Mo, 18. Dezember 2017

Regen-Nachwehen

01.07.2009 08:59

Tierfreund mit Boot aus Hochwasser gerettet

Binnen Minuten schwellen harmlose Bäche zu lebensgefährlichen Sturzfluten an. In Bad Schallerbach wollte sich ein Tierfreund um eine Rehgeiß und deren drei Kitze kümmern, war plötzlich selbst in reißendem Wasser gefangen. Feuerwehrleute konnten den Pensionisten mit Hilfe eines privaten Schlauchbootes retten.

Gewitter mit Wolkenbrüchen sorgten in Oberösterreich wieder für zahlreiche Überflutungen – und dramatische Momente. In Bad Schallerbach musste ein Pensionist aus den Fluten geborgen werden. „Bei unseren Fischteichen war eine Rehgeiß mit drei Kitzen. Weil der ansonsten nur knietiefe Gebersdorfer Bach aber bedrohlich angestiegen ist, wollte ich nach den Tieren schauen, sie von dort wegjagen“, berichtet der 70-jährige Gerhard Thaler. Kaum hatte Thaler einen Holzsteg überquert, stieg der Bach weiter an – binnen einer halben Stunde um gut zwei Meter. Dabei wurde die Brücke weggerissen. Thaler stand plötzlich bauchtief im reißenden Wasser, konnte sich aber zu einem Strommast retten und festhalten.

Augenzeugen alarmierten die Feuerwehr. Der benachbarte Elektroinstallateur Rudolf Hofer stellte sein Schlauchboot zur Verfügung. Mit Hilfe von Seilsicherungen gelang es schließlich, Thaler trotz reißender Strömung zu bergen. In Bad Schallerbach waren auch fünf neue Feuerwehr-Mitglieder bei Einsätzen dabei: Sie hatten Minuten vor der Alarmierung ihre Mitgliedschaft unterschrieben – unter ihnen der neue Stadtpfarrer Hans Wimmer. Auch in Steyr-Land, Linz- Land, Eferding, Ried/I. und Rohrbach standen Feuerwehrtrupps im Dauereinsatz, um Wasser aus Kellern und von Straßen zu pumpen.

Bis zu 300 Prozent mehr Niederschläge
Der vergangene Juni schaffte zwar nicht beim Sonnenschein, dafür aber mit Niederschlägen neue Rekorde: Regional prasselte bis zu 300 Prozent mehr Wasser auf die Erde als sonst in diesem Monat. Seit Messungen erfolgen, hat es in Ried seit 115 Jahren, in Wels seit 81 Jahren, in Wolfsegg seit 56 Jahren und in Ranshofen seit 50 Jahren in einem Juni nicht so viel geregnet.

Bis zu 60 Prozent weniger Sonnenstunden, im Seengebiet dafür bis zu 2,5 Grad kühler als im Juni üblich – dafür aber sintflutartige Regenfälle – besonders zu Ende des Monats. Die Statistik des Wetterdienstes Ubimet weist für Oberösterreich verschiedene Rekorde auf. Besonders schlimm war es seit Montag vergangener Woche, als der Dauerregen begann und Wolkenbrüche landesweit immer wieder für Überflutungen sorgten. Allein in der Flut-Woche gab es zum Beispiel in Micheldorf mit 196 l/m2 um 149 Prozent mehr Niederschlag als im Monatsmittel, in Gmunden wurden 175 l/m2 (+130 Prozent) und in Kremsmünster 143 l/m2 (+132 Prozent) gemessen. Vergleichsweise fast „trocken“ war Rohrbach: 56 l/m2 (+66 Prozent).

von Johann Haginger, „OÖ-Krone“
Bild: Gefährlich angeschwollen und dennoch wild-romantisch faszinieren: die Donau in Oberösterreich

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