So, 19. November 2017

„Buh“ für Schmied

30.03.2009 12:11

Bildungsministerin stellt sich hitziger Debatte

Pfiffe und sogar einzelne "Rücktritt"-Rufe aus den eigenen Reihen hat Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) geerntet, als sie sich am Montag auf Einladung des Bundes Sozialdemokratischer Akademiker (BSA) in Linz der Diskussion mit oberösterreichischen Bundeslehrern stellte. Sie bekräftigte ihr Angebot, im Gegenzug für die Mehrarbeit eine Jobgarantie zu geben. Als eine junge Pädagogin ihr ein entsprechendes Schriftstück vorlegte, unterschrieb sie es spontan.

Der rund 1.400 Leute fassende Saal im Brucknerhaus war voll, die Stimmung aufgeheizt. Der Bildungssprecher und Klubobmann der SPÖ Oberösterreich, Karl Frais, betonte zwar, dass Schmied "nach dem Gehrer-Stillstand etwas in Bewegung gebracht hat", sparte aber auch nicht mit Kritik an seiner Parteikollegen: "Es war für mich als Sozialdemokrat nicht erträglich, nicht mit den Gewerkschaftern zu verhandeln."

"'Buh' ist auch eine Form der Kommunikation"
Als Schmied ans Rednerpult trat, stieg die Unruhe in den Bänken. Es gab Pfiffe und Buhrufe. Die Ministerin gab sich gelassen: "Auch 'Buh' ist immer noch eine Form der Kommunikation." Ihr sei bewusst, dass die Diskussion der vergangenen Tage zu Kränkungen geführt habe, "viele habe ich auch enttäuscht", räumte sie ein.

"Schulen besser machen"
In der Sache blieb Schmied allerdings hart: Ihr Ziel sei es, die öffentlichen Schulen besser zu machen "und mit der Erhöhung der Lehrverpflichtung schaffen wir es". Komme es nicht zu den von ihr angestrebten zusätzlichen zwei Unterrichtsstunden - "die sind nicht in Stein gemeißelt" - oder einer ähnlichen Maßnahme, würde man wieder ins Jahr 2006/07 zurückkehren. "Dann vergrößern wir wieder die Klassen und das bedeutet, 6.100 Lehrer verlieren ihren Job."

Schmied will neues Dienst- und Besoldungsrecht
Generell sei ein neues Dienst- und Besoldungsrecht nötig, betonte Schmied. Sie plädierte für All-in-Verträge sowie attraktive Anfangsgehälter. Um die zwei zusätzlichen Stunden Lehrverpflichtung zu ermöglichen, will sie am Zuteilungsschlüssel für die einzelnen Fächer drehen. Im Gegenzug erneuerte sie ihr Versprechen einer Jobgarantie. "In heutigen Zeiten wären viele Menschen sehr froh darüber."

Wütender Zuhörer stürmt Bühne
Im Anschluss an ihr Referat stellte sich Schmied den Fragen und Meinungsäußerungen der Lehrer, was wegen der knapp bemessenen Zeit erneut zu Unmut im Auditorium führte. Ein Teilnehmer stürmte erzürnt auf die Bühne und wollte das Mikrofon an sich bringen, scheiterte jedoch. Erfolgreicher war eine junge Sportlehrerin, die Schmied ein Schriftstück vorlegte, in dem ihr eine Anstellung garantiert wurde. Sie erhielt prompt die Unterschrift der Ministerin.

Nicht nur die sozialdemokratischen Bundeslehrer hielten am Montag in Linz eine Versammlung ab, sondern auch ihre Kollegen von der FCG. Sie kontern den Vorschlägen der Ministerin mit dem Slogan "Rücknahme oder Rücktritt". Die grünen Lehrervertreter hielten ihren Bundeslehrertag im Volkshaus in Linz-Dornach ab.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden