesamtes Herzblut in ihre Passion stecken. Menschen wie Leyya, die nach dem Release ihres Debüts damit auch die größten Festivalbühnen Europas bespielen. Iceland Airwaves, Reeperbahn Festival, Eurosonic und als Highlight das Primavera im malerischen Barcelona.

„Natürlich haben wir uns in dieser Zeit verändert. Man weiß, wie man mit gewissen Dingen umgehen und sie regeln kann. Auch wenn das wie ein blöder Stehsatz klingt – so etwas macht dich erwachsener.“ Für Kleebauer war neben den vielen Erlebnissen und neu geschlossenen Bekanntschaften mit „Glaubensbrüdern“ aus aller Welt vor allem das Element der Selbstständigkeit von entscheidender Wichtigkeit. „Du lernst, die Leute um dich herum zu unterscheiden. Wer meint es wirklich ernst und wer grinst nur und ist total aufgesetzt? Je weiter eine Karriere voranschreitet, umso wichtiger werden Menschen mit einer gewissen Konstanz. Mir sind die Leute, die uns nicht immer nur loben, sondern auch mal knallhart Klartext reden lieber, denn die bleiben dir dann auch in schlechten Zeiten erhalten. Im Musikgeschäft wird man schnell kritischer und wachsamer.“

Unfall und Botschaft
Nach mehr als zwei Jahren Wartezeit, unzähligen Liveauftritten und einem markanten Reifungsprozess sitzt das sympathische Duo bei Müsli und Cappuccino gemütlich im Wiener Café Jelinek, um über den lang ersehnten Albumnachfolger „Sauna“ zu sprechen. Dass es damit bis Ende Jänner 2018 dauern würde, war von den beiden so nie geplant. „Das Album war eigentlich schon fast fertig, aber als wir es mit etwas Abstand zum Songwriting genauer durchhörten, haben uns viele Songs nicht so ganz gefallen. Sie waren nicht schlecht, passten aber nicht zum Gesamtstil.“ Also wurde der Reset-Knopf gedrückt und noch einmal von vorne begonnen. Der interessante und eigentlich ideal in diese Jahreszeit passende Albumtitel ist dabei Unfall und Botschaft zugleich. „Wir haben auf Facebook ein Foto gepostet von der kleinen oberösterreichischen Holzhütte, in der wir am heißesten Tag des Jahres das Schlagzeug aufgenommen haben und schrieben den Begriff dazu. Irgendwie hat der anfängliche Spaß dann wirklich gut als Titel gepasst.“

Die Sauna steht bei Leyya für das Verbindende in der Gesellschaft. „Völlig fremde sitzen halbnackt in einem Raum, reden wenig bis nichts miteinander und entgiften sich. Es kann sich dort keiner vom anderen durch Statussymbole oder materialistische Dinge abheben. Jeder sieht in der Sauna gleich aus und es fehlt völlig am Klassendenken.“ Das Cover-Artwork zeigt zudem einen bunten Regenbogen und Menschen mit zweierlei Hautfarben – weitere Details, die den Gemeinschaftsgedanken des Duos vorantreiben. „In erster Linie sollen die Leute bei unseren Songs abschalten. Natürlich setzen wir mit dieser Aufmachung eine gewisse Botschaft ab, aber wir wollen niemanden mit Inhalten zwangsbeglücken. Pseudobelehrende Positionen einzunehmen ist nie gut.“

Keine Wiederholung
Den Kardinalsfehler, ein erfolgreiches Debütalbum inhaltsgleich zu wiederholen, haben Leyya mit bravouröser Souveränität verhindert. „Sauna“ ist ein musikalischer Ritt durch zeitgemäße Popwelten, integriert viel Funk, eine Prise Soul und spielt spürbar leicht mit verschiedensten Instrumentarium, das sich analog in die digitale Moderne mischt. Es ist wesentlich fröhlicher, lebensbejahender und vielseitiger als das Debüt und hat mit dem im Radio bereits erfolgreichen „Drumsolo“, sowie „Oh Wow“ auch zwei Songs, die im besonderen Maße aus dem Gros der gelungenen Kompositionen herausstechen. „Wir haben ernste Texte mit fröhlichen Beats und Melodien verknüpft, wodurch das Ganze einen sehr sarkastischen und ironischen Twist bekam“, resümiert Kleebauer, „dabei war das gar nicht so leicht. Man schreibt in erster Linie Songs, wenn es einem nicht so gut geht, was bei uns aber nicht der Fall war. Das Album hat aber auch seine negativen Facetten – es sind einfach beide Pole vermischt.“

Leyya wollen mit ihren Songs vor allem authentisch und zwanglos klingen. Die beiden Mittzwanziger sehen sich als Albumband, die das gute alte Format der Full-Length wieder in das Bewusstsein jener Hörer bringen möchte, deren Aufmerksamkeitsspanne sich durch die Spotifysierung der Gesellschaft stetig verkürzt. „40 Minuten sind eine gute Länge, Zwei-Stunden-Alben hört sich heute wirklich niemand mehr an. Wir haben die Songs aber in einen kontemporären Kontext gesetzt. Wer will, pickt sich ein paar Nummern zum Nebenbeihören heraus, andere können das Gesamtwerk auf sich einwirken lassen.“ Natürlich profitieren auch Leyya davon, dass Pop nach Jahren der Beliebigkeit heute wieder vielseitiger akzeptiert wird. „Hörer werden für gewöhnlich vom Radio geformt und Bands wie Bilderbuch und Wanda haben da viel in Bewegung gesetzt, weil sie eben nicht wie typischer Formatradio-Pop klingen. Wir haben schon das Gefühl, das vorher sehr viel stagnierte und die Gräben zwischen dem Mainstream und schrägerem Material zu tief waren.“

Zeitgemäße Musik zu machen, ohne Trends hinterher zu hecheln ist die Maxime für die beiden. „Wir wollen die Stärken des 60er-Pop mit modernen, elektronischen Elementen vermischen“, beschreibt Kleebauer den Zugang zur Musik, „reine Retromusik finde ich zum Kotzen, das war ja alles schon da. Als Musiker strebst du immer danach, den Sound zu fangen, der gerade vor dir in der Luft schwebt. Das ist ein großer und schwieriger Anspruch, aber nur so läuft man keinem Trend nach, sondern versucht vielmehr, ihn zu definieren.“ Ob Leyya das gelingt, das wird die Zeit beantworten. Die nächste große Tour samt Release-Show am 31. Jänner im Linzer Posthof und einem Gig am 19. April im Innsbrucker Treibhaus steht jedenfalls schon fest. Alle weiteren Infos gibt es unter www.leyya-music.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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