Das freie Wort

Unverständlicher PS-Fetischismus

Es ist unverständlich, dass trotz Energiekrise und Klimawandel immer noch lärmende und die Umwelt höchst belastende Motorveranstaltungen durchgeführt werden. Am Red Bull Ring in Spielberg herrscht der Formel 1 Ausnahmezustand und Massen von Zuschauern reisen mit dem eigenen Auto zu diesem Spektakel. Drei Tage dröhnen die Motoren, blasen Unmengen von Abgasen in die steirischen Wälder, und die campierenden Zuschauer lassen Berge von Unrat und Müll zurück. Einige Wochen später findet im gleichen Raum die Air Power 2022 statt. Eine Leistungsschau des Bundesheeres soll es sein, so die Verteidigungsministerin. Wieder wird die ganze Region durch Lärm und Abgase belastet, nur um die Zuschauer, so Bundesministerin Tanner, über die Leistungsfähigkeit des Bundesheeres zu informieren. Diese Flugshow ist ein extrem umweltbelastender Event für Flugzeugfreaks, jedoch auch ein Geldregen für die Touristikbetriebe. Einige Wochen später starten dann die Auto-Rallyes. Quer durch das ganze Bundesgebiet rasen die PS-Monster durch die Landschaft, oftmals mit Bergwertungen im alpinen Gebiet. Auch Oldtimerliebhaber können oder wollen auf ihre Wochenendausfahrt nicht verzichten. Mit Fahrzeugen, die nicht annähernd bestehende Abgasnormen erfüllen, geht es in landschaftlich besonders schöne Gegenden und zu reizvollen Seen. Besonders umweltbelastend und verkehrsbehindernd sind auch die meist an Sonntagen durch die Landschaft zuckelnden Oldtimer-Traktorkolonnen. PS-Fetischisten leben ihre Leidenschaft ohne jegliche Rücksicht auf Natur und Umwelt aus. Und die Politik nickt diese freudig ab, niemand will es sich mit der starken Motorlobby verscherzen. So lange solche Veranstaltungen genehmigt werden, Massen von Zuschauern zu den Veranstaltungsorten pilgern dürfen, bleiben Appelle und Aufrufe unseren Lebensraum zu schützen nichts weiter als hohle Phrasen.

Franz Peer, Linz

Erschienen am So, 10.7.2022

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