Das freie Wort

Mutiger Zelenskij

Es macht mich wütend, welche Ignoranz und Bosheit mir in den Leserbriefen und auch anonymen (!) Kommentaren im Internet bezüglich des Ukraine-Krieges entgegenschlagen. Da will ein brutales, mörderisches, nachweislich verbrecherisches Regime ein ganzes Land völlig zunichtemachen, und statt alles zu unterstützen, was dagegen getan werden kann, verfällt man in Schockstarre und stellt sich, um den eigenen Egoismus zu kaschieren, auch noch auf die Seite des Aggressors! Damit unterstützt man natürlich genau den Plan Putins, der nur zu diesem Zweck wilde Drohungen ausstößt und damit schon in der Vergangenheit seine Ziele erreicht hat! Und wie es scheint, wird ihm das nach dem Willen dieser Briefeschreiber und ihrer Unterstützer auch diesmal wieder gelingen, wenn das um sich greift! Aber was dann? Wie kann man nur so (höflich ausgedrückt) geistesschlicht sein und erwarten, dass ein Kriegsverbrecher, der sich auf diese Weise immer wieder durchsetzt, plötzlich seinen Machtrausch aufgibt und zu einem auch nur einigermaßen ernst zu nehmenden Gesprächspartner wird, nicht mehr schamlos lügt und mordet. Aber offensichtlich fühlen sich viele Leute in diesem Opferstatus, der ihnen dann aber auf diese Weise und gerade deshalb auch selbst einmal blühen könnte, durchaus wohl. Da wird – getrieben von maßlosem Egoismus und Duckmäusertum – der Spieß umgedreht, ein zum Glück immer noch mutiger Zelenskij (was bei Politikern ohnehin selten ist) als eigentlicher Kriegstreiber verleumdet und die Ukrainer sogar selbst als Verbrecher beschimpft (meist natürlich auch anonym!). Wie müssen die sich dabei fühlen? Und Putin kann sich wahrlich die Hände reiben! Wie kann einem das so egal sein? Wie kann es sein, dass Opfer letztendlich immer wieder im Stich gelassen und Helfer noch beschimpft werden? Ich schäme mich für die Leute, die diese Meinung vertreten!

Mag. Ilse Klemen, Wien

Erschienen am Mi, 18.5.2022

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