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30.05.2026

Sommer erleben

Wo Wein seit Urzeiten wächst

Eine halbe Autostunde von Zagreb entfernt verbirgt die Gespanschaft Krapina-Zagorje Weinberge, deren Geschichte tief in die Erde reicht – bis auf zwölf Millionen Jahre.

Foto: yossarian6-stock.adobe.com

Wer die Hügel von Hrvatsko Zagorje erklimmt, blickt auf ein Mosaik aus Weinbergen, das sich bis zum Horizont erstreckt. Die Gespanschaft Krapina-Zagorje, im Nordwesten Kroatiens zwischen den Gipfeln Macelj und Ivančica im Norden und dem Zagreber Berg Medvednica im Südosten gelegen, gilt als eine der ältesten Weinbauregionen Europas. Kein leeres Versprechen: Ein 12 Millionen Jahre altes Fossil eines Weinblatts, ausgegraben in Radoboj und im dortigen Museum ausgestellt, belegt, wie tief die Rebe in diesem Landstrich verwurzelt ist. Seitdem – über die Römerzeit bis in die Gegenwart – ist Wein in Zagorje buchstäblich auf jedem Hügel und in jedem Keller präsent. Fast kein Haus kommt ohne Rebe aus, und das reiche Weinangebot in den Restaurants und Weingütern der Region begeistert jeden Besucher auf Anhieb.

Noch aufregender als die Geologie ist eine ampelografische Entdeckung: Die „stara krapinska belina“ – wörtlich die „alte Krapina Weiße“ – gilt als Vorläuferin des heutigen Chardonnay und Stammmutter vieler bedeutender Rebsorten der Welt. Die Deutschen nennen sie „heunisch weiß“, die Franzosen „gouais blanc“. Heute ist diese Ursorte nahezu verschwunden – doch ihr Erbe blüht in jedem Glas Chardonnay weltweit weiter. Ein altes Volkslied bringt die Verbundenheit von Mensch und Rebe treffend auf den Punkt: „Došel bum doma, sel si bum pod brajde“ – frei übersetzt: „Ich werde nach Hause kommen und mich unter die Reben setzen.“

Zagorski bregi – Wein mit Qualitätsversprechen

Was Zagorje weinlich auszeichnet, sind leichte, frische Weißweine. Aus dem Verschnitt mehrerer Sorten entstehen jene Cuvées, die unter der gemeinsamen Marke „Zagorski bregi“ vermarktet werden – ein Qualitätsversprechen, das engagierte Winzer der Region gemeinschaftlich etabliert haben. Hinter der Marke steckt eine kluge Idee: Weil die Mengen der einzelnen Güter oft zu gering für eine eigenständige Vermarktung sind, schlossen sich die Produzenten zusammen, um Wiedererkennbarkeit und Qualitätskontrolle zu gewährleisten. Kein billiger Kompromiss, sondern eine bewusste Positionierung: Jeder seriöse Winzer in Zagorje hat eine preisgekrönte Mischung weißer Sorten im Angebot.

Zwischen Keller und Panorama

Wer die Weinstraße der Gespanschaft befährt und dabei Güter wie Vuglec Breg, Bolfan Vinski Vrh oder Petrač besucht, begegnet einer lebendigen Szene, gastfreundlichen Produzenten und Panoramen über smaragdgrüne Hügel. Unvermeidlich bei jedem geselligen Treffen: der „Gemišt“, ein Verschnitt weißer Sorten, der als Hausgetränk der Region gilt und den kein Besucher verpassen sollte. Die traditionellen „Zagorske kleti“ – in Weinbergnähe angelegte Keller, viele zu Restaurants oder gemütlichen Unterkünften umgebaut – sind jene Orte, an denen Zagorje seine önogastronomische Seele offenbart: Ein Glas in der Hand, der Blick über die Hügel, die Zeit steht einen Moment still.
von Philipp Stewart


Foto: IKA-stock.adobe.com
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Beliebteste Rebsorten der Region

Die Weißweinsorte Graševina dominiert mit 132,8 Hektar die Weinberge von Hrvatsko Zagorje und erzeugt feinaromatische Tropfen mit angenehmer Säure und moderatem Alkohol. Ebenfalls weit verbreitet: der Ranfol (114,3 ha), auch „Štajerska belina“ genannt, der wegen seines hohen Säuregehalts klassisch im Verschnitt eingesetzt wird. Der Rheinriesling (79,5 ha) gilt als König der regionalen Weißweine – aus guten Lagen entstehen fruchtig-blumige Weine mit viel Säure.

Die autochthone Kraljevina (52,3 ha) liefert frische, harmonische Tropfen mit leuchtend gelbgrüner Farbe. Grüner Silvaner (32 ha), Sauvignon Blanc (30,2 ha) und Chardonnay (28,2 ha) runden das Sortiment ab – Letzterer als Nachfahre der legendären „stara krapinska belina“, die als Urmutter unzähliger Weltsorten gilt.