Wenn man Herrn Polaschek sagen hört, dass mit einem Lehrermangel dieses Ausmaßes nicht zu rechnen war, fragt man sich allen Ernstes, welche beruflichen Voraussetzungen ein Bildungsminister in Österreich eigentlich mitbringen muss. In einem Land, in dem es seit Jahren mit dem Zustand des Bildungssystems bergab geht – und ich denke, ich kann das nach 30 Dienstjahren sagen. Wir Lehrer beobachten seit langer Zeit eine ständige Verschlechterung unserer Arbeitsbedingungen: Stunden werden gekürzt oder gar ersatzlos gestrichen, Lehrer an falschen Stellen eingespart, was dazu führt, dass die vorhandenen Kollegen oft bis zur Erschöpfung supplieren, Studenten nehmen überhand, die kein Hauptfach mehr studieren (wer bitte, soll dieses einmal unterrichten?), und überhaupt: Es gibt viel zu wenig Lehrernachwuchs! Dieses Problem war definitiv vorhersehbar. Man muss nur eins und eins zusammenzählen. Viele alte Lehrer , wenige neue rücken nach, und das ist meines Erachtens selbst verschuldet! Wer studiert schon gern 6 (!) Jahre Mathematik oder Physik, nur um dann Pubertierenden deren Wichtigkeit nahezubringen? In gleicher Zeit kann man auch Medizin studieren oder Anwalt werden. Die meisten meiner Lehrerkollegen hätten bei dieser Studiendauer einen anderen Berufsweg eingeschlagen, so viel ist sicher. Jetzt in Krisenzeiten so zu tun, als sei diese Personalmisere urplötzlich über uns hereingebrochen, ist derart lächerlich, dass einem beinahe die Worte fehlen. Und vorzuschlagen, jetzt Quereinsteiger in die Schule zu holen, um fehlende Lehrer zu ersetzen, drückt offenbar genau die Meinung aus, die Herr Polaschek über uns Lehrer hat: Das, was wir machen, kann schnell einmal jemand! Ist doch nichts dabei, sich in eine Klasse von 27 Halbwüchsigen zu stellen und ihnen etwas beizubringen! Werter Herr Bildungsminister, ich fordere Sie hiermit auf: Gehen Sie mit gutem Beispiel voran, stellen Sie sich in eine Klasse, und zeigen Sie, was Sie drauf haben! Wird schon irgendwie gehen.
Claudia Elsenwenger, Eugendorf
Erschienen am Fr, 15.7.2022
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