Einerseits wird Europa durch die USA, bisher eine Art Schutzmacht, mit Zöllen und Drohungen zur Erhöhung der Militärausgaben unter Druck gesetzt, andererseits hat China sich bei den jüngsten Feiern zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges Schulter an Schulter mit seinen Freunden – Russlands Putin und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un – gezeigt. Da sieht man, wohin die Reise geht. Dazu gesellte sich als weiterer globaler Player Indiens Narendra Modi, Regierungschef des bevölkerungsreichsten Landes der Erde. Bei Medikamenten ist Europa fast zu 70% von China und Indien abhängig, nur noch knapp ein Viertel wird in Europa produziert. Bei Mikrochips, ohne die kein Auto, kein Handy, nicht mal mehr ein simples Bügeleisen funktioniert, ist Europa fast zu 100% abhängig. Aus Taiwan, das über kurz oder lang von China geschluckt werden wird, kommt der überwiegende Teil dieser Chips. Jetzt hat Europa nach jahrelangen Verhandlungen das Mercosur-Abkommen abgeschlossen, sehr zum Missfallen einzelner Interessensgruppen wie der Landwirtschaft. Dabei haben es letzten Endes die Konsumenten in der Hand, ob unsere Landwirte im internationalen Wettbewerb bestehen können. Einerseits sind alle entsetzt und sorgen sich um das Wohl unserer Bauern und ihrer Tiere, auf der anderen Seite greift der Großteil leider zu Billigstangeboten, wo das Hühnerfilet weniger kostet als das Futter für den Stubentiger. In Summe geben wir heute trotz Preissteigerungen im Lebensmittelbereich einen wesentlich geringeren Anteil des Einkommens aus als vor 20 Jahren. Europa muss entweder ausgelagerte Produktionszweige wieder zurückholen, was große Preissteigerungen zur Folge hätte, oder sich weltweit verlässliche Handelspartner suchen, was zunehmend schwieriger wird. Eines ist sicher: Wir leben derzeit über unsere Verhältnisse, alle Länder der EU sind mehr oder minder schwer verschuldet. Woher soll der Wirtschaftsaufschwung kommen? Europa hat sich zu lange auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausgeruht, neue Innovationen verschlafen. Wo ist Europas Silicon Valley? Wo ist der Anteil Europas an der Entwicklung der KI? Wo steht Europa bei der Versorgung mit eigenen Satelliten? Die europäische Autoindustrie, einst tragender Pfeiler des deutschen Wirtschaftswunders, liegt auf der Intensivstation, Chinas E-Autos überrollen den Weltmarkt, die EU hat dem nichts entgegenzusetzen. China hat sich von der verlängerten Werkbank zum Global Player gemausert und zeigt jetzt Europa, wo es langgeht. Wichtige Bodenschätze wie Lithium hat sich China ebenfalls gesichert, die EU war nicht einmal in der Lage, die Übernahme des wichtigen griechischen Hafens Piräus durch ein chinesisches Konsortium zu verhindern. Ein Armutszeugnis, dass das dafür nötige Kapital nicht in der Union aufgebracht werden konnte. Für Aufrüstung sollen aber plötzlich ca. 800 Mrd. zur Verfügung gestellt werden, wovon der überwiegende Teil der amerikanischen Rüstungsindustrie zugutekommen wird. Würde das Geld in Forschung investiert, in erneuerbare Energien, in den Aufbau eines europäischen Weltraumprogrammes zur unabhängigen eigenen Satellitenversorgung – derzeit ist Europa auf Starlink-Satelliten von Musk angewiesen, der davon 10.000 (!) ins All befördert hat –, dann könnte es mit Europa wieder aufwärtsgehen.
Susanne Freigassner-Riederer, per E-Mail
Erschienen am Do, 11.9.2025
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