Das freie Wort

Die Fremdsprachen nicht bluten lassen!

Sehr geehrter Herr Wiederkehr, bei Ihrem undurchdacht anmutenden Latein- bzw. Sprachen-Bashing wird völlig ignoriert, dass gerade die Sprachen im Hinblick auf einen reflektierten Umgang mit KI eine unumgängliche Voraussetzung sind. Denn die oft geforderte Kompetenz, „echte Nachrichten“ von „Fake News“ zu unterscheiden oder sprachliche Manipulationsversuche zu erkennen (Wer schreibt für welches Publikum? Wer schreibt mit welcher Intention?), wird durch die genaue Betrachtung und Analyse von Texten und Sprache trainiert. Das können die Sprachfächer am besten bieten. Außerdem gibt es bereits Bemühungen, den Schülerinnen und Schülern den Umgang mit KI beizubringen und ihnen zugleich auch deren Gefahren aufzuzeigen: Und das soll weiterhin so gestreut wie möglich geschehen, in allen Unterrichtsfächern, nicht nur in einem Fach, das noch keinen Lehrplan und keine ausgebildeten Lehrkräfte hat. Abschließend muss aber im selben Atemzug zu bedenken gegeben werden, dass die klassischen Bildungsvorzeigeländer (z. B. Dänemark) bereits wieder davon abrücken, der KI einen so hohen Stellenwert zuzusprechen. Man hat erkannt, dass die allseitige Digitalisierung den Schülern nicht nur guttut. Ja, eine gewisse Beschäftigung mit KI ist wichtig, aber nicht auf Kosten gerade jener Fächer (Sprachen!), die für den sinnvollen Umgang mit KI von besonderer Bedeutung sind. Um die dazu erforderliche Sprachkompetenz zu trainieren, reichen zwei Stunden pro Woche einfach nicht aus. Ganz im Gegenteil, sollten gerade die Sprachfächer gefördert und weiter ausgebaut werden. Was das Unterrichtsfach „Demokratie“ anbelangt, so würde ich es in den Fächern Geschichte, Geografie, Deutsch, Fremdsprachen, Ethik, Philosophie, Psychologie und Pädagogik verankern und nicht dafür die Fremdsprachen bluten lassen. Denn was können diese Fächer dafür, dass Sie dieses Wissen für wichtig erachten? Deshalb appelliere ich an Sie, Herr Wiederkehr, diese Reform zu kippen. Ich weiß, dass Sie nicht mit so viel Gegenwind gerechnet haben und wahrscheinlich diese Reform schon bald durchsetzen möchten, halte das aber für absolut unvernünftig. Vielmehr sollten Sie unserem Anliegen Gehör schenken und sich umstimmen lassen. Das würde auch zu Ihrem Anliegen von Demokratie-Bildung passen!

Mag. Dominika Stampf, per E-Mail

Erschienen am Mi, 18.2.2026

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